Exkursion nach Dänemark und Schweden
im Jahre 2003
Reiseablauf:
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FREDERIKSBORG - EIN BEISPIEL DÄNISCHER GARTENDENKMALPFLEGE
Das Renaissanceschloss Frederiksborg auf Seeland wurde unter König Frederik II. von Dänemark (1559-1588) erbaut (Abb. 3). Es befand sich, von Wasser umgeben, auf einer rechteckigen Insel. Etwa einhundert Jahre später richtete König Frederik IV. (1699-1730) am gegenüberliegenden Ufer, nördlich des Schlosses, einen Barockgarten ein. Gartenarchitekt war der Deutsche Johann Cornelius Krieger. Er stand den Arbeiten 1720 bis 1725 vor. Die Zentralachse wurde als Wasserkanal mit Kaskaden, Fontänen und Springbrunnen geführt. Entlang dieser Achse gruppierten sich auf vier Terrassen Bosketts und ein Parterre mit den herrschaftlichen Monogrammen. Als einziger königlicher Garten Dänemarks wurde er im 19. Jahrhundert nicht verlandschaftet, jedoch Ende des 18. Jahrhunderts geschleift.
1993 waren nur noch die Terrassenanlage, sowie ausgewachsene Buchshecken und eine fragmentarische Allee vorhanden. Man entschloss sich, den Garten anhand eines Planes aus der Entstehungszeit zu rekonstruieren. Dies geschah ohne vorherige Grabungen und teilweise auf sehr spekulative Weise. Da keine Pflanzenlisten überliefert waren, entstanden die Boskettfüllungen aus Goldregen (Laburnum) und anderen Ziersträuchern neu. Die Arabesken der Parterres wirken in weiten Teilen sehr massiv und die überlieferten königlichen Monogramme wurden zugunsten der Initialen des derzeitigen Regentenpaars abgeändert. 1996 war der Großteil aller Arbeiten beendet (Abb. 1). Nur die Wiederherstellung der Wasseranlagen und die Kappungen und Formschnittversuche am ausgewachsenen Lindenbestand (Abb. 2) dauern bis heute an. Letztere wurden von den meisten Mitgliedern des Arbeitskreises als zweifelhaft beurteilt. Schnittform und -höhe des barocken Zustandes sind zwar unklar, doch fällt auf, dass der derzeitige Baumschnitt den Blick auf das Schloss von der obersten Terrasse verstellt. Alle Rekonstruktionsarbeiten in der immer noch königlichen Gartenanlage leiten Jacob Jacobsen und Jens Hendelowitz.
Abb.1 (links): Der rekonstruierte Barockgarten in der Vogelperspektive. (Aus: Frederiksborg Slotshave), Abb.2 (oben): Formschnittversuch an ausgewachsenen Linden. (Eigenes Foto) Abb.3: Schloß Frederiksborg mit rekonstruiertem Parterre (Eigenes Foto)
(Michael Karkosch)
FREDENSBORG - EINE ORANGERIE FÜR DIE KÖNIGIN
Fredensborg - ebenfalls auf der Insel Seeland - ist bis heute eine bevorzugte Sommerresidenz des Königshauses. Ein Großteil der Anlage - der Reservierte Garten - ist dem Herrscherpaar vorbehalten und wird militärisch abgeschirmt. Dazu gehört der Ziergarten, der Kräutergarten und die sogenannte Orangerie. Jens Hendelowitz ermöglichte uns den Zugang.
Der Ziergarten bestand ca. 1720 bis 1770 in barocker Form. Hier waren der Franzose N.H.Jardin (Marmorgarten) und wiederum der Deutsche J.C.Krieger gestaltend tätig. Als Elemente der Entstehungszeit haben sich eine Menagerieinsel, ein Schneckenhügel und eine Allee erhalten. Der Großteil des Gartens besteht heute als Landschaftspark. Aber auch hier finden sich noch Elemente der regelmäßigen Anlage - so das bemerkenswerte Nordmandsdal (Abb. 4). Dessen Gestaltung geht auf die Zeit des vereinten Königreiches von Norwegen und Dänemark zurück. Ab 1764 entstand ein rundes Tal, das sich über zwei Stufen zur Mitte vertieft. Die unterschiedlichen Ebenen sind als Rundwege begehbar und zu beiden Seiten mit Statuen besetzt. Sie repräsentieren die verschiedenen Volksstämme des vereinten Königreiches - in der jeweils typischen Tracht. Der Bereich hat sich im wesentlichen erhalten, verfiel jedoch in der Zeit der landschaftlichen Anlage des 19. Jahrhunderts.
Seit 1984 laufen im Nordmandsdal Wiederherstellungsarbeiten. Statuen wurden nachgearbeitet, Originale eingelagert, die ursprüngliche Terrassierung neu ausgebildet und entsprechend einer zeitgenössischen Beschreibung des Gartentheoretikers Cay Laurenz Hirschfeld eine Bepflanzung der Rundwege mit Linden, z.T. auch Fichten durchgeführt. Die Besetzung des äußersten Weges mit Bäumen wurde inzwischen teilweise zurückgenommen, um die Sicht vom Schloss auf einen nahen See nicht zu verstellen. Der Einfluss des Königshauses ist unverkennbar. Noch mehr bei einer zweiten Maßnahme: Um an die dänische Orangerie-Tradition anzuknüpfen, wurde auf Betreiben Königin Ingrids im Jahre 1995 ein modernes, sogenanntes Orangerie-Gebäude aufgeführt (Abb. 5). Es befindet sich heute an einer Stelle, auf der niemals Orangerieanlagen existierten. Nach seiner Funktion ist es eher als kombiniertes Gewächs- und Überwinterungshaus anzusprechen. Beeindruckend wirkt die moderne Architektur und Innenausstattung. Im Winter schützt das Hauptgebäude die Kübelgewächse - u.a. Citrus-Arten, die des sommers auf dem kleinen Platz davor aufgestellt werden. Angeschlossen sind treibhausartige Seitenflügel, in denen Pflanzenzucht betrieben wird. Im Hauptgebäude finden sich Wasserspiele und selbst im Sommer ein reiches Sortiment an Gewächsen. Hier werden unter anderem auch Empfänge und ähnliches abgehalten. Besichtigungen des Orangerieareals sind nur an ausgewählten Zeitpunkten möglich.
Abb.4: Im wiederhergestellten Nordmandsdal. (Eigenes Foto)
Abb.5: Das neue Orangerie-Gebäude. (Eigenes Foto)
ABRISS DER DÄNISCHEN ETAPPE
Kennzeichnend für Dänemark ist, dass die ehemaligen, königlichen Barockgärten heute noch im Besitz des Herrscherhauses sind. Der Einfluss der aktuellen Regenten auf die Gartengestaltung ist bei aller Rücksicht auf die historische Substanz unverkennbar. Wir hatten nur Gelegenheit, zwei Anlagen zu besichtigen. Repräsentative Aussagen können so nicht gemacht werden. Dennoch zeichnet sich ein Trend ab: Im Königreich ist der Umgang mit historischen Gärten sehr stark vom Willen geprägt, einstige Pracht möglichst ohne Abstriche wiedererstehen zu lassen - auch zu Lasten der Originalsubstanz und teilweise in sehr freier Interpretation der Details und des Pflanzenspektrums. Leider gehören Suchgrabungen noch nicht zur Regel. Die Notwendigkeit, eine Rekonstruktion, - die an für sich schon zweifelhaft sein kann -, durch Originalbefunde zu stützen, wird noch nicht überall gesehen.
(Michael Karkosch)
DIE GUTSANLAGE GUNNEBO - KLASSIZISTISCHES LANDHAUS, GÄRTEN UND TREIBHÄUSER
Geschichte
Als John Hall d. Ä. (1735-1802) 1778 Gunnebo kaufte, hatte es schon eine rund 500jährige wechselvolle Geschichte hinter sich: Die schriftlichen Quellen erwähnen „Gunnobodher“ erstmals 1396, als es von kirchlichem Besitz zu einem Krongut umgewandelt wurde. Ende des 16. Jahrhunderts kam es in adeligen Besitz. Der erste Adelsmann auf Gunnebo war Erik Gustafsson Stenbock (1538-1602) und bis 1711 blieb es Lehen dieser Familie, die ihren Hauptsitz auf Schloss Torpa hatten. Im 18. Jahrhundert folgte die Göteborger Handelskaufmannsfamilie Coopmann. Die erste Konkursauktion fand 1771 statt, um dann nach sieben wechselvollen Jahren in den Besitz der Familie Hall zu kommen, die Gunnebo zu dem machten, was es bis heute repräsentiert: die schönste frühklassizistische Anlage der gustavianischen Epoche. Die relativ kurze Blütezeit von Gunnebo fiel also in die Zeit als der Familie Hall: Sie baute das klassizistische Landhaus nach Entwürfen des Architekten Carl Wilhelm Carlberg (1746-1814), der nicht nur alle Gebäude, sondern auch den französischen Lustgarten und eine bemerkenswerte Orangerie baute. Carl Wilhelm entstammte einer berühmten schwedischen Architekten-, Zeichner- und Fortifikationsoffiziers-Familie, die von 1683 bis 1814 nachweisbar ist. Von 1772 - 82 reiste er u. a. nach Deutschland, England, Italien und Paris. 1775 wurde er Stadtarchitekt von Göteborg. Er knüpfte an die klassizistische Tradition seines Vaters, Bengt Wilhelm (1696-1778), an, dessen Hauptwerk das Haus der Ostindien-Kompanie in Göteborg ist. Carl Wilhelm entwickelte eine leichtere neo-klassizistische Formensprache als sein Vater, die inspiriert war von den englischen Architekten William Chambers und Robert Adam sowie von der französischen Gabriel-Tradition. Rund 200 Entwurfs-Zeichnungen aus seiner Hand sind überliefert, die auch die Inneneinrichtung von Gunnebo betreffen, die Möbel und Öfen, aber auch Entwürfe für Gartenbänke, die Terrassen mit Balustraden, die anglo-chinoisen Zäune, ja selbst die Kübel für die exotischen Pflanzen der damaligen Zeit. Sie befinden sich heute im Röhsska Konstslöd-Museum in Göteborg. Erwähnenswert ist, dass Carlberg, bevor er verantwortlicher Architekt für John Hall auf Gunnebo wurde, den Bau des Herrenhauses Partille, 1773 nach Entwürfen von Chambers errichtet, leitete.
Die Gesamtanlage in Gunnebo steht noch in der Tradition eines barocken Gesamtkunstwerks, das jedoch am Ende des 18. Jahrhunderts bereits mit dem klassizistischen Stil des Hauses und der Umgestaltung der umgebenden Landschaft in einen englischen Park bereits ganz den frühromantischen Geist der Zeit atmete - die kommende Epoche des bürgerlichen Zeitalters bereits in sich vereinte und zur Vollendung brachte.
Alle Restaurierungsarbeiten, die begannen, als die Gemeinde Mölndal 1949 Gunnebo erwarb, zielen auf die Wiedergewinnung der Gebäude, Räume und Strukturen, die Gunnebo zur seiner Blütezeit auszeichneten. Angesichts der starken Verluste, die Gunnebo in Substanz und Struktur im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts durch wechselnde Eigentümer erfuhr, lässt sich dieses denkmalpflegerische Leitbild wohl hauptsächlich damit begründen, dass die zahlreichen Zeichnungen des Architekten Carlberg bis heute erhalten sind, und dass fast alle Zeitdokumente der gustavianischen Zeit in den folgenden Jahrhunderten stark umgestaltet und den neuen Moden angepasst wurden. Gunnebo entging diesen aktiven Umgestaltungen weitgehend, allerdings verfiel es, wie noch im Einzelnen zu zeigen sein wird, nach und nach.
Die Verführung zur Rekonstruktion und zur Neuinszenierung des klassizistischen Ensembles übte, angesichts der einmalig erhaltenen zeichnerischen Dokumentation von Carlberg, von Anfang an eine große Anziehungskraft auf die Verantwortlichen aus. Und wenn man überhaupt „Rekonstruieren darf“ - die internationalen Charten (Charta von Florenz Charta von Venedig, Charta von Athen) lehnen rekonstruierende Denkmalpflege ja im Grundsatz ab und setzen sehr enge Grenzen für authentische - letztlich nachschöpfende Wiederherstellung von Kulturdenkmalen: Gunnebo darf wohl als eines der wenigen Denkmale gelten, wo solches Nachbauen und Komplettieren eines ursprünglichen Zustandes nach Plänen von Ende des 18. Jahrhunderts überhaupt aus denkmalpflegerischen Überlegungen zulässig erscheint. Vor allem auch, weil die zentralen Teile der Anlage, wie das Haus und der französische Garten, doch in großen Teilen erhalten blieb und umfangreiche archäologische Grabungen immer wieder begleitend durchgeführt wurden, um den Wahrheitsgehalt der Carlbergschen Zeichnungen zu bestätigen.
Aber schauen wir uns die überlieferten Quellen und die historischen Befunde an und bilden uns selbst eine Meinung dazu.
Abb. 1
Die Hofkarte von Henric Liedan von 1786 zeigt uns eine erste gute Übersicht der Gesamtanlage. Allerdings zeigt sie noch nicht den vollendeten, sondern den Zustand mitten im Prozess der Neuanlage, die John Hall mit seiner Übernahme 1778 begann.
Wo der mittelalterliche Hofplatz lag, ist durch keine Zeichnung überliefert. Die Interpretation der Pläne des 18. Jh. und archäologische Grabungen untermauern jedoch die Vermutung, dass der ehemalige Hofplatz an der Stelle war, wo Liedin östlich des „Alten Küchengarten“, der durchzogen wird von einer Allee, ein dreiflügeliges Gebäude zeigt. Die früheste Karte, die eine umfassende Vorstellung von der Bodennutzung und Bepflanzung des Gesamtareals lieferte, wurde 1855 von dem damaligen Besitzer John Barclay beauftragt. Leider ist sie in keiner der Veröffentlichungen abgebildet, die ich mir beim Besuch kaufen konnte, so dass ich nichts weiter dazu sagen kann.
Wer war John Hall?
Viele Schotten und Engländer ließen sich im 18. Jahrhundert in Göteborg nieder, die damals eine große See- und Handelsstadt war. Benjamin Hall, der Vater von John Hall d.Ä., zog in den 1730er Jahren nach Göteborg, wo er Bürgerrecht erhielt. Er heiratete 1735 Cornelia Akesson und in dem selben Jahr wurde sein Sohn John geboren. Er war 13 Jahre alt, als sein Vater 1748 starb. Seine erste Ausbildung zum Kaufmann erhielt er bei Niclas Sahlgren und Claes Alströmer, beide bedeutende Kaufleute in Göteborgs Wirtschaft, die sich im Ostindien-Handel betätigten. 1767 gründete John zusammen mit dem Schotten Thomas Erskine seine erste Firma John Hall & Co., die er, nachdem Thomas 1795 nach Schottland zurückkehrte, als alleiniger Besitzer weiterführte. Obwohl der Ostindienhandel zum Ende des 18. Jahrhunderts seine Blütezeit weitgehend hinter sich gelassen hatte, brachten glückliche Umstände und John Halls Geschick ihm ein Vermögen ein, das er standesgemäß mit der Anlage eines repräsentativen Landsitz anzulegen wusste. Er heiratete mit 30 Jahren (1765) die 16jährige Christina Gothén, Tochter von Anders Gothén, den „superkargör“ der Ostindien-Handelskompanie war. 1771 gebar sie ihm den ersten Sohn, John d. J., und zwei Jahre später die Tochter Christina.
Halls erfolgreiches Handelsunternehmen umfasste Eisenhüttenwerke, Waldbesitz und Sägewerke in Västergötland, Dalsland, Värmland und Bergslagen, sowie Heringssalzereien. Exportiert wurden Stangeisen(? Stangjärn?), Stahl und Holzwaren, importiert wurde Steinkohle, Salz und Getreide. Ende des 18. Jahrhunderts wuchs John Hall & Co. zu einem führenden Handelshaus in Göteborg heran, sein Vermögen belief sich 1802, als er starb, auf 700.000 Reichsthaler banco.
Gunnebo war 54 Jahre in Besitz der Familie Hall und die nachfolgende Besitzerfolge soll hier nur kursorisch erwähnt werden. Nach Jahren des Verfalls und immer wieder vorkommenden Erb- und Rechtsstreitigkeiten brachte es erst John Barclay (1810-1862) wieder in guten Stand. Jedoch starben er, seine Frau und sein 10-jähriger Sohn in nur vier Monaten (1861-62), so dass die einzige Tochter Gunnebo erbte, die es jedoch verkaufte. In den 80erJahren des 19. Jahrhunderts, als Johann Gustaf Cavalli (1822-1888) Gunnebo als Sommersitz auswählte, entdeckte er zusammen mit seinem Architekten Victor von Gegerfeldt als erster den künstlerischen und historischen Wert der Anlage wieder. Nach seinem Tod übernahm es der deutschstämmige Fabrikant Wilhelm Friedrich Denninghoff, der es seiner Tochter Hilda, die Freiherr Carl Sparre ehelichte, als Brautgeschenk übergab. Sie wohnten in Gunnebo und hatten zwei Töchter, Britta (1890-1963) und Margareta (1900-1985), die 1949 nach dem Tod der Mutter, das Anwesen an die Kommune Mölndal verkauften.
Gunnebo im Kommunalen Besitz
Gemäß des Wunsches der Mutter Hilda, die bei ihrem Tod bereits 60 Jahre in G. gewohnt hatte, sollte es der Stadt zu Kauf angeboten werden. Dies geschah dann auch. Die Absicht des Kaufs bestand darin, einerseits eine kulturhistorisch wertvolle Anlage der Nachwelt dauerhaft zu erhalten und der Stadt einen Repräsentationsort für feierliche Anlässe zu bieten. Bereits 1949 erklärte der Reichsantiquariat (der Landeskonservator) im Einvernehmen mit der Gemeinde das Landhaus mitsamt dem Garten und der Umgebung zum Denkmal und die ersten Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten begannen mit kommunalen Geldern. Bereits 1952 öffnete man das Haus für die Öffentlichkeit, nachdem die Herrichtung und Einrichtung der Innenräume, durch Rekonstruktionen und Ankauf von gustavianischen Möbeln auf dem Antiquitätenmarkt, für einen Museumsrundgang ausreichte. Zwei Jahre später begann die Restaurierung der überlieferten französischen Gartenanlage. Insbesondere die das Haus umgebenden Terrassenanlagen mit seinen Balustraden konnten nun auch mit vielen privaten Geldern wiederhergestellt werden. Bis 1980 kamen die Restaurierungsarbeiten zum Abschluss mit der Wiederherstellung der ursprünglichen, neo-klassizistischen Farbfassung der Fassaden des Hauses. Erst 1830, so ergaben restauratorische Untersuchungen von teilweise über 40 Farbschichten, wurde das Haus gelb und rot gestrichen. Die Fassade des Landhauses bekam wieder seinen grauen Anstrich. 1988 wurde das Restaurierungsprogramm aufgestellt, das bis 1991 durchgeführt wurde, wobei insbesondere die Gardinen und Textilien des Hauses wiederhergestellt wurden. Ab 1995 begann eine neue Kampagne, die unter dem Motto „Gunnebo zurück zum 18. Jahrhundert“ europaweites Aufsehen erregte und finanzielle Förderung durch EU-Mittel mit komplementären, kommunalen Geldern genoss. Insgesamt konnten 45 Millionen Kronen bereitgestellt werden, die auch Ausbildungsprojekte zur Förderung des traditionellen Handwerks inklusive der Wiederherstellung des Küchengartens und seiner Nebengebäude sowie den Wiederaufbau eines Gewächshauses einschloss.
Der französische Lustgarten und die Orangerie
Der formale Garten, der sich entlang einer Hauptachse in Nord-Südrichtung entwickelte, wurde von 1786-96 angelegt. Die verschiedenen Gartenräume bilden eine Einheit mit dem Haus und sind auf den zentralen Gartensalon des Hauses ausgerichtet. Verschiedene Terrassen- und Parterreanlagen, die im Norden (Zufahrt), im Osten (zum Küchengarten) und im Süden (zum Garten) liegen, bilden architektonische Kunsträume, die zwischen Haus, Gärten und umgebender Landschaft vermittelten.
Im Norden lag die Zufahrt zum Haus, die ihren Anfang nahm in einem mit geschnittenen Hecken umgebenden Wendeplatz, mit Ruheplätzen in Laubenform, sowie einer Treillage aus Ulmen (nördlich davon liegt heute der PKW-Stellplatz). Begleitet von den wiederhergestellten anglo-chinoisen Zäunen erklomm man den recht steilen Berg, auf dem das Landhaus lag. Westlich davon lag ein Bach, der Alebäcken, der zugeschüttet ist. Und noch weiter westlich davon im Wald fand man eine sog. Eremitage, ein Gebäude im damals schwärmerischen Geschmack der Zeit, das der Ruhe und der Träumerei gewidmet war. Das kleine Haus bestand aus einer Hütte, die mit einem Strohdach versehen und dessen Eingang mit Kiefernstämmen verziert war, deren Rinde nicht entfernt wurde. Im Inneren befand sich ein Ruhesofa und die Wände der Hütte waren mit Blumengirlanden verziert. Außerhalb des Hauses saß ein Einsiedler, der ganz rousseauistisch ein Buch las.
Die nördlichen Parterres enthielten Blumenbeete mit Kübelpflanzen und Rasenparterres, an den seitlichen Eingängen zierten Sphingen die Treppen.
Abb2: Blick auf das Haus über die östlich gelegenen Parterres mit dem anglo-chinoisen Zäunen, die mit Kübelpflanzen bestanden waren. Links sieht man den Ausgang vom Salon in den südlich gelegenen formalen Garten, rechts angeschnitten die stark abschüssige Zufahrtssituation von Norden auf das Haus zu.
Aquarell von J. F. Weinberg 1827
Mauern, Balustraden, kunstvolle Zäune und geschnittene Hecken schließen einerseits die verschiedenen Partien gegeneinander ab, überwinden diese Grenzlinien jedoch immer wieder: Von den oberen Terrassen konnte man aufgrund der erhöhten Lage den Garten überblicken, die Öffnungen in den Hecken gaben bestimmte Aus- und Anblicke auf Skulpturen in den Bosketts frei und die anglo-chinoisen Zäune der Zufahrt ermöglichten Durchsichten auf die umgebende felsige Naturlandschaft.
Von dem Salon im Hauptgebäude tritt man auf den Altan hinaus und konnte über Freitreppen in den herrlichen Garten nach Süden hinuntersteigen. Diese Anlage hat bis in unsere Tagen den ursprünglichen Charakter mit den Kieswegen, den Bosketts und Alleen beibehalten. Vier kleine Marmorskulpturen (Kopien) von Frulli stellen die vier Jahreszeiten dar, und sind heute hier aufgestellt. Die geschnittenen Hecken in den Bosketts umrahmten freie Plätze mit Gras, die dafür gedacht waren, eine Statue, ein Bassin für Goldfische oder eine Voliere zu enthalten.
An die Bosketts schlossen sich vertiefte „boulingrins“ an mit Vasen oder Skulpturen in den Ecken. Der Garten wird von einem Gartenteich mit Fontäne abgeschlossen. Ursprünglich war die Fontäne so ausgebildet, das aus einem Felsgestein ein Wasserstrahl in die Höhe stieg. Die herunterführende Treppe zum Teich war von Anfang an und mit (jeweils drei ? also insgesamt 6) Hermen im klassischen Stil flankiert. Heute stehen sie um den Teich aufgestellt.
Schon 1789 ist der Gärtner Anders Ros belegt, den Carlberg jedoch bereits nach 2 Jahren entließ. An seiner Stelle schickt man nach dem geschickten Gärtner Zacharias Brandt, der dem Lustgarten Haga Parken in Stockholm vorstand, der ja von Frederik Magnus Piper angelegt worden war.
Während der 6 Jahre, die Brandt hier tätig war, vollendete er den Garten nach den Ideen von Carlberg. Aussagen Brandts, der viele Gärten seiner Zeit kannte, sind aus der Entstehungszeit überliefert, in denen er den Gunneboer Garten als den ersten Garten seiner Zeit lobte. Zahlreiche exotische Pflanzen für die Orangerie und Obstgehölze für den Küchengarten wurden zu seiner Zeit eingekauft. Holz für den Betrieb der verschiednen Gewächshäuser musste gekauft werden, da nichts im Garten dafür gefällt werden durfte.
Abb 3: Blick in den Garten von Süden über das Bassin mit der Fontäne. Östlich des Boskettgartens lag die großartige Orangerie von Carl Wilhelm Carlberg.
Aquarell von J. F. Weinberg von 1795.
Südlich von dem Hauptgebäude und östlich von dem Boskettgarten gab es während der Glanzperiode des Landhauses die Orangerie, die in reiseberichten viel beschrieben wurde.
(Leider enthalten die veröffentlichten Quellen keine Zitate von diesen Reisebeschreibungen.)
Zeichnungen von Carlberg und Aquarelle von Weinberg geben uns zahlreiche, detailgetreue Ansichten. Die Abb. 4 zeigt die westliche Fassade der Orangerie mit den 4 Säulen, die drei Rundbögen einrahmen und sich zum Garten hin öffneten. Die O. war die Perle von Carlbergs Schöpfung. Sie bestand aus drei (vier?) quadratischen Eckpavillonbauten, die durch verschiedenen Flügelbauten miteinander verbunden waren. (Die Liedin Karte enthält nur 3 Eckbauten mit zwei Flügel, also eine L-Form, der übersetzte Text spricht von 4 Bauten, was einer Vierflügelanlage entspricht, die aber nirgendwo abgebildet ist.)
In der Längsrichtung des Garten in Richtung Süden verfolgt das Auge die Mittelachse und erblickt dann den bewaldeten Berg im Hintergrund, wo am Ende des 18. Jh. eine Schneise geschlagen wurde. Hier oben lag ein kleiner antiker Säulentempel, ein Tempiotto, der einen „point de vue“ bildete.
Im Süden lagen die eigentlichen Gewächshausräume mit schrägen Glaswänden und regulierbaren Scheiben. In der O. gab es auch Wohnräume für den Gartenknecht. Es gab hier eine besondere Sammlung von exotischen Gewächsen. Hinter der O. gab es ein große Treppe, die in das Orangerieparterre führte, das im Osten lag. Es werden auch Ananas erwähnt.
Im Jahrzehnt um 1780 wurde der englische Parkstil in Schweden eingeführt, daraufhin wurden die umgebenden Hügel und Wälder in G. als landschaftliche Partien angelegt mit Schlängelwegen und zahlreichen Aussichtspunkten. Eine Wanderung durch den englischen Park begann man im Westen auf dem Apollon-Hügel, von dort aus konnte man über die Steinhügel bis zur Gunnesbo-Brücke wandern. Die idyllische Weidenlandschaft westlich von G., wurde in der Zeit der Familie Hall als die elysischen Gefilde oder die champs elysees bezeichnet. Die Bevölkerung verstand diese Bezeichnung nicht, so dass sie in Vergessenheit geriet.
Man darf nicht vergessen, dass G. von Anfang an nur als Sommersitz gedacht war. Für das 18. Jahrhundert war es jedoch von unschätzbarem Wert, wenn man in der Stadt wohnte und ein Landgut besaß, wo die eigenen Nahrungsmittel produziert wurden. G. Landgut-Charakter ist heute teilweise verloren gegangen. Die Wirtschaftsgebäude im Osten des Hauptgebäudes und die anderen Gebäude, die in den historischen Plänen enthalten waren, sind verschwunden. Die heute vorhandenen Wachtmeisterflügel, Pächterwohnungen, Stallgebäude und Kuhställe sind jüngeren Ursprungs.
Man bekommt einen authentischen Eindruck von G. wie es zu Halls Zeit gewesen war, wenn man sich ein Bild macht von der Gesamtanlage in seiner Umgebung. Im Osten von der östlichen Terrasse lagen zwei Flügelbauten, beide nur mit einem Stockwerk. Der südliche war ein Stall und eine Remise und lag ungefähr dort, wo heute der Wachtmeisterflügel seinen Platz hat. Heute beherbergt dieser Flügel einen größeren Wagenschuppen und Ställe. Der entsprechende (gegenüberliegende?) nördliche Flügel war der Gärtnerflügel. Neben der Wohnung für den Gärtner und seine Familie beherbergte er auch einen Raum für fremde Knechte, eine Milchkammer, einen Vorratsraum und auch die Waschküche. Im Dachboden waren zwei Giebelzimmer eingerichtet als Gästewohnungen. Hier hatte auch der Architekt Carlberg seine Wohnung, da er sich immer wieder längere Zeit auf G. aufhielt, um die Bauarbeiten zu beaufsichtigen. Es folgen die Möbel .....
Richtung Osten führte ein Weg, der s.g. „Flygel Appareillen“, ein mit Holz eingerahmter Weg, der in den Wirtschaftteil führte. Dort lag eingezäunt und eingerahmt mit Terrassenmauern und hohen Hecken der „Alte Küchengarten“. Darauf folgte im Osten das Gebiet, wo die Dienstgebäude lagen und da lag auch das Gebäude für das Dienstvolk („tjänstefolksbyggningen“) mit einem Hof mit Brunnen und Hühnerhäusern, sowie ein Backhaus.
Der Weg nach Osten führte vorbei an dem „neuen Küchengarten“, der auf beiden Seiten des Weges lag und endete schließlich beim Kuhstall. Viele der Zäune, Tore und Balustraden sind verschwunden. Sie hatten früher den Ökonomiebereich unterteilt und abgegrenzt. Später wurden viele durch Steinsäulen mit Eisenketten unter der Freiherrin von Sparre ersetzt. Die Eisenketten kamen vom östlichen Hafenkanal des südlichen Hafenbeckens in Göteborg.
Durch das fehlen der ursprünglichen Abgrenzungen, hat der Ökonomiebereich seinen ursprünglichen strengen Charakter verloren. Am Anfang war die architektonische Planung sehr streng und heute ist es so, dass die geometrischen Gartenteile mit den landschaftlichen zusammenwachsen.
Die Kommune hat in den letzten Jahren Anstrengungen unternommen, um G. seinen ursprünglichen Charakter zurückzugeben. 1992 wurden z. B. die Rasenflächen, die sogenannten boulingrins, wieder hergestellt.
Abb.5 Carlsberg 137 Zeichnung der westlichen Gartenfassade der Orangerie
Die Orangerie
Die westliche Fassade war dekoriert mit Reliefmedaillons, Girlanden und Vasen. Die Eckpavillons, die Richtung Westen zeigten waren möbliert und besonders die nordöstliche, die sog. Grotte war sehr kostspielig mit Tropfsteindekoration, Kuppeldach mit Spiegelglas, Alkoven mit einem Ruhesofa sowie bequemen Stühlen ausgestattet. Der Raum enthielt auch Skulpturen.
Die O. war das einzige Gebäude, dass Carlberg nicht entlang seiner zwei Zentrallinien platzierte. Das liegt wohl daran, dass der optimalste Platz für eine O. ausgewählt wurde, so dass die Sonnenstrahlen optimal von den verglasten Fassaden eingefangen werden konnten. In der O. wurden exotische Gewächse und Obstbäume im Winter aufbewahrt, die es sonst nur in Mittelmeerländern gibt. In den Gerichtsakten, während des Verfalls des Gartens, als man sich Anfang des 19. Jh. um G. stritt, werden viele wertvolle Pflanzen genannt und wie schlecht sie in dieser Zeit gepflegt wurden. Die exotische Pflanzensammlung auf G. war sehr reichhaltig. Bei einer Inventur 1809 wurden folgende Gebäude besichtigt: das große Orangeriegebäude, das West- und Ostpersianische Haus und das Pomeranzenhaus „Stora Orangerie Byggningen“, „Wästra och Östra Persico huset“, „Pomerants huset“, außerdem das dreigeteilte Treibhaus mit Setz- und Bankkisten.
Die Gutachter stellten fest, dass das Orangeriegebäude und das Pomeranzenhaus total verfallen waren und repariert werden mussten. Das Treibhaus und das persische Haus waren dagegen noch gut erhalten. Aus Aufzeichnungen geht hervor, dass die Gebäude immer noch
über hundert Pomeranzen-, Zitronen- und Apfelsinenpflanzen enthielten, sowie andere Bäume wie Mandel, Bittermandel, Maulbeeren, Oliven, Muskat, Feigen und Lorbeeren.
Der Zustand der Gewächse wurde nicht kommentiert, aber der Zustand der Töpfe und Kübel wurden ausführlich beschrieben.
Abb 6: Carlbergs Zeichnungen der verschiedenen Vasen, Kübel und Scherben auf Gunnebo
Die Orangerie brannte 1829 nieder und wurde nicht wieder aufgebaut. Inwieweit sie irgendwann einmal wieder aufgebaut wird, ist unsicher, aber angesichts der starken Bestrebungen „Zurück ins 18. Jahrhunderts“ und der zahlreichen überlieferten Abbildungen gar nicht so unwahrscheinlich.
Bereits 1819, als Brandt den Garten noch einmal besuchte, berichtet er von seinem heruntergekommenen Zustand. Der Park wurde als Weide genutzt, die große Freitreppe im Süden wurde bereits kurz nach dem Konkurs von John Hall d. J. abgebrochen. Trotzdem überdauerte der Lustgarten in seinen Grundstrukturen.
Ein grundlegendes Restaurierungsprogramm für den Garten wurde erst 30 Jahre nach den Baurestaurationen begonnen, nämlich ab 1994. Zwei Hauptziele wurden für das Gartenprogramm formuliert:
1. Eine Verstärkung der Gliederung und Abgrenzung der verschiedenen Gartenräume durch Wiederherstellung der Balustraden, Zäune (bemerkenswert insb. der weiße Zaun) und Hecken (sofern nicht mehr vorhanden bzw. sie wurden bereits 1964 erneuert. Ob diese Erneuerung 1964 damals auch aus denkmalpflegeischen Gründen richtig war, kann aufgrund meiner Kenntnisse nicht beurteilen, Fakt ist, dass sie heute sehr gut nachgewachsen sind). Sowie der Nachbau des ehemaligen Garteninventars, also die Carlbergschen Gartenbänke und die Spaliere.
Abb : Der anglo-chinoise Zaun im Zufahrtsbereich. Ein aktuelles Foto.
2. Die Wiederherstellung des Küchengartens (zuerst des sog. „Neuen Küchengartens“). Der „Alte Küchengarten“ war bei unserem Besuch noch nicht wiederhergestellt, ist jedoch beabsichtigt und war auch schon vor Ort ablesbar - also der Bereich, der sich vor dem neu errichteten Gewächshaus erstreckt.
Von den 206 überlieferten Zeichnungen von Carlberg beziehen sich 36 Zeichnungen allein auf den Garten und Küchengarten. Weitere wichtige Quellen der Rekonstruktion bildeten die sehr detailreichen Aquarelle von Justus Frederik Weinberg, die dieser um 1800 gemalt hatte, sowie Skizzen von John Hall d. J. und Johann August Beijer, die wertvolle Hinweise für einige Elemente enthielten von gebauten, aber auch nicht gebauten Objekten in Gunnebo. (siehe unten die Skizzen von Beijer zur Orangerie) .
Parallel mit der Wiederherrichtung und Neuanlage der Gärten wurden archäologische Grabungen durchgeführt, nicht nur zur Verifizierung der Existenz von bestimmten Gebäuden im Küchengarten, sondern auch um Wegebreiten festzustellen und historische Wegematerialien (hellgelber, zerkleinerter Granit aus Borgislän) zu finden. Der Stand der schwedischen Gartenarchäologie erscheint mir sehr hoch und entwickelt zu sein - besser als bei uns! (wie wir das bei unserem Besuch auf Schloss Strömsholmen eindrücklich durch Katharina Frost vorgeführt bekamen, die dort Nicodems Tessins Küchengarten ausgegraben hatte.
Demgegenüber ist die gartendenkmalpflegerische Praxis noch wenig entwickelt (wie wir selbst in Drottningholm bei dem Neubau der Lindenalleen sehen konnten). Bei Lektüre der veröffentlichen Broschüren fällt auf, dass - trotz archäologischer Grabungen (und Befunde!) z.B. die Wegebreiten trotzdem den aktuellen Nutzungsüberlegungen untergeordnet. Meines Erachtens ein Indiz für die nicht institutionalisiert Gartendenkmalpflege in Schweden. Klaus Stritzke repräsentiert nach wie vor den freiberuflichen Einzelkämpfer für die schwedische Gartendenkmalpflege. Die schwedischen Landschaftsarchitekten zeichnen sich durch hervorragende zeitgenössische Gartenarchitektur aus, die jedoch ihre Geschichte nicht kennt. Die schwedische Gartenkunstgeschichtsforschung hat zwar, angestoßen durch die Dissertation des Kunsthistorikers Magnus Olausson vom Nationalmuseum in Stockholm, in den letzen Jahren zahlreiche neue Forschungsergebnisse und Veröffentlichungen hervorgebracht (leider meist nur auf schwedisch mit englischen summaries), aber diese Erkenntnis finden noch viel zu wenig Einfluss in die überall sprießende rekonstruierende Gartenneuschöpfungen. Ein Übel, das wir auch kennen. Ich bin zwar nicht aus ideologischen und dogmatischen Gründen -also nicht grundsätzlich gegen Rekonstruktionen, aber ich bin ganz strikt der Meinung, wenn rekonstruiert werden soll, dann bitte auch richtig (0 authentisch). Das muss dann aber erstens in einem genau definierten musealen Konzept vollzogen werden und die überlieferten schriftlichen und zeichnerischen Quellen müssen ausreichend sein für eine detailgetreue Rekonstruktion. Wenn die historischen Grundlagen nicht ausreichend sind, dann - so meine ich -muss aus Gründen der Ehrlichkeit ein Schnitt gezogen werden - Neues im historischen Ort.
Auch in Gunnebo wurden die neuen, alten Blumenbeete mit Stahlkanten eingefasst, die allerdings tatsächlich weitgehend unsichtbar (i. G. zu den Stahlkanten in Dänemark, siehe Fredensborg und Frederiksborg bei Hilleröd) sich in den Buchshecken versteckten. Trotzdem möchte ich mich doch als „Stahlkantengegner“ für Gärten des 18. und früher 19. Jahrhunderts „outen“: Selbst wenn sie unsichtbar bleiben. Wenn sie historisch nicht überliefert sind, so wiegt dieses Argument, dass diese Wiederherstellung pflegeleichter sei, doch nicht schwer genug. Wenn wir schon rekonstruieren, dann bitte so, wie es die alten Gartentraktate beschreiben! Und wenn wir es pflegemäßig nicht in den Griff bekommen, dann müssen wir auch so ehrlich sein, dass wir dann keine barocken Blumenbeete haben, sondern eben neue anlegen.
Der neue Küchengarten mit seinen Nebengebäuden und dem neuen Treibhaus
Der Küchengarten liegt östlich des Hauptgebäudes. Auf Carlsberg Zeichnungen findet man die Bezeichnung „Den gamla köksträdgarden“ und „Nya kökstradgarden“ sowie ein Haus, das als „Gesindehaus“ bezeichnet wurde.
Carlsberg Anmerkungen verweisen darauf, das es dort schon früher Hofgebäude gab. Und auch Henric Liedins Karte von 1768 zeigen hier frühere Gebäude und Beetstrukturen.
Beide Achsen und Beetstrukturen wurden auf dem Plan vom Garten eingezeichnet, die im Norden von einer starken Natursteinmauer eingefasst wurde, und im Osten von einer aufgeschüttete Terrasse mit Platz für ein Treibhaus endete. Im Süden und im Westen wurde das Gebiet von der umgebenden hochgelegenen Felsenlandschaft geschützt, was dem Garten eine vertiefte Lage gab. Der Garten liegt wie in einem Topf mit maximaler Einstrahlung von Süden und Osten.
Der Küchengarten blieb bis in die 40er Jahre des 20. Jahrhunderts in Betrieb. Der Restaurierungsvorschlag von 1995 betont die Wichtigkeit der Wiederrichtung des Küchengartens, um die Voraussetzung für eine eigene Gärtnerei zu schaffen. Der Küchengarten sollte den Besuchern den Eindruck und das Erleben eines lebenden Anlage vermitteln im Zusammenhang mit dem Lustgarten, dem Küchengarten, dem Landgut und der umgebenden Landschaft. Das, was angebaut wurde, sollte das Restaurant und das Cafe beliefern. Das wurde realisiert.
Carlsbergs Zeichnungen des Küchengartens mit den Anpflanzungen, Gängen, Spalieren und Früh- und Treibbeeten wurden für das Projekt zugrundegelegt. Auch die zugehörigen Gebäude, die Carlsberg gezeichnet hat, sollten unbedingt wieder aufgebaut werden, um die historischen Nebengebäude für die Nutzung wiederzugewinnen.
Bevor diese Vorschläge realisiert wurden, wurden archäologische Untersuchungen durchgeführt, um die Frage zu beantworten, ob es Reste von den Bedienstetenwohnungen im Boden gab, die Carlsberg gezeichnet hatte. Die Untersuchungen zeigten keine Spur von diesen Gebäuden und so muss man davon ausgehen, dass diese Gebäude niemals existiert haben.
Es gab aber Spuren eines Hauses, dessen Lage mit dem der Liedin Karten von 1768 übereinstimmt und deshalb nimmt man an, dass dies das alte Wohnhaus war.
Bei der Neubepflanzung des alten Küchengartens wurden Carlsbergs Intentionen befolgt. Der Boden wurde von Unkraut befreit und mit Holzeinfassungen versehen. Durch kräftige Düngung konnte bereits im ersten Sommer eine prächtige Ernte eingefahren werden. Entlang der alten Steinmauer wurden Spaliere mit verschiedenen Sorten von Birnbäumen angebaut. Die Treib- und Frühbeete konnten zeitgemäß ausgeführt werden.
Um den Garten effektiv betreiben zu können, war es notwendig auch das frühere Treibhaus wiederaufzubauen. Eine Anlage wie G. braucht ein Treibhaus, um einerseits Pflanzen für den Lustgarten und die Küche heranzuzüchten und zum anderen exotische Gewächse im Winter schützen zu können, die dann im Sommer gezeigt werden können.
Die Voraussetzungen für dieses Projekt waren jedoch komplizierter als die anderen Sanierungsprojekte der Vergangenheit, denn es gab keine exakten Bauzeichnungen von Carlberg. Mithilfe von zwei Skizzen von J. A. Beijer von Anfang des 19. Jh. und unter Rückgriff auf ähnliche Gebäude in Schweden gelang es jedoch genügend Anhaltspunkte zu gewinnen, wie das Treibhaus einst ausgesehen haben muss. Auch fanden wieder archäologische Ausgrabungen statt, so dass Lage und Grundriss des Treibhauses verifiziert werden konnten.
Abb 7: Bleistiftzeichnung von J. A. Beijer vom Treibhaus
Das neue, sowie das alte Treibhaus wurden in einem Stil gebaut, der nicht so ungewöhnlich war im 18. Jahrhundert. Signifikant sind die konkaven Schwanenhälse auf der Südseite, die das Sonnenlicht auffangen und die Strahlen in das Haus hineinreflektieren. Das neue Treibhaus wurde wie das alte so ausgerichtet, dass eine maximale Lichteinstrahlung möglich war und dadurch optimale Bedingung für di e Winteraufbewahrung für die exotischen Gewächse geschaffen wurde. Das heutige Treibhaus wird außerdem für die Aufzucht von Pflanzenmaterial für den Lustgarten genutzt.
Abb 8.: Aktuelles Bild des neuen Treibhauses. Es liegt wie eine funkelnde, weiße, etwas andersartige aber spannende Schöpfung inmitten des noch im Aufbau befindlichen alten Küchengartens und ist interessant für Gartenenthusiasten und Architekturinteressierte.
Bei dem Wiederaufbau des Küchengartens ging es jedoch nicht nur darum, historische Bilder und denkmalpflegerische Methoden modellhaft vorzuführen, sondern ein solcher Garten hat heute auch eine große soziale Bedeutung: Er soll auch Besucher nach Gunnebo ziehen, die nicht nur wegen der kulturhistorischen Bedeutung kommen, sondern auch Erholungssuchende, Ausflügler und private Gartenbesitzer, die einfach Ideen zur Anlage und Bepflanzung ihres eigenen Gartens suchen. Der Gunneboer Küchengarten mit seinem neuen Treibhaus und seiner Nebengebäuden, die heute ein Restaurant und Cafe beherbergen, soll einen Modellgarten vorstellen, der qualitätsvoller ist und ein besonderes Erlebnis darstellt.
Welche Gemüse- und Kräutersorten im 18. Jahrhundert angebaut wurden, darüber gibt es keine verlässlichen Dokumente. Es gibt aber Dokumente zu den repräsentativen und exotischen Gewächsen, die der Gärtner Zacharias Brandt importiert und gepflanzt hat. (leider nicht in den Veröffentlichungen enthalten, die ich habe).
Anfangs hat man versucht, die historischen Gewächse wieder zu finden und anzupflanzen, aber die ehrgeizigen Ziele mussten nach und nach aufgegeben werden. Es ist heute meist unmöglich Samen von Einjährigen, Kräutern und Gemüsesorten aus dem 18. Jahrhundert genetisch wieder zu finden. Viele der Pflanzen- und Gemüsesorten, die damals der Ernährung dienten, sind heute nicht mehr gängig. Und so konnten keine „Gengärten“ in Gunnebo angelegt werden, die diese Sorten enthalten, sondern man begnügte sich damit, ausgewählte und gutschmeckende Sorten anzubauen, die für das Cafehaus und das Restaurant vermarktet werden können.
Man bemüht sich jedoch darum, die traditionellen Fruchtfolgen wieder zu beleben, so dass diese Vorbild werden können für private und öffentliche Gärten.
Nur verrotteter Stallmist darf angewendet werden zur Bodenverbesserung kombiniert mit Gründünung, um den Humusgehalt im Boden zu erhöhen. Das Bearbeiten mit der Bodenfräse ist verboten und die Beete werden nur im Frühjahr doppelt umgegraben- nicht im Herbst, um eine Auslaugung von Nährstoffen während des feuchten Westküstenwinters zu vermeiden. Die Pflanzbeete für jede Sorte sind ausreichend bemessen, die Sorten werden nicht gemischt, da sie in großer Menge für die Küche benötigt werden. Man versucht zwei Mal im Jahr zu ernten. Die Blumen werden angepflanzt, weil sie einen schönen Anblick im Garten bieten und weil sie als Schnittblumen für das Landhaus und das Restaurant benötigt werden. Die Blumen ziehen auch die Bienen an, die für die Befruchtung der Obstbäume gebraucht werden. Wenn die Samen ausgewählt werden , vermeidet man es moderne, hoch produktive Hybride zu verwenden und nimmt stattdessen Samen und Gewächse, die es schon lange in der Region gibt, wenn sie gefunden und geliefert werden konnten. Das wichtigste ist also, dass die Gewächse in einer ökologisch richtigen Anbaufolge mit langfristiger Haltbarkeit gebracht werden können. Die Pflanzenschädlinge werden nicht chemisch bekämpft, stattdessen versucht man Sorten zu finden, die natürliche Abwehrkräfte besitzen und eine Symbiose mit den Nährstoffen und Mikroorganismen im Boden eingehen und so gedeihen können.
Literatur:
Gunnebo Slott & Trädgardar, 2000.
Carlsberg & Gunnebo, 1997.
Gunnebo Slott, 1993.
Abb. 1 Die Hofkarte von Henric Liedan
Abb2: Blick auf das Haus über die östlich gelegenen Parterres mit dem anglo-chinoisen Zäunen, die mit Kübelpflanzen bestanden waren. Links sieht man den Ausgang vom Salon in den südlich gelegenen formalen Garten, rechts angeschnitten die stark abschüssige Zufahrtssituation von Norden auf das Haus zu.
Aquarell von J. F. Weinberg 1827
Abb 3: Blick in den Garten von Süden über das Bassin mit der Fontäne. Östlich des Boskettgartens lag die großartige Orangerie von Carl Wilhelm Carlberg.
Aquarell von J. F. Weinberg von 1795.
Abb. 4 westliche Fassade der Orangerie mit den 4 Säulen
Abb.5 Carlsberg 137 Zeichnung der westlichen Gartenfassade der Orangerie
Abb 6 176 Carlbergs Zeichnungen der verschiedenen Vasen, Kübel und Scherben auf Gunnebo
Abb 7 Bleistiftzeichnung von J. A. Beijer vom Treibhaus
Abb 8.: Aktuelles Bild des neuen Treibhauses
(Margita Meyer)
GÖTEBORG / TRÄDGARDSFÖRENINGEN
Das Gelände des Gartens befindet sich im Südosten der ehemals von einem Wall umgebenen Stadt. Als die Wälle geschleift waren, entstand 1806 hier eine große Gartenanlage, die der erste öffentliche Park Schwedens war und in Form einer Allee noch um die halbe Stadt herum führte. Neben den durch das Volk nutzbaren Partien befand sich noch Weideland.
„Trädgardsföreningen“ (Der Gartenbauverein) wurde in Göteborg im Jahre 1842 gegründet. Der Zweck des Vereins war, einen Garten „mit Gewächs- und Treibhäusern, botanisch-systematischer Abteilung und Park“ zu schaffen. Noch im selben Jahr wurde auch die 11 ha große Gartenanlage gestaltet. Die Idee stammte von einem Kapitän (Henrik von Normann), der auf seinen weiten Reisen auch die botanischen Gärten von Berlin und Greifswald gesehen hatte. Für die Planung, Ausführung und Pflege wurden u.a. die deutschen Gärtner Töpel, Kaufmann und Gegerfeldt angestellt, die dem englischen Landschaftsgartenideal verpflichtet waren. Im Anfangsjahr wurden z.B. 250 verschiedene Rosen, Flieder, Hainbuchen, Lärchen gepflanzt. Auch die bemerkenswerten säulenförmigen Ulmen gehören zum Erstbestand. Die Grundzüge des Wegenetzes haben sich bis heute fast unverändert erhalten (siehe Kopien von Stadtplänen aus den 1860er Jahren). Zum Teich gehörte früher eine interessante zoologische Ausstattung: Schwan, Waschbär, Elch, Alligator, Bär, Igel und Eichhörnchen. Recht zeitig gab es im Garten auch gastronomische Betreuung. An der Stelle des jetzigen Palmenhauses befand sich anfangs eine Orangerie mit benachbarter Gärtnerwohnung. Daneben stand noch ein Pfirsich- und Ananashaus mit Weinkasten, etwas später ein Victoria-regia-Haus. Ein 1853 im Zuge der Cholerabekämpfung gebautes Blutegelhaus wurde später in mehreren Schritten zu einer riesigen Gewächshausanlage mit 18 Häusern erweitert und umgebaut.
Das Palmenhaus wurde im Jahre 1878 erbaut (s. Abb. 1). Es kam in Fertigbauweise von einer britischen Firma, die sich auf solche Konstruktionen spezialisiert hatte. Der Bau von Gewächshäusern aus Eisen und Glas hatte in Großbritannien, mit dem Göteborg enge wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen pflegte, gerade seinen architektonischen und technischen Höhepunkt erreicht. Nur wenige von den vielen großen Gewächshäusern, die in ganz Europa um diese Zeit gebaut wurden, sind heute noch erhalten, was den Wert dieses Palmenhauses noch erhöht. Es steht unter Denkmalschutz und wurde zwischen 1981 und 1985 vollkommen renoviert. Die Konstruktion blieb dabei erhalten, während das Fundament und die hintere Ziegelmauer neu erstellt werden mussten. Nach der Instandsetzung wurde die Bepflanzung der Erbauungszeit entsprechend in der Art des späten 19. Jh. arrangiert. Die fünf Abteilungen des Palmenhauses sind von Westen nach Osten: Kamelienhaus für Pflanzen aus Ostasien, Südamerika und Südafrika (im Winter bis 8 °C), Mittelmeerhaus für Pflanzen des Mittelmeerraumes und der Kanaren (im Winter bis 10 °C), eigentliches Palmenhaus für Palmen, Bäumen, tropische und subtropische Nutzpflanzen (mäßig feucht, ganzjährig mindestens 18 °C), Tropen und Vogelhaus für typische Tropenpflanzen und Epiphyten (feucht, ganzjährig mindestens 22 °C) und das Wasserpflanzenhaus für ausgesprochen feuchtigkeitsliebende Pflanzen (sehr feucht und bis zu 30 °C).
Vor dem Palmenhaus und in der östlichen Partie des Gartens befindet sich ein Rosarium mit etwa 2.500 Rosensorten an der Stelle der ehemaligen riesigen Gewächshausanlage (Abb. 2).
Nördlich vom Palmenhaus steht die sog. Direktorenvilla von 1874, an deren Südseite bemerkenswerte alte Spalierbirnen wachsen (Abb. 3).
Noch weiter nordöstlich befindet sich hinter einem Schmetterlingshaus und dem Rosengarten ein großes hölzernes Haus von 1892, das zur Überwinterung von Lorbeeren gebaut wurde (Abb. 4).
Bis 1975 war die Gesamtanlage im Besitz des Gartenbauvereines, ehe sie von der Stadt Göteborg übernommen wurde. Seitdem trägt das „Fritidsnämnd“ (Amt für Freizeit) Göteborgs die Verantwortung für den Park und die Gebäude. In den 1960er bis 1980er Jahren soll die Pflege nur sehr mäßig gewesen sein. Seit 1992 steht die Gesamtanlage aus Garten, Gebäuden und Skulpturen unter Denkmalschutz.
Abb. 1: Das Palmenhaus von 1878 (Nachweis Borgmann 4/9)
Abb. 2: Blick über das Rosarium auf das Direktorenwohnung und den Komplex verschiedener Glashäuser (Nachweis: Göteb Gartenv. 2)
Abb. 3: An der Südseite des Direktorenhauses von 1874 wachsen Birnen am Spalier. (Nachweis: Borgmann 1/9)
Abb. 4: Das 1892 gebaute hölzerne Haus diente anfangs der Lorbeer-Überwinterung. (Nachweis: Göteb Gartenv. 1)
(Gerd Schurig)
GÖTEBORG / BOTANISCHER GARTEN
Der im Besitz der Stadt Göteborg befindliche Botanische Garten wurde 1923 eröffnet. Auf dem Gelände befinden sich auch botanische Institutionen der Universität Göteborg.
Obwohl der Garten nicht weit vom Zentrum im Südwesten Göteborgs liegt, ist seine Lage landschaftlich sehr schön. Das 175 ha große Gesamtareal (einer der größten Botanischen Gärten Europas) wird von vier Tälern durchzogen, welche mit bis zu 100 m Höhenunterschied ein abwechslungsreiches Gelände mit Heide, waldbegleiteten Schluchten, idyllischen kleinen Seen und Wasserläufen schaffen. Von diesem Gebiet stellen 15 ha den eigentlichen Garten dar, während ein Naturreservat mit 35 ha innerhalb und 125 ha außerhalb einer Einzäunung eine typische westschwedische Küstenlandschaft zeigt. Hier befindet sich ein Bestandsarboretum.
Der eigentliche Kernteil des Gartens enthält vor allem künstlerische Pflanzungen mit spezieller (meist geographischer) Thematik und einige Gewächshäuser. Zum Bestand zählen u.a. Pinetum, systematische Abteilung, Nutzpflanzenquartier, Bambushain, Rhododendrontal, Alpinum und Japantal. Charakteristisch ist das stark bewegte Gelände, in dem sich auch Felsengärten harmonisch einfügen. Insgesamt stehen hier etwa 16.000 verschiedene Pflanzenarten. Berühmt sind eine der größten Blumenzwiebelsammlungen Europas, die rote Orchidee Disa uniflora vom Tafelberg und Sophora toromiro, die am natürlichen Standort der Osterinseln schon ausgestorben ist
Wir pilgerten in das Japantal in der entferntesten Gartenecke, um die Davidia zu bewundern (Abb. 1) und kamen dabei an einem quadratischen, kleinen, grün gestrichenen Holzpavillon vorbei, der von einem älteren Garten hierher versetzt wurde (Abb. 2). Carl Wilhelm Carlberg, der Architekt Gunnebos, kannte dieses Häuschen mit seinem gemalten Gartenprospekt im Inneren.
Am Eingang des Botanischen Gartens befindet sich ein sehr gut sortiertes Geschäft mit allem, was Gartenfreunde begeistern kann, bis hin zu Pflanzen und Samen aus eigener Anzucht. Unweit davon liegt hinter einem Bassin eine Treppenanlage. Sie bot einen stimmungsvollen Platz, um mit Käse und Wein Jörg Wacker, das Geburtstagskind des Tages, zu feiern (Abb. 3).
Abb. 1: Blühender Taschentuch-Baum (Davidia involucrata Baill.) im sogenannten Japan-Tal (Nachweis: Göteb. Bot. G. 1 oder 2)
Abb. 2: Barocker Pavillon, der von einem aufgegebenen Garten hierher versetzt wurde (Nachweis: Göteb. Bot. G. 3)
Abb. 3: Geburtstags-Gruppenbild inmitten von Blumen (Nachweis: Borgmann, 1/1)
(Gerd Schurig)
RYFORS - EIN STERBENDES GARTENDENKMAL
Das klassische Hüttengelände Ryfors liegt ca. 27 km nordwestlich von Jönköping und ist seit Generationen im Besitz der Industriellenfamilie Sager.
Von der zu Ryfors Bruk gehörenden, ehemals über 300 ha großen Gartenanlage sind heute nur noch Relikte vorhanden. Große Teile wurden zu einer Golfanlage gestaltet, welche den Anspruch erhebt, zu den ältesten in Schweden zu zählen.
1827 ging die Hütte in den Besitz des für die damalige Zeit bekannten schwedischen Industriellen Gudmund Sager über. Dieser führte auch den wirtschaftlichen Aufschwung der Hütte herbei.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden auch die Land- und Forstwirtschaft entwickelt, ein Sägewerk, Kraftwerke und die Molkerei kamen hinzu.
Gudmund Sager ehelichte 1849 Josephine Schönherr. Aus dieser Verbindung gingen zwei Söhne hervor, Robert und Edvard.
Edvard übernahm die Geschäfte des Vaters und Robert, der Jüngere von beiden, trat in den Staatsdienst ein.
Das Leben der beiden Sagerbrüder spielte sich vorwiegend in Ryfors, Stockholm und Paris ab.
Robert Sager heiratete 1888 Marie Moltke-Huitfeldt, die Tochter eines dänischen Ministers in Paris. Aus dieser Ehe ging Leon Sager hervor, welcher später die Hälfte des Anwesens Ryfors übernahm.
Edvard Sager ging die Ehe mit einer gewissen Ida Fock ein, welche botanisch sehr interessiert war. Ein besonderes Interesse hegte sie für englische Gärten.
Diese Leidenschaft war auch der Ursprung für das Anlegen des Parkes in Ryfors.
Der Garten entstand nach Plänen der beiden englischen Gartenarchitekten Edward und Henry Millner, Vater und Sohn, aus dem Jahre 1880.
Ca. 375 ha umfasste der Park, mit einem Wegenetz von 12 km. In den tiefer liegenden Gartenteilen wurden offene Plätze geschaffen um die hügelige Landschaft hervorzuheben.
Das Hauptgebäude von Ryfors befindet sich auf einem Plateau, wohin ursprünglich eine Allee führte. Der älteste Teil des Hauptgebäudes soll auf das 17. Jahrhundert zurückzuführen sein.
Ida Fock starb 1914, Edward Sager 1934.
In den dreißiger Jahren des 20. Jh. verfiel der Garten zusehends. Einige restauratorische Maßnahmen zur Erhaltung der Parkreste wurden ab 1960 unternommen.
Infolge der aktuellen Nutzung des Parks als Golfplatz wurden große Erdbewegungen vorgenommen, welche man sinnigerweise als Parksanierung bezeichnete. Von der ursprünglichen Gestaltung des Parkes ist heute kaum noch etwas zu erkennen.
Des weiteren ist durch die Golfanlage auch die Zugänglichkeit des Parks nicht mehr gegeben.
Auf eine Orangerienutzung während der Blütezeit des Gartens wird nur vage hingewiesen. Es gibt keine konkreten Aussagen dazu.
Abbildungsvorschläge:
Ryfors 1 Plan
Ryfors 2 Blick vom Plateau des Haupthauses; Reste des Parks, zugewchsene Wege im unteren Teil
Ryfors 3 vom Golfplatz veränderte Parklandschaft
Ryfors 4 vermutlich Relikt eines frz. Gartenteils (Hierzu aber kein Hinweis im Text!)
(Frithjof Pitschel)
FINSPÅNG
Louis De Geer, ein Kaufmann aus Amsterdam und Bankier aus Belgien, war um 1620 der größte Arbeitgeber in Holland und belieferte die schwedische Armee mit Waffen. Mit der Valonen-Einwanderung in Schweden kaufte er mehrere Eisenhütten, u. a. auch in Finspång, zur Herstellung schwedischer Kanonen. Sein Sohn, Louis De Geer d. J., begann 1668 mit dem Bau eines barocken Schlosses, das 1680 als Querriegel mit seitlichen Flügeln, deren Enden als Pavillons betont sind, auf einer langgestreckten Insel fertiggestellt wurde.
Den Vorplatz im Westen des Schlosses flankierten symmetrische Wirtschaftsgebäude. In der östlichen Achse des Schlosses schloss ein länglicher Lustgarten mit regelmäßiger Einteilung an. Ein Stich von 1752 (Abb.1) zeigt dessen erste beiden Kompartimente am Schloss mit Buchsbroderien und Statuen verziert. Nach einem großen Rondell in der Hauptachse folgten drei weitere, nicht näher konkretisierte Teilflächen beidseitig der Hauptachse, die beiden letzten verjüngten sich entsprechend der inselartigen Gartenfläche. Die Mittelachse endete an einem kleinen Lusthaus an der Spitze zum Wasser.
Nördlich des Rondells im Lustgarten, an der Schmalseite des Gartens, entstand 1742 eine Orangerie, die 1830 abbrannte. 1832 wurde an der gleichen Stelle ein Neubau durch den Hofintendanten Lars Jakob von Röök nach dem Vorbild des Gercino der Villa Ludovisi in Rom fertiggestellt (Abb.2). Der dreiachsige Mittelbau mit dem Giebeldreieck und die die beiden Glasfronten seitlich abschließenden, schlanken und hohen, als Durchgang konzipierten Pavillons sind mit gusseisernen Akrotheren betont. Die Stirnflächen der Pavillons tragen Reliefbänder, neben den Rundbögen sind Greifen und Lyra platziert. Die Rückseite schmücken Szenen-Malereien von Pehr Berggren nach Kopien von Guido Reni. Der Mittelgiebel zeigt florale Arabesken mit Allianzwappen. Zum Eingang in der Mitte führt eine Granittreppe, die beiden seitlichen Fenster sind mit Holzbaluster im Sockelbereich verblendet. Die Orangerie wurde 1980 im Inneren vollkommen zu einem Versammlungsraum und Büronutzungen umgebaut. Im östlichen Teil ist in einem Raum in der Mitte noch ein Weinstock erhalten, dessen Laub die Decke belebt.(Abb.3)
Die Anlage unterhält gegenwärtig der Alstrom-Konzern.
Die Lage eines ehemals vorhandenen Pisang- und Pfirsichhauses sowie anderer Treibhäuser in Finspång konnten nicht ermittelt werden.
Hinter der Orangerie befindet sich seit 1790 eine sentimentale Gartenpartie mit Brücken und einer kleinen Insel. Auf dem nordöstlich und östlich anschließendem Gelände am Flußufer wurde der Garten in landschaftlichen Formen erweitert und von einer Mauer begrenzt., die an einem Tor vermauerte Glasschlackenerze und gusseiserne Abdeckungen aufweist.
Architektonischer Höhepunkt dieses leider zugewachsen und unstrukturiert erscheinenden Landschaftsgartens ist der genau in der östlichen Mittelachse des Schlosses auf einem Hügel durch Aurora Frederike Taube nach einer Zeichnung von Frederik Samuel Silverstolpe 1790 errichtete Auroratempel. Die zwölf Säulen des Monopteros tragen die Kuppel mit dem 1799 von Pehr Hörberg ausgeführten, sehr verblassten Gemälde. In der Mitte steht ein Altar mit drei Rundeisenmedaillons (die Stifterin und ihre beiden Töchter) und mit einer Schale.
Im östlich des Tempels anschließenden Lindenhain sind große eiserne Plaketten mit Ketten an die Bäume gehängt als Erinnerungstafeln an den Besuch von Kronprinz Carl Johann 1812, König Karl XV 1861, Kronprinz Gustav (V.) 1907, Kronprinz Adolf 1936, Prinz Batil Duke of Holland 1948, König Gustav VI. Adolf 1953, König Carl XVI Gustav 1975.
Westlich und südwestlich des Schlossgartens befinden sich die ehemaligen Werksgebäude der Eisenhütte, im Süden die 1778 errichteten Arbeiterhäuser.
Im gesamten Lustgarten und Hüttengelände sind verschiedene gusseiserne Vasen, Brückengeländer und Tore in klassizistischer Formensprache vorhanden. Am Hüttengebäude sind die Symbole für Kupfer, Zinn, Blei und Zink angebracht, die auf verschiedene Eisenlegierungen verweisen.
Abbildungen:
1. Grundriss des Lustgartens 1752 von Louis de Geer (Orig. im Stal-Lavals arkiv )
2. Grundriss der Orangerie mit Fassadenaufriss von Röök (Kjellberg 1971, S. 176 u.)
3. Schrägansicht der Orangerie (Kjellberg 1971, S. 176 o.)
(Jörg Wacker)
REGNAHOLM
Die Anlage von Ragnaholm befindet sich auf einer kleinen Halbinsel im See Regna. Den geradlinigen Zufahrtsweg zum Hauptgebäude bildet eine alte Allee, die überwiegend aus Ulmen, Ahorn und Linden besteht. Sie führt direkt auf das neunachsige Herrenhaus zu. Das ursprünglich barocke Gebäude wurde 1759 in den Formen des Rokoko umgestaltet. Anfänglich besaß es den für Schweden seit dem 17. Jahrhundert typischen roten Farbanstrich.
Das Herrenhaus umschließt, zusammen mit den flankierenden Nebengebäuden einen Hof, in dessen Mitte sich ein Rondell befindet.Südwestlich davon liegt die Ruine eines Gewächshauses. Die Allee, deren Verlauf die von Ost nach West gerichtete Hauptachse der Insel markiert, findet auf der Gartenseite des Herrenhauses ihre Fortsetzung. Beiderseits sind die Reststrukturen einer Parkanlage erkennbar.
Ein Teil der Gartenkulisse am Westufer der Insel mit Blick auf den Regna-See wird durch die gut erhalten gebliebene Orangerie gebildet. Diese wurde vermutlich 1828 errichtet. Aus den Archivalien ist zu entnehmen, dass eine Orangerie und ein Treibhaus existierten, eventuell sogar als Kombination.
Das asymmetrische Satteldach ist in zwei Stufen geteilt. Früher bestand es aus Glas, heute ist es mit bauchigen Ziegeln gedeckt.
Die Holzkonstruktion der Orangerie befindet sich auf einem steinernen Fundament. Ihre Fassade war rot gefärbt; im Kontrast dazu besaßen die nach Süden gerichteten Schiebefenster einen ockergelben Anstrich. Als Frostschutz befestigte man Holzläden.
Die Fenster an der Giebelfassade, sowie die Lüftungsklappen im Dach konnten früher mit Hilfe einer Seilzugwinde bewegt werden.
Die Nordwand der Orangerie befindet sich durch Feuchteschäden in einem schlechten Zustand und ist deswegen von außen verkleidet.
Die Innenwände der Orangerie sind mit Kalkputz bedeckt. Der Boden ist mit Kalksteinplatten bedeckt. Die beiden nördlichen Räume haben Dielenbretter.
Im nordwestlich gelegenen Raum befindet sich die Feuergrube in 1,30 m Tiefe unter dem Niveau des Fußbodens. Sie umgibt eine aus Ziegeln gemauerte Wand. Des Weiteren sind die Reste von zwei Heizkanälen zu sehen. In beiden Räumen verliefen sie neben der Wand. Im Gegensatz zum östlichen Raum ist der Heizkanal im westlichen Raum noch vorhanden. Sein inwendiges Maß beträgt die halbe Länge eines Ziegels und liegt eine Ziegelhöhe über dem Fußboden. Das Gebäude hat einen innen liegenden Rauchabzug. Ein aus dem westlichen Giebel ragendes Blechrohr deutet auf das ehemalige Vorhandensein eines Ofens im südwestlichen Raum.
Für die zukünftige Nutzung der Orangerie bestehen keine konkreten Vorstellungen. Die auf Ragnaholm lebende Eigentümerfamilie Sjöberg bewohnt das Herrenhaus bereits in dritter Generation.
Die erhalten gebliebene Substanz, dazu zählen das Belüftungssystem mit den aufklappbaren Fenstern, die Feuergrube und der Heizkanal, gemeinsame mit dem Interieur ergibt ein einzigartiges Beispiel für eine Fachwerkorangerie aus der Zeit um 1800.
(Heike Mortell)
ERICSBERG
Der erste namhafte Besitzer von Ericsberg war Knut Nilson. Anfang des 16. Jahrhunderts verkaufte er das Gut an Anna Pintorp, die seit 1502 mit Erik Erikson Gyllenstierna verheiratet war. Sie überließ 1540 das Anwesen den Kindern. Diese erbauten das Haus, das ursprünglich nur zwei Stockwerke hatte. Erik Carlsson Gyllenstierna (gest. 1657) und seine Frau, Beata Yxkull (gest.1667) erhöhten den Mittelbau des Schlosses und fügten zwei Seitenflügel an. Der Sohn Christopher Gyllenstierna gab dem Schloss die heutige Gestalt. Es war um 1687 fertiggestellt. Zu diesem Zeitpunkt wurde er Graf und nannte sich Gyllenstierna von Ericsberg (nach seinem Vater Erik). Es wir vermutet, dass Nicodemus Tessin d.Ä. (1615-1681) an der Anlage mitgewirkt haben könnte, was jedoch nicht belegt ist.
Reste des in der Barockzeit angelegten Gartens mit dem axialen Wegesystem sind noch erhalten. Den Endpunkt der nach Südwesten verlaufenden Mittelachse bildet die Orangerie, die jedoch aus dem 19. Jahrhundert stammt.
Ericsburg war ab 1808 im Besitz der Familie Bonde. Die Orangerie wurde 1856 von Carl Jedvard Bonde zur Erinnerung,an Leutnant Anders Lidstrand (1703-1771) errichtet, der der Freund und Verwalter David Henrik Hildebrands war. Hildebrand war von 1739-1791 der Besitzer von Ericsburg.
Das Gebäude ist 29,0 m lang und 15,5 m breit. An einen dominanten achteckigen Mittelbau sind zwei niedrigere Seitenflügel mit zwei abschließenden rechteckigen Eckpavillons angefügt. Das Zeltdach des achteckigen Baukörpers wird von einer großen verglasten achteckigen Kuppel bekrönt. Der Besucherzugang zum Gebäude erfolgt auf der Nordseite durch eine Tür in der Mitte des Zentralbaus. Die Dachkonstruktion ruht auf acht in den Raum gestellten, gusseiserne Stützen. Die nach Süden gerichteten Wände sind ganz verglast.
Hier sind offensichtlich im Rahmen der neuen Nutzung Änderungen vorgenommen worden, indem die ehemals kleineren Fensterfronten vergrößert wurden. Ebenso ist die wohl ehemals verglaste halbrunde Kuppel unterhalb der Laterne durch das mit Zinkblech belegte Zeltdach ersetzt worden. Des weiteren wurde auf die Kleinteiligkeit der Scheiben verzichtet.
Die Seitenflügel sind auf der Gartenseite fensterlos, in den zwei schmalen Räumen verbergen sich die gärtnerischen Wirtschaftsbereiche und die Heizung. Ursprünglich erfolgte die Heizung über eine Rauchkanalheizung, heute durch Fernwärme. Deutlich erkennbar sind noch die schräg an den Wänden nach oben verlaufenden Rauchabzüge, deren Schornsteine sich auf den Eckpavillons befinden. Die Schornsteine sind mit Metall (vermutlich Zink- oder Eisenformteile) dekorativ verkleidet. Durch Ihre bronzegrüne Farbigkeit, die auch in den zahlreichen palmettenförmigen Akroterien auf den Eckpunkten des Daches wiederkehrt, heben sie sich markant ab.
Auf der gesamten Länge der Südseite der Seitenflügel befanden sich östlich und westlich des Mittelbaus Glashäuser mit Pultdach, die 1950 beseitigt wurden und 1991 bei den Wiederherstellungsarbeiten an der Orangerie durch die Architektin Elisabet Hatz nicht wieder aufgebaut wurden. Die Gewächshäuser an den Seiten dienten zur Aufstellung von Lorbeer und anderen „edlen Treibhausbäumen“.
Der ursprüngliche Lehmfußboden der Orangerie ist heute durch einen Ziegelfußboden ersetzt.
Die Nutzung erfolgt im Sommer als Festsaal, im Winter zur Unterbringung der Pflanzenbestände. Die Orangeriegewächse werden im Sommer auf der Südseite vordem Schloss aufgestellt.
Östlich des Schlosses befindet sich der alte Obstgarten und ein Labyrinth, für das Hampton Court das Vorbild lieferte, die jedoch nicht besichtigt wurden. In nordwestlicher Richtung befindet sich ein größerer See, an dem sich die Gewächshäuser befinden. Dieser Standort ist schon im 18. Jahrhundert belegt.
Abbildungsvorschläge siehe Abbildungen/ Eriksberg
(Anne Schäfer)
BERNSHAMMAR
Die Besitzung trägt den Namen nach einem Berendt von Hamburg, der zu Gustav Vasas Zeit - nach 1560 - in diesem Gebiet zahlreiche Schmieden gründete.
Das Herrenhaus von 1787 steht auf einer Anhöhe. Der mächtige, elfachsige und zweigeschossige Bau mit Mansarddach, die drei mittleren Achsen durch einen Dreiecksgiebel betont, besitzt seitlich eingeschossige Flügel.
Das Anwesen ist in Familienbesitz seit 1787. Der Besitzer empfing uns sehr freundlich, öffnete uns alle Räume der Orangerie und erläuterte einiges zur Geschichte und Restaurierung. Unter anderem erzählte er, dass sich im Archiv des Schlosses Rechnungen aus dem 18. Jahrhundert befinden, beispielsweise über den Einkauf von Pflanzen, Pomeranzen und Feigen, später auch Palmen. Auch in der Sekundärliteratur gibt es erste Hinweise auf den Pflanzenbestand: ab 1827 findet man in Tagebüchern die Angabe „Bäume getragen“; im gleichen Jahr „12 st Kübel für die Orangerie“ (Andersson, Inventarisation 2001).
Die Gartenanlage in landschaftlichem Stil wurde 1787 bis 1803 angelegt. Im Osten erstreckt sich vor dem Herrenhaus hinab ins Tal der Pleasureground, heute als Kuhweide abgezäunt. Hier sind zwei große gusseiserne Vasen in perspektivischer Verkleinerung aufgestellt. Weiterhin gibt es ein Lusthaus mit einer klassizistischen Tempelfront mit vier Säulen und ein chinesisches Haus.
Die Orangerie, ein sechseckiger Wasserturm und das Gärtnerhaus liegen südlich des Schlosses am Hang, im ehemaligen Nutzgarten, von dem nur die Gebäude und anschließende Mauern erhalten sind. Der Wasserturm zur Bewässerung der Orangerie und Gewächshäuser wurde 1904 errichtet.
Bei der Orangerie handelt es sich um den in Schweden seltenen und hier exemplarisch gut erhaltenen Typus mit Schwanenhals, 1796/1798 errichtet. Schräg daneben das Gärtnerhaus, an das nach Süden früher ein Pfirsichhaus angebaut war.
Für die Sanierung des Außenbaues der Orangerie gab es auch hier Geld vom Staat, sie soll erhalten werden, eine neue Nutzung gibt es nicht. Der Innenraum ist ruinös, ein Raum an der östlichen Giebelseite wird vom Besitzer als Werkstatt genutzt. Hier der Abgang zu einer alten Feuerstelle, vermutlich ehemals Kanalheizung.
Sockel und Umfassungswände sind aus Bruchsteinmauerwerk, verputzt. Die Südwand in Holzkonstruktion, heute geschlossen, mit wenigen Fenstern. Die Orangerie besitzt einen Sonnenfang und eine Konstruktion der Südwand, die wir in Schweden mehrfach gesehen haben. Sie verläuft oberhalb des Sockels leicht schräg bis in halbe Höhe des Bauwerks und bindet dort mit einem schrägen Glasdach an die unterhalb des Sonnenfanges senkrecht stehende Wand an. Vielleicht ergibt sich hiermit ein für Schweden besonders günstiger Sonneneinfallswinkel. Im Obergeschoss Lagerraum, runde Lüftungsöffnungen in den Giebeln. Auf dem Boden der Orangerie ist eine Vorrichtung erhalten, die eventuell zum Herablassen der Fenster des schrägen Glasdaches diente (habe ich nicht sehen können), vgl. Regnaholm.
Auf der Nordseite gab es Wohnräume, jedoch konnten durch eine große Tür in der Mittelachse Bäume von Norden bis in den Pflanzenraum transportiert werden. Die Orangerie war in Gebrauch bis Anfang 1900.
Das Gärtnerhaus, 1805 errichtet oder auch nur umgebaut, steht südöstlich vor der Orangerie. Es ist eingeschossig mit einem Pultdach. Südseitig ergibt sich ein hohes Geschoss, das Pultdach kragt weit aus. Am Verlauf einer seitlichen Mauer ist noch die Kubatur des ehemals angebauten Pfirsichtreibhauses zu sehen.
Literatur: Anderson 2001, Kjellberg 1971, Mitschriften
Abbildungen: Bilder: SyBo 1/1; Friedel Nr. 143)
(Simone Balsam)
STRÖMSHOLM
Pfingstmontag - Jedes Jahr zu Pfingsten finden in Strömsholm Pferderennen statt. Zwischen mehreren Regenschauern besichtigten wir den Feigenkeller von Schloss Strömsholm, die Ausgrabungen am Küchengarten und im Schnelldurchgang noch die Ausstellung zur Gartengeschichte in Kellerräumen des Schlosses.
Geschichte
Schloss Strömsholm wurde auf einer von ursprünglich drei Inseln in dem Fluss Kolbäcksan angelegt kurz bevor dieser, von Norden kommend, in den westlichen Zipfel des Mälarsees einmündet. 1560 ließ Gustav Wasa eine erste Burg errichten, ein rechteckiges Gebäude auf der größten der drei Inseln, deren Grundmauern bei Aufmaßarbeiten im Jahre 1920 in den Kellern des heutigen Schlosses nachgewiesen werden konnten. Die ausgeführte Anlage ist zu sehen auf einer Karte von 1650-52 (Abb1).
Nach Gustav Wasas Tod erhielt seine junge Witwe Katarina Stenbock Schloss Strömsholm als Leibgedinge bis zu ihrem Tod 1621. Zu dem damaligen Königsgarten gehörten mehrere umfriedete Gärten, westlich und östlich des Schlosses gelegen: ein Baumgarten, ein Kohlgarten, zwei Hopfengärten und ein Tiergarten. Vor dem Schloss gab es eine Vorburg und im Nordwesten auf dem Festland einen großen Hof mit Stall- und Ökonomiegebäuden, genannt „Stallbahnen“.
Die Witwe des Königs Gustav II. Adolf, Maria Eleonora, ließ in den Jahren von 1632 bis 1654 durch ihren Gärtnermeister Mattias Locher unterhalb des Burghofs einen Baumgarten anlegen (im Plan mit K bezeichnet).
1654 erhielt Königin Hedwig Eleonora (von Holstein-Gottorp) Strömsholm bei ihrer Hochzeit mit Karl X. Gustav. Aber erst in den 1670er Jahren, gleichzeitig mit der Errichtung von Drottningholm, wurden auch Schloss und Garten Strömsholm neu gestaltet. Den Arbeiten zugrunde lag der Generalplan von Nicodemus Tessin d. Ä. von 1668/69 (Abb.2). Der Plan zeigt die Einflüsse französischer Gartenarchitektur, wie beispielsweise dem Jardin Luxembourg oder Vaux le Vicomte.
Auf der neuen, sich von Westen nach Osten erstreckenden Hauptachse liegen ein ausgedehnter Ehrenhof, Schloss und Garten. Die drei Inseln im Kolbäcksan wurden nun zu einer zusammengefasst. Das neue Schloss erhebt sich an alter Stelle, ihm unmittelbar zugeordnet sind Parterres mit Pavillons und Orangerien (Statens fastighetsverk 2001). Der ehemalige Hopfengarten auf dem Festland östlich des Schlosses (M.) wurde nun zum ausgedehnten Lustgarten mit einer Rahmung durch doppelreihige Lindenalleen und einem halbrunden Architekturabschluss (Belvedere/Galerie?) im Osten. Der ehemalige Baumgarten im Süden (K.) ist nun als Küchengarten bezeichnet und in strengen Gevierten angelegt.
Unter Tessin d. Ä. wurden Arbeiten an der Schlossinsel, dem Ehrenhof und dem Lustgarten ausgeführt. Der Rohbau des Schlosses war bis 1672 errichtet, es blieb jedoch zur Zeit der Königinwitwe unvollendet.
Schloss Strömsholm in seiner strengen, regelmäßigen Anlage wird als typischer Entwurf Tessins d. Ä. bezeichnet und steht dem 1662 entstandenen Drottningholm nahe. Der rechteckige Hauptbaukörper mit seinen zwei Geschossen besitzt vier quadratische, überhöhte Ecktürme sowie einen zum Lustgarten vorspringenden Mittelrisalit. Darüber erhebt sich ein Zentralturm, wie die Ecktürme mit einem Kuppeldach gedeckt und mit einer Laterne bekrönt. Den Haupteingang im Ehrenhof nach Westen mit seiner doppelläufigen Freitreppe betont ein dreiachsiger Mittelrisalit, dessen vier Kolossalpilaster einen Dreiecksgiebel tragen.
Zwischen 1672 und 1680 wurden die den Ehrenhof im Süd- und Nordwesten umgebenden Wohn- sowie verschiedene Ökonomiegebäude errichtet. Auch der Feigenkeller muss in diesen Jahren errichtet worden sein.
Nach dem Tod seines Vaters übernahm Tessin d. J. im Jahr 1681 dessen Arbeiten. Er fertigte neue Pläne sowohl für den Küchen- als auch für den Lustgarten. Für den Lustgarten waren nun reiche Broderieparterres um ein Fontänenbecken geplant.
In den folgenden Jahren erhielt der Küchengarten eine neue Gestaltung. Um ein Bassin in der Mitte legten sich rechteckige Quartiere, die wiederum durch je zwei Diagonalwege kreuzförmig geteilt wurden. Doppelreihige Alleen umgaben den Küchengarten. Als Besonderheiten werden Erdhäuser für Wein und Kübel mit Orangenbäumen und Feigen erwähnt.
Nach Jahren des Verfalls erhielt der Architekt Carl Harlemann in den Jahren nach 1730 den Auftrag, neue Pläne für den Lustgarten und die Schlossinsel zu erarbeiten. Der Lustgarten hatte nach Überschwemmungen durch den Kolbäcksan zeitweise unter Wasser gestanden.
Jedoch erst nach der Hochzeit Gustavs III. mit Sofia Magdalena 1766 begann man, die Gartenanlagen in einen „englischen Park“ umzugestalten. Die Parterres wurden nun zu einer großen „Pelouse“, umgeben von schlängelnden Promenadenwegen und Wäldchen. Erhalten blieben zunächst die den Lustgarten im Norden und Süden begrenzenden doppelreihigen Lindenalleen. Auch der Küchengarten blieb in seinen Hauptformen unverändert.
1817 erarbeitete Architekt Fredrik Blom einen Plan zur Wiederherstellung der Gebäude und Veränderung des Parks in romantischem Sinn. Zahlreiche Pyramidenpappeln wurden gepflanzt.
Die Reitschule der Armee übernahm das renovierte Schloss Strömsholm 1868 und richtete Schloss und Park für ihre Zwecke her. Die große Pelouse konnte mit wenigen Veränderungen als Reitbahn genutzt werden. Zum 50-jährigen Jubiläum 1918 baute man hier eine verbesserte Rennbahn nach dem Vorbild der olympischen Bahn in Stockholm von 1912.
Zu Beginn der 30er Jahre plante auch hier Gartenarchitekt Sven Hermelin Restaurierungsarbeiten an der Gartenanlage, die als Neugestaltungen in barockem Stil 1932/33 ausgeführt wurden.
Feigenkeller und Gartengeschichte
Der Garten- oder Feigenkeller aus der Mitte des 17. Jahrhunderts liegt seitlich der Auffahrt zum Schloss an einem Ökonomiehof. Die Hauptseite mit der Tür ist nach Südosten ausgerichtet. In den 50er Jahren wurden noch Kohl und Kartoffeln im Keller verwahrt.
Die Wände des Kellers, der zur Hälfte unter Bodenniveau liegt, bestehen aus Bruchsteinmauerwerk. Darauf ist ein Schuppen aus Holz mit einem Satteldach errichtet. In den Kellerraum führt eine flache Rampe hinab. Der Keller besitzt ein mit Ziegeln gemauertes Tonnengewölbe, Lichtöffnungen und eine Tür. Der Boden ist gestampfter Lehm. Der Raum misst im Inneren 22,4 auf 6,9 Meter. Ein großer, gemauerter und verputzter Ofen („Rörspis“ d.h. wohl Kachelofen), mitten im Raum vor der Nordwestwand, diente hauptsächlich dazu, den Raum frostfrei und trocken zu halten.
Nach Ingelas Einschätzung ist der Feigenkeller das älteste bekannte Bauwerk für Gewächse in Schweden und besitzt die vermutlich für seine Zeit typische Einrichtung eines Kachelofens.
1669 kam ein holländischer Gärtner, Meister Zachris, nach Strömsholm. Er hatte „Oranieträn“ bei sich, vermutlich Orangeriegewächse und -bäume. Erwähnt wird auch ein Gartengebäude im Baumgarten, wo es unter anderem Melonenfenster gab. Bereits 1669 wird ein Bauwerk mit einem Keller und einem Holzdach erwähnt, in dem Kohl, „rötter“?, und andere Gartensachen aufbewahrt würden. 1686 errichtete man ein „Erdhaus“ in Maria Eleonoras Küchengarten, mit dessen Anlage 1680 begonnen worden war. Im Erdhaus verwahrte man Wein, Feigen, „mullbärs“bäume, Walnuss, Myrten, Rosmarin, Thymian, Lavendel, Pomeranzen, Nelken, Levkoien, Veilchen, Jasmin und anderes.
Ein Inventar von 1717 beschreibt das Erdhaus in seiner Lage im Lustgarten östlich vom Schloss. Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts wird ein „großes Aufbewahrungshaus“ erwähnt.
Es gab ehemals noch zwei kleine hölzerne Orangerien, eine davon im Küchengarten, nach Süden gerichtet, die zweite am Lustgarten. In dem strengen Winter des Jahres 1709 erfroren alle Fruchtbäume. 1770 waren die Orangeriegebäude stark verfallen. 1817 projektierte Fredrik Blom eine neue Orangerie.
Ausgrabungen
Es führte uns die Archäologin Katharina Frost, die eine Dissertation über Gartenarchäologie in Schweden anfertigt.
Schloss Strömsholm und sein Park sind Eigentum des Staates, stehen jedoch dem König zur Verfügung. Schloss und Park wurden ab 1669 nach Plänen von Nicodemus Tessin d. Ä. und seinem Sohn errichtet. Während der östlich des Schlosses liegende Lustgarten mehrfach umgestaltet wurde und heute als Reitbahn dient, war der Küchengarten bis 1940 in seinen Formen instand gehalten und gepflegt. Erhalten sind alte Lindenalleen von ca. 1715, die ehemals die Begrenzung des Lustgartens bildeten.
Der Rundgang mit Katarina galt den Ausgrabungen im ehemaligen Küchengarten. Für die gartenarchäologischen Untersuchungen hatte man diesen ausgewählt, da er bis 1940 in seinen Formen instand gehalten und gepflegt wurde. Der ehemalige Lustgarten hingegen war nie fertig gestaltet und ist mehrfach grundlegend überformt worden.
Bei Beginn der Ausgrabungsarbeiten war die Fläche plan, gepflügt. Neun Grabungspunkte wurden angelegt. Das Grabungsteam arbeitete zunächst ohne das Studium der alten, erhaltenen Pläne, um sich unbeeinflusst nur vom Augenschein leiten zu lassen. In 30 cm Höhe war alles gestört, darunter konnte jedoch der alte Wegeunterbau gefunden werden. Man wendete Georadar und Geosonar an, wobei die Wege mit Georadar gefunden wurden. Auch das zentrale Wasserbassin wurde ergraben. Seine Form entspricht dem 1770 anlässlich der Anlage eines Kanals angefertigten Aufmaß.
Literatur:
Statens fastighetsverk, 2001.
Andersson, 2001.
Bäckström, A. G.: Strömsholm förr och nu, Stockholm 1924, S. 220-241
Abbildungen:
SyBo 3/6; Friedel Nr. 152;
Abb 1. Plan 1650
Abb.2. Tessins Plan
(aus Faltblatt Strömsholms slott, Hrsg. Statens fastighetsverk)
(Simone Balsam)
ENGSÖ - KREATIVER UMGANG MIT BAROCKEN ALLEEN
Das Gut, ca. 20 km östlich von Vesterås - ebenfalls am Mälarsee, existierte bereits im Jahre 1272. Den Grundstein für den heutigen Schlossbau legte man 1630. Einhundert Jahre später ging der Besitz an die gräfliche Familie Piper über. Damit begann ein weitreichender Umbau unter Carl Hårlemann, einem bedeutenden schwedischen Barock-Architekten. Auch die Neugestaltung und Erweiterung des ehemaligen Renaissance-Gartens wird ihm zugeschrieben, obwohl Pläne aus dieser Zeit nicht überliefert sind. Interessant ist die quer zum Schloss auf den Hafen am Mälarsee zulaufende Hauptachse (Abb. 1), die jener in der Anlage von Övedskloster sehr ähnelt. Der Garten von Engsö wurde später als Landschaftspark umgestaltet und nochmals erweitert.
Das Gut ist heute in Privatbesitz, wobei der Park von der Gemeinde gepflegt wird. Vom Barockgarten sind Reste der Alleen und ein Rebenhaus erhalten - Orangerie und Gewächshäuser dagegen abgebrochen. Die ausgewachsenen Linden-Alleen hat man vor ca. vier bis fünf Jahren einem Pflege-Versuch unterzogen. Als Exempel wurden, unter Leitung von Klaus Stritzke (Landschaftsarchitekt) und ohne Unterstützung der Gemeinde, einige wenige, schlossnahe Abschnitte heruntergeschnitten. In einer vorsichtigen, über drei Jahre andauernden Maßnahme setzte man die Linden nach und nach auf die alte Schnitthöhe von ca. vier Metern ab. Der Versuch gelang: Die Bäume schlugen kräftig aus und Ausfälle waren kaum zu beklagen (Abb. 2). Im Nachhinein wurde die Gemeinde auf diese Arbeiten aufmerksam und engagierte eine dänische Firma, die den Rest der alten Alleen innerhalb eines Jahres auf die selbe Höhe stutzte. Mehrere Bäume überlebten diese Aktion nicht, ganz abgesehen von unverantwortlichen Schnittformen und -winkeln, die den Verfall der alten
Abb.1: Engsö Schloss und Garten, in den 1740er Jahren, Gemälde im Schloss. (Aus: Netzpräsenz, Engsö slott, http://www.engsoslott.comDer Garten läuft auf den Mälarsee im Hintergrund zu.
Baumsubstanz nur beschleunigen wird. Insgesamt sind diese Arbeiten kritisch zu betrachten - auch jene, die vordergründig erfolgreich verliefen. Die Stämme sind zum großen Teil hohl und können den enormen Ausschlag der neuen Krone statisch nicht halten. Es kam bereits zu mehreren Starkast-Ausbrüchen. Betrachtet man die Maßnahme aber nur als Versuch, so ist zumindest eine jährliche, starke Auslichtung des Neuausschlags in den ersten Jahren zu fordern. Zur Zeit findet diese nicht statt, was aber auch auf das neue Engagement der Gemeinde im Park zurückzuführen ist, welche Klaus Stritzke den Handlungsspielraum nimmt. Sobald die Bäume durch den hohlen Stamm neue Verankerungswurzeln in den Boden geführt haben, könnte ein Schnittabstand von ca. 7 bis 9 Jahren ausreichend sein, wie Herr Puppe von den Staatlichen Schlössern und Gärten Sachsen anmerkte. Dennoch muss kritisch hinterfragt werden, ob diese Form des Substanzerhaltes überhaupt als gartendenkmalpflegerische Alternative in Betracht kommt. In den meisten Fällen sollte bei starker Schädigung der Baumsubstanz eine Neupflanzung vorgezogen werden.
Ein anderer Versuch ist ebenfalls kritisch zu bewerten: In einigen Abschnitten wurden die Linden gänzlich auf den Stumpf gesetzt und der sehr starke Neuaustrieb bogenförmig, an einem Gerüst über dem Weg zusammengebunden. Dieser „Laubengang“ besteht nun zwar aus originaler Gehölzsubstanz, seine Erscheinungsform widerspricht jedoch völlig der ursprünglichen Allee.
Abb.2: Abgesetzte Allee, direkt vor dem Schloss Engsö. (Eigenes Foto)
Ein für die deutsche Denkmalpflege eher ungewöhnliches Problem wurde uns am ehemaligen Hafen bewusst. Schweden hebt sich jährlich um etwa 3 mm. Das bedeutet, dass die frühere Anbindung an den Mälarsee inzwischen etwa 90 cm über dem Wasserspiegel liegt, also längst verlandet ist - damit auch der Bezugspunkt für den quer zum Haus verlaufenden Garten.
(Michael Karkosch)
UPPSALA BOTANISKA TRÄDGÅRD
Der heutige Botanische Garten besteht aus drei Teilen. Der südliche Teil, den wir nicht sahen, geht auf Königin Christina (1638-49) zurück, ist aber ohne erkennbare historische Gestaltung. Der mittlere stammt von 1937. Der Hauptteil im Norden ist der ehemalige Schlossgarten, angelegt von Olof Rudbeck d. Ä 1679. Aus dieser Phase stammen die sechs Terrassen vom Schloss abfallenden Terrassen und die halbkreisförmig von einem Boskett gerahmte Parterrefläche, die vier Broderiefelder enthielt. Es war Orangerie vorhanden. Inventare aller Pflanzen aus den Jahren 1705, 1723, 1730 und 1740 belegen einen allmählichen Verfall. 1744 erhielt Carl Hårleman den Auftrag, den Schlossgarten neu zu gestalten. Sein Entwurf zeigt Rasenparterres mit Blumenrabatten ohne jegliche Broderie.
1787 überließ Gustav III. den Schlossgarten der Universität. Er verfügte, der Garten sollte in seiner Form erhalten bleiben, jedoch botanischen Zwecken dienen. Carl Peter Thunberg führte den Plan durch. Vom alten botanischen Garten (Linné-Garten) wurde alles verwendbare Pflanzenmaterial überführt. Als Endprospekt der Gartenachse wurde gegenüber dem Schloss jenseits des bisherigen Ziergartens 1788-1805 eine gewaltige Orangerie errichtet, die den Namen Linnaeanum erhielt. Architekt war Olof Tempelmann, Gustav III. ließ den Entwurf von Louis Jean Desprez abändern, wobei die ägyptisierende Orangeriefassade auf der Südseite entstand. Zum Schloss hin nach Osten zeigt das dreiflüglige Gebäude eine klassische Tempelfassade nach dem Vorbild des Poseidontempels in Paestum. Dahinter befindet sich ein prächtig dekoriertes Auditorium. Im Frigidarum im Südflügel kultiviert man u.a. 4 Lorbeerbäume von 5 m Höhe aus Linnés Zeit, einige 3 m hohe Citrusbäume, eine Aprikose und einen Pfirsich im Kübel. Ausgeräumt wird am 20. Mai. Die Bäume standen bei unserem Besuch im Hof auf der Nordseite der Orangerie. Westlich der Orangerie schließt sich ein Glashaus (Caldarium) mit Sukkulenten an. Der nördliche Flügel enthält Arbeitsräume und einen gewaltigen Torbogen in der Mitte.
Vier der Rasenparterrefelder von Hårleman wurden mit Stauden bepflanzt. Die Adaptation des Gartens für die botanischen Zwecke erwies sich als schwierig, so dass 1806, 1816 und 1873 neue Entwürfe erforderlich wurden. Die Grundstruktur von Hårleman blieb immer erhalten. 1935 wurde der Garten unter Denkmalschutz gestellt. Die letzte Umgestaltung erfolgte 1974 durch den schwedischen Gartenarchitekten Walter Bauer, der sich an Hårleman orientierte und wieder ein Rasenparterre anlegte, allerdings ohne Rabatten. Gerade streicht man das Schloss rosa wie zu Hårlemans Zeit. Es gibt heute unter 13.000 Arten Sammlungen von Sorbus, Syringa, Pelargonium, Viburnum, Lonicera, Kakteen und Wildrosen. Bemerkenswert ist hier und an vielen Stellen in Schweden eine besonders großblütige Sorte der Lonicera tatarica, deren Name nicht zu erfahren war. Sie bildet rosa Büsche von einer Fernwirkung ähnlich der Kolkwitzia. Ein alter Birnbaum, ‚Lübecker Bergamotte’, wird auf das 18. Jh. zurückgeführt. Eine unbenannte Pelargoniensorte ist seit 1820 hier nachgewiesen, ein Kaktusexemplar seit 1720.
Erik Århammer beeindruckte durch seine lebendige und kenntnisreiche Führung in hessisch gefärbtem Deutsch.
(Clemens Alexander Wimmer)
UPPSALA, LINNÉTRÄDGÅRDEN
Der sog. Garten Linnés ist der älteste botanische Garten Schwedens. Er wurde von dem Botaniker Olof Rudbeck d. Ä. (1630-1702) seit 1655 angelegt. Rudbeck war zuvor im Botanischen Garten Leiden gewesen und sah in diesem das Vorbild. Der Garten diente der medizinischen Ausbildung. Es war der damals nördlichste botanische Garten der Welt.
Rudbeck hat auch das erste Pomeranzenhaus auf der Nordseite des Gartens errichten lassen. Es war abschlagbar und hatte eine Fassade aus Säulen. 1702 brannte es nieder. Sein Grundriss mit den beiden schrägstehenden Seitenflügeln ist aber von den Nachfolgebauten bis heute beibehalten worden.
Carolus Linnaeus (1707-1778) kam unter Olof Rudbeck d.J. nach Uppsala und wurde 1741 dessen Nachfolger als Medizinprofessor und Gartendirektor. 1742/43 wurde das Gewächshaus erneuert, wobei es schräge Glasfassaden erhielt. Das Gewächshaus hat 6 Räume, darunter das Tepidarium (Mitte), das Caldarium (wärmster Raum, linker Flügel), die Gärtnerwohnung (rechter Flügel) und das Frigidarium (Kalthaus für Sukkulenten, Anbau links außen). Im Caldarium befand sich die angeblich erste Kanalheizung in Schweden. Noch heute ist die für die Wandheizung zweischalig aufgeführte Wand vorhanden. Außerdem gab es in allen drei Pflanzenräumen Öfen.
1745 beauftragte Linnaeus den Architekten Carl Hårleman, den Garten neu zu entwerfen, wobei das neue botanische Sexualsystem von Linnaeus von 1735 zugrundegelegt wurde. Auf dem Höhepunkt der Aktivitäten von Linnaeus enthielt der Garten gegen 4000 Pflanzenarten, außerdem eine Reihe von Tierarten, darunter Affen, Pfauen, and Papageien. Der Garten war nach den Regeln der barocken Gartenkunst entworfen. Die Freilandpflanzen standen in zwei langgestreckten Quartieren, das linke für Stauden, das rechte für Ein- und Zweijährige. Die Quartiere waren von geschnittenen Hecken eingefasst.
An der Schmalseite im Süden des Gartens, wo sich heute der Eingang befindet, lag ein abgetrennter Ziergarten mit einem Rasenparterre im Zentrum und rechts das Wohnhaus von Linnaeus. Das Parterre ist nicht mehr vorhanden. Dieser Gartenteil wird heute von zwei Reihen hoher Linden bestimmt, die um 1800 gepflanzt wurden. Im Wohnhaus befindet sich ein Linné-Museum. Den lateinischen Namen Linnaeus hatte der Vater des Botanikers angenommen, als er Theologie studierte. Bis dahin hatte die schwedische Bauernfamilie keinen Nachnamen gehabt. Als Carolus Linnaeus 1757 geadelt wurde, nahm er den Namen „Carl von Linné“ an.
Nachdem der Botanische Garten verlegt worden war, wurde 1818 das Pflanzenhaus zu Wohnzwecken umgebaut. Damals soll im wesentlichen die heutige Gestalt mit dem Dreiecksgiebel auf dem Mittelbau entstanden sein.
Seit den 1920er Jahren bemüht man sich, den Garten nach denkmalpflegerischen Prinzipien wiederherzustellen. Die Ära Linnés gilt dabei als Leitbild. In diesem Sinne werden nur Pflanzen kultiviert, die auch Linné hatte. Die von Linné hinterlassenen Beschreibungen ermöglichen eine weitgehende Authentizität der Bepflanzung. Kürzlich wurden die Schnitthecken mit ihren topiary-Elementen aus Fichte wiederhergestellt. Es gibt heute ca. 1300 verschieden Arten, nach Lebensformen und nach Linnés System geordnet. In einem späteren Zustand musste der Gewächshauskomplex verbleiben, der zuletzt 1955 umgebaut wurde. 1967 wurde eine Wachsfigur Linnés aus der Werkstatt Madame Tussaud's Ltd., London, aufgestellt. Im Gärtnerhaus ist eine weitere kleine Linné-Ausstellung.
Im August 2003 findet eine Tagung zum 200. Jubiläum der Species Plantarum statt. Die Beiträge werden in Symbolae Botanicae (Sonderheft) veröffentlicht.
Literatur
LUSTGÅRDEN 1969-1970.
Linnés Trädgarden, 1995.
(Clemens Alexander Wimmer)
ÖRBYHUS
Vorbei an wunderschönen Gehöften, die aus den unterschiedlichsten Bauten bestehen und doch durch ihre gemeinsame rote Farbe immer als Einheit wirken, fahren wir mit dem Bus nach Örbyhus. Zwischen stattlichen Bäumen, vor deren Laub in der Dachrinne und deren großen, mächtigen Kronen sich selbst bei Sturm hier niemand zu fürchten scheint, wirken die Gehöfte als Teil einer Kulturlandschaft, die im besonderen Licht des Nordens uns alle verzaubert.
Eine ganz eigene Anziehungskraft geht von den lichten nordischen Wäldern aus. Unter den mächtigen Überhältern, deren Nadeln und Laub das Licht wie ein Kamm in viele Strahlenbündel zu teilen scheint, liegen die bemoosten Felsen wie die Inseln eines Zengartens in einem grünen Meer aus Heidelbeeren, Maiglöckchen und Farnen. Die kleinen Waldflecken wirken wie Inseln in den Feldern aus Raps und Korn. Der Wind erzeugt in den Halmen Wellen wie auf der Oberfläche des Meeres. Wie das Meer zieht diese Landschaft meine Gedanken in die Ferne bis mich künstlich aufgeschüttete Erdhügel und tiefe, mit Sand ausgestreute Mulden in die Realität, den Reisebus; zurückholen. Wir sind da. Örbyhus, heute Golfplatz und staatlich unterstützter landwirtschaftlicher Betrieb.
Um sich von den roten Häusern der einfachen Leute abzuheben, leuchten Gut und Nebengebäude in sattem Gelb. Eindeutig herrschaftlich überragt den Schlosskomplex, der Burgturm, der um 1450 unter dem damaligen Besitzer Johan Christersson Vasa, dem Großvater von König Gustav Vasa zu Verteidigungszwecken errichtete wurde und der zugleich den Beginn der 200 Jahre dauernden Herrschaft der Vasa-Dynasty auf Örbyhus markiert.
Auf unserem Weg zur Orangerie begegnen wir einem österreichischen Arboristen, der die mächtige Lindenallee pflegt, die überwiegend noch aus dem Jahr 1830 stammen soll und wir kommen an dem, seit dem frühen 19. Jahrhundert von hohen Mauern umhegten Küchengarten vorbei. Gemüse wird in dem vor rauen Winden so geschützten Gelände noch in Mengen gezogen. Verschwunden jedoch sind die Birnen, die hier, so hoch oben im Norden nur noch als Spalierbaum an den wärmenden Mauern ihre süßen Früchte hervorbringen.
Eine mächtige tiefverzweigte Eiche steht zwischen dem Herrenhaus und der Orangerie, die 1820 nach Plänen des Architekten C.C. Gjörwell erbaut wurde. Der älteste Gartenplan, der die Orangerie zeigt, stammt aus dem Jahr 1862. Rudolf Abelins Plan von 1905 zeigt noch zwei Beete vor der Orangerie. Lars Israel Wohlman löste die Beete 1908 zugunsten eines Bassins als Zentrum vor der Orangerie auf.
Die Orangerie selbst hat drei Abteilungen und in der mittleren haben sich zwei große weiße Kachelöfen erhalten. Von einer Kanalheizung wurden keine Reste gefunden, als in der Pflanzenhalle wie so oft für die moderne Nutzung als Festsaal und Ausstellungsraum ein der Orangerieüberwinterung widersprechender Holzfußboden eingezogen wurde. Nur in den kleinen Hinterräumen hat sich noch der Steinfußboden erhalten. Ansonsten gibt es im Dach noch die Lüftung zu sehen, und besonders sei auf das Sternenmotiv im Oberlicht der Fenster hingewiesen.
Die noch heute von Kanonen verteidigte Dreiflügelanlage des Schlosses öffnet sich zum Wasser und eine mit Caragana arborecend (Erbsenstrauch) gesäumte Rampe führt vom Seeufer herauf, um den in früheren Zeiten vor allem mit dem Schiff Ankommenden zum Haupteingang zu geleiten. Wie ein Point de vue steht auf dem gegenüberliegenden, weit entfernten Ufer ein leuchtend rotes Gehöft und schon wird dank dieses fernen Nachbarn die ganze Umgebung scheinbar zum Landschaftspark von Örbyhus.
In den Turm von Örbyhus wurde 1574 der entthronte schwedische König Erik XIV. auf Befehl seines Halbbruders John III., der den Thron an sich gerissen hatte, vom Gefängnis in Västeras gebracht. Wie dort wurden auch hier mehrere Versuche unternommen, Erik zu befreien. Schließlich entledigte sich John seines Halbbruders 1577 mit einer vergifteten Erbsensuppe. Ein glücklicheres Geschick hingegen war Göring während des 1. Weltkrieges auf Örbyhus beschieden. Er lernte hier bei einem Erholungsaufenthalt seine spätere Frau kennen, eine geborene von Rosens.
Vor dem Ende des Rundgangs kommen wir noch an einem malerischen Tauben- und Hühnerhaus vorbei. Da die „nutzlosesten“ Gebäude vom Reichsantiquar, der Denkmalschutzbehörde, jedoch die höchsten Fördersätze zugesprochen bekommen, präsentiert es sich gut restauriert. Wäre dies nicht ein Denkanstoß für die Setzung von Förderprioritäten in der bundesrepublikanischen Denkmalpflege?
Gerade noch ohne Förderung kommen die stattlichen Buchen in Örbyhus aus. Sie gehören hier in der Klimazone II (von insgesamt VI) zum nördlichsten, sich selbstvermehrenden Bestand.
(Felix Merk)
LÖVSTA BRUK
Zirka 50 km nördlich von Uppsala, unweit des Bottnischen Meerbusens, findet sich das Gut Lövsta bruk. Westlich der Gutsstraße, die in nord-südlicher Richtung verläuft, stehen die Wohnhäuser des Ortes. Östlich befindet sich hinter einem Damm der Herrensitz. Der zugehörige, regelmäßige Garten liegt zwischen der Gutsstraße und dem Schloß. Im Norden des Gartens steht die Orangerie und im Süden ein Treibhaus sowie Reste von Gewächshäusern und -kästen. Südlich des Treibhauses liegt eine Streuobstwiese, ehemals der Küchengarten. Östlich des Schlosses schließt hinter einer Art Ehrenhof der Gutspark an.
Geschichte des Gutes Löfsta bruk
Leufstas Eisenhütte stammt aus dem 17. Jahrhundert und war, wie Finspång und Forsmark, eine sogenannte vallonsmid - eine Wallonenschmiede. Dieser Name rührt von vorwiegend protestantischen Einwanderern aus dem heutigen Belgien. Sie flohen vor der spanischen Unterdrückung aus den Niederlanden nach Schweden und gründeten hier mehrere Waffenschmieden. In Lövsta ließ sich Louis de Geer (1587-1652), geboren in Lüttich, nieder (Kjellberg 1971). Er pachtete im Jahre 1627 das hiesige königliche Eisenwerk und kaufte es 1643 auf - ein Jahr nachdem auch Finspång in seinen Besitz gelangt war.
Das Gut wechselte im Lauf der Jahrhunderte mehrfach den Besitzer. Zunächst war das Louis’ Sohn Emanuel (1624-92), danach dessen Neffe Charles de Geer (1660-1730). Charles’ Zeit war zunächst ein schwarzes Kapitel für Lövsta bruk - der Nordische Krieg führte zur Brandschatzung und Zerstörung des Gutes im Jahre 1719 durch die Russen. Die vollständige Vernichtung, u.a. des Schlosses, wurde durch die Holzbauweise begünstigt. Doch der Wiederaufbau lief schnell an. Charles ließ ab 1720 ein neues, stattlicheres Schloß aus Stein aufführen. Auch das übrige Gut entstand nach einem regelmäßigen Plan neu. (Kjellberg 1971, S. 352f.)
Im Folgenden sollte unter seinem Neffen Charles d. J. (1720-1778), Hofmarschall und Freiherr, eine bedeutende naturhistorische Sammlung angelegt werden. Sie wird heute mit Ausnahme der Mineralsammlung im Naturhistorischen Museum verwahrt. Sein Sohn, Carl Graf de Geer (1781-1861), hinterließ keinen männlichen Erben und das Werk überging als Mitgift von Carls Tochter an B. J. E. von Platen, während der Herrensitz als Fideikommiß in Familienbesitz blieb - und zwar unter dem Sohn von Carls’ Vetter - Freiherr Carl Emanuel de Geer (1817-1877). Nach dessen Tod wurde es wiederum an einen Bruder übertragen: Freiherr Louis de Geer (1824-1887) und schließlich an einen Sohn gleichen namens aus erster Ehe des vorigen. 1917 kauft die Firma Gimo-Österby Bruks AB sowie 1937 die Österby Jernverks AB das Werk auf. Heute ist es in Besitz der Dannemoraverken. (Kjellberg 1971, S. 352f.)
Geschichte des Herrensitzes
Über den ältesten Herrensitz von Leufsta, der von den Russen gebrandschatzt wurde, wissen wir erstaunlich viel - teils aus Aufzeichnungen Louis de Geers: Om den skada jag tagit (Über den Schaden, den ich nahm) sowie aus einem in Lövsta befindlichen Gemälde aus den 1680er Jahren. Letzteres vermittelt ein sehr klares Bild der damaligen Bauwerke und der langgestreckten Gartenanlagen. Zu dieser alten Anlage gehörte auch ein Vogelhaus, ein rechteckiger Schlossflügel zum Garten, ein Flügel am Kanal sowie ein Pomeranzenhaus aus Stein und andere Gartenhäuser für Zitronen-, Lorbeer- und Myrtenbäume. (Kjellberg 1971, S. 353)
Der Schlossneubau nach dem Nordischen Krieg wahrte den Charakter und die Dimensionen seines Vorgängerbaus im Wesentlichen. Auch der Garten behielt seine Form aus dem 17. Jahrhundert. Sicherlich gehen die Um- und Neubauten auf Charles de Geer zurück - ausgeführt nach Plänen des Architekten Jean Eric Rehn. Er ließ ab 1759 die beiden halbrunden Eingangsflügel zur Parkseite, die eine Art Ehrenhof umschließen (Bild vom Hof Richtung Park), sowie eine Bibliothek und ein Naturalienkabinett, rechts und links des Hauptgebäudes, errichten (Abb: siehe „Bild von rechts“). Weiterhin entstanden nach Rehns Zeichnungen ein Pavillon, ein neues Vogelhaus und repräsentative Gartentore. (Kjellberg 1971, S. 354f.)
Dies muss das „Bild von rechts“ ungefähr darstellen: Kleines Gebäude vorn, Schloss und kleines Gebäude hinten, ganz wichtig ist die Spiegelung im Wasser.
Bereits für den alten Herrensitz hatte man den großen Damm und den Sammelgraben nahe dem corps de logis effektvoll ausgenutzt. Wie in einem holländischen Kanal spiegelt sich das Schloss mit seiner gelben Fassade im dunklen Wasser. Eine Holzterrasse, am Ufer beginnend, führt um das Gebäude herum nach Osten in den rückwärtigen Hof. Über eine Brücke nach Westen gelangt man vom Schloss in den Garten, der sich bis zur Gutsstraße erstreckt. Die Mittelachse läuft vom Gartentor auf das Schloss zu (Abb1). Rechts daneben findet sich auch ein neugotischer Glockenturm (Bild Glockenturm). Als Haupteingang ist das hofseitige Tor im Osten angelegt, mit halbrunden Attiken, welche die Perspektive gegen den Ausgang und den dahinter liegenden Park verlängern sollen (Bild davon!). Die örtlichen Möglichkeiten, beide Ansichten des Schlosses - von Osten und von Westen her - wirkungsvoll zu gestalten, wurden ausgezeichnet genutzt. (Kjellberg, 1971, S. 356)
Abb.1: Lövsta bruk - Schloß mit regelmäßigem Garten. (Eigenes Foto)
Den Garten hatte man nach einem Besuch Emanuel de Geers in England (1771) teilweise umgestaltet und durch den Park im Osten ergänzt. In den 1930er Jahren umfaßte Lövstas Garten fünf Morgen. Die regelmäßige Anlage des 17. und 18. Jahrhunderts wurde in den 1960er Jahren von Walter Bauer rekonstruiert. Sie besteht heute aus boskettartigen, relativ niedrigen Hainbuchmassiven (Abb.1). Die Umrisse eines offenbar ehemals im östlichen Schlosshof gelegenen Parterres wurden minimalistisch durch Steinreihen angedeutet. Schloss und Garten blieben bis in die jüngste Vergangenheit unter Freiherr Carl de Geer, einem Bankdirektor aus Stora Wäsby, in Familienbesitz. Erst seit wenigen Jahren gehört das Anwesen dem Statens Fastighetsverk, Schwedens staatlicher Liegenschaftsverwaltung für Objekte von kultureller Bedeutung. Es ist als Byggnadsminne - also als Baudenkmal eingestuft. (Kjellberg, 1971, S. 352f). Das Schloss wird als Museum genutzt. Durch einen Zwischenbesitzer ging leider die bedeutende naturhistorische Bibliothek, mit vorwiegend französischen Werken aus dem 18. Jahrhundert, verloren.
Orangerie, Treib- und Gewächshäuser
Auf einem idealisierten Gemälde eines unbekannten Künstlers aus der Zeit um 1700 finden sich sowohl die Orangerie, als auch das Treibhaus. Ein Plan, der zwischen 1704 und 1707 entstanden sein muß, bestätigt allerdings nur das Vorhandensein der Orangerie. Und auf einer Karte des Landvermessers Olof Gerdes aus dem Jahr 1735 ist die Stelle des heutigen Treibhauses lediglich als grund till nytt drivhus bezeichnet, also als vorgesehener Baugrund für ein neues Treibhaus. Erst 1748 wird ein solches Gebäude durch eine Abbildung Olof von Dahlins bestätigt.(Anderson, 2001)
Äußerlich ähnelt das Treibhaus (Bild Treibhaus) der Orangerie sehr, nur dass gegen Süden in den 1960er Jahren ein gläserner Gewächshausteil vorgesetzt wurde. Das Glasdach entspricht einem Typus des 20. Jahrhunderts. Dabei liegen die Scheiben direkt auf dem Gerüst. In etwa misst das Gebäude 25 x 10,5 m. Im Unterschied zur Orangerie zeigen die ursprünglichen Fenster des Treibhauses nach Norden. Der hintere Teil besteht aus drei großen Räumen, deren östlicher noch einmal in drei Kammern unterteilt ist. In der mittleren und in der südwestlichen finden sich mehrere Feuergruben - insgesamt vermutlich drei, im südöstlichen ein Ofen. Direkt am Eingangstor steht ein weiterer Eisenofen, der offenbar auch zum Aufwärmen diente. Der Gewächshausteil ist in zwei Bereiche untergliedert. Im östlichen stehen die Pflanzen auf einem mehrstöckigen Gestell, im westlichen auf einem Tisch. (Andersson, 2001) Heute werden hier Blumen gezogen und verkauft.
Östlich des Treibhauses haben sich mehrere Grund- und Außenmauern erhalten, die von weiteren Gewächshäusern bzw. -kästen stammen dürften. In Baroneres Leufsta werden mindestens fünf spezialisierte Treibhäuser genannt, darunter eines für Weinreben und eines für Aprikosen, später auch für Pfirsiche. Zudem genoss die Blumentreiberei in Lövsta einen hohen Stellenwert - für Orchideen gab es ein eigenes Haus. Louis’ Enkel, Charles de Geer, hatte persönlichen Kontakt zu Linné. Zwischen ihnen fand ein reger Pflanzentausch statt. Originell war ferner die Anzucht von Spargel mit vorgewärmtem Wasser, so dass selbst im Winter geerntet werden konnte. (Klaus Stritzke und Ingela Andersson mdl. sowie Andersson, 2001). 1930 waren immer noch drei Gewächshäuser und 60 Treibkästen vorhanden. (Andersson, 2001)
Die Schadensbeschreibung nach dem russischen Einfall führt ein Pomeranzenhaus aus Sandstein auf. Hier sollen Pomeranzen, Zitronen, Lorbeer- und Myrtenbäume sowie schöne Stauden gestanden haben. Jonas Carl Linnerhielm führt in einem Inventar der Orangerie von 1810 außerdem Ananas, Apfelsinen, Zitronen, Feigen, Kaffee und sogar Pfirsichbäume auf. Die Südfassade ist lediglich vorgesetzt (Abb.2). Im Norden fehlt jeder Schmuck und man sieht deutlich die Abzüge der Feuerstellen. Beheizt wurde das Gebäude über vier Kachelöfen in Nischen an der Rückfront (Bild Kachelofen, Bild Rückfront) vermutlich ein Rest des Pomeranzenhauses aus dem 17. Jahrhundert. Die Ausmaße des Gebäudes betragen in etwa 37 x 7 m. Die Hauptfassade zeigt nach Südosten und ordnet sich damit der Gesamtanlage unter. Innen birgt das Gebäude drei Räume, zwei kleinere im westlichen Teil und ein größerer im Osten. Die Mittelwände sind vermutlich nicht ursprünglich. Das Gerüst ist in Ziegel aufgeführt und die Fassade verputzt.(Andersson 2001)
Abb.2: Lövsta bruk, Orangerie. (Eigenes Foto)
Die Orangerie von Lövsta gilt heute als eine der besterhaltenen Schwedens. Dabei ist unklar, inwieweit das Treibhaus dieser baulich und funktional ähnelte. Eine vergleichende Untersuchung der mutmaßlichen Orangeriegebäude in Gimo könnte eventuell aufschlussreich sein. Die sich stirnseitig gegenüberliegenden Bauwerke wurden in den 1760er oder 1770er Jahren ebenfalls von Jean Eric Rehn für die de Geers aufgeführt und sind sowohl der Orangerie, als auch dem Treibhaus in Lövsta ausgesprochen ähnlich.
Quellen:
Kjellberg, 1971, S- 350-359.
Andersson, 2001.
(Michael Karkosch)
FORSMARK
Im uppländischen Forsmark lässt sich die Eisenverhüttung bis in das 15. Jahrhundert zurückverfolgen. 1570 wechselte Forsmark in das Eigentum der Krone über. Nach Kriegszerstörungen 1719 wurde es 1751 zunächst an die Familie Jennings und 1781 an die Familie af Ugglas verkauft. Die heutige Anlage geht zurück auf einen städtebaulichen Idealplan von Jean Eric Rehn aus den 1760er Jahren. Das Areal wird von mehreren Wasserflächen durchzogen, die den herrschaftlichen Bereich mit Schloss und Park im Westen von der Hüttensiedlung mit den Wohnhäusern und der Kirche im Osten trennen. Der Wirtschaftsbereich mit der Eisenverarbeitung liegt nördlich auf Insellagen isoliert (Abb. 1). Der qualitätsvolle Entwurf verbindet das Schloss und die 1790 von Olof Tempelman erbaute Kirche in gerader Linie und reiht daran anschließend die Wohnhäuser auf. Diese Hauptachse bildet das Rückgrat der Siedlung und fluchtet effektvoll auf Schloss und Kirche, die als weltliches und geistliches Gegengewicht einander gegenüberstehen (Abb. 2).
Das Schloss entstand nach Plänen von Jean Eric Rehn zwischen 1767 und 94. Von seiner Größe her eher als Herrenhaus anzusprechen, erhält das schlichte, dreigeschossige Gebäude sein herrschaftliches Gepräge vor allem durch den wirkungsvoll vorgelagerten Ehrenhof mit repräsentativer Zaunanlage (Abb. 3).
Südlich des Ehrenhofs stand in reichlichem Abstand die Orangerie von 1870. Historische Fotografien um 1880 belegen ein filigran konstruiertes Palmhaus mit seitlich angefügten Gewächshäusern. Vermutlich zwischen 1940 und 50 wurde die Orangerie abgebrochen.
In diesem Bereich bildet ein Rasenparterre das Entree zum Park. Sein außermittiges Wegekreuz mit Rondell ist auf den südlichen Seiteneingang des Schlosses ausgerichtet. Die relativ kleine Parkanlage wurde Ende des 18. Jahrhunderts in englischer Manier gestaltet (Entwurf Johan Christian Ackerman zugeschrieben) und ist auf einer Karte Forsmarks von 1802 bereits nachweisbar. Von Wald umschlossen und ohne Ausblicke in die offene Feldflur erzeugt die Anlage eine erstaunliche Vielfalt von Landschaftsbildern auf engstem Raum.
Vom Parterre her eintretend, verlässt der Besucher die strenge Axialität der Hüttensiedlung und begibt sich auf verschlungener Wegeführung in eine arkadische Hügellandschaft. Eine hölzerne Voliere, heute auf ovalem Grundriss mit polygonalen Abschlüssen an Stelle der ersten Vorgänger von 1787 und 1801 und eine große, gusseiserne Urne flankieren den Weg. Im Norden grenzen Wasserflächen diesen Bereich ab.
Erster thematischer Höhepunkt bildet der versteckt angeordnete Holztempel des Belisars, der 1794 als einfache Eremitenhütte errichtet und 1804 durch einen dorischen Säulenportikus zum tempelförmigen Borkenhäuschen erweitert wurde. Marmorierende Ausmalungen ziehen den Blick ins Innere. Nebenan markiert ein kleiner Granitobelisk mit Sockel das fiktive Grab des Belisars, der Sage nach ein römischer Kommandeur, der nach seiner Blendung rastlos umherirren musste. Der sogenannte Singende Stein rundet das Ensemble ab. Der Findling ist seit 1802 nachweisbar und klingt beim Anschlagen nach Eisen.
Der Besucher wird weiter zum nahegelegenen Spiegeltempel geführt, der 1804 mit begehbarem Dach in einen Hügel hineingebaut wurde (Abb. 4). Die hölzerne Tempelfront mit vier dorischen Säulen bildet einen Unterstand, der Form nach eine halbrunde Nische, in die 1916 eine gebogene Sitzbank eingepasst wurde. Der namensgebende, originale Spiegel ist mittig in der Nische in Form eines Sprossenfensters angeordnet. Die einzelnen Scheiben folgen prismenartig der konkaven Wandkrümmung. Der Blick wird unwillkürlich in dieses Fenster gezogen, das in der dunklen Nische einen Ausblick in eine helle Landschaft zu eröffnen scheint (Abb.5).
Tatsächlich sieht der Betrachter in diesem Hohlspiegel jedoch das Herrenhaus. Dreht er sich um, präsentiert sich eine herrliche Aussicht über die Wasserfläche hinweg auf das schräg gegenüberliegende Schloss (Abb. 6).
Von den zahlreichen Bauten am Wegesrand abgelenkt, hatte der Besucher bereits die Wasserbarriere westlich umrundet und den südlichen Teil des Parks verlassen. Zwei Dämme führen dorthin zurück, noch verlockender erscheint jedoch der Uferweg zu einer kleinen Halbinsel, die als Point de Vue in den See hinausragt und von einem säulenartigen Monument geziert wird.
Weiter nördlich lösen ringförmige Gräben kleine Inseln aus dem Seeufer heraus, die über eine reizvolle Abfolge von kleinen, hölzernen Bogenbrücken zu erreichen sind. Diese sogenannten Chinesischen Brücken verleihen diesem Abschnitt Anklänge an fernöstliche Gärten. Die Bogenkonstruktionen wurden vor wenigen Jahren rekonstruiert. Ansonsten gleicht der nördliche Teil des Parks eher feuchtem, mitteleuropäischen Wiesenland.
Der Rundweg kann über eine der Inseln mit Wirtschaftsgebäuden vollendet werden, so dass der Besucher die Gartenseite des Schlosses erreicht (Abb. 7).
Der gesamte Hüttenstandort des späten 18. Und frühen 19. Jahrhunderts blieb fast unverändert erhalten. Die bedeutenden Architekten Rehn und Tempelman hinterließen hier eine Idealstadt im Kleinformat, ergänzt durch den flächenmäßig ebenso komprimierten Park. Erst 1975 verkaufte die Familie af Ugglas Forsmark an eine Kraftwerksgesellschaft, die Forsmark Kraftgrupp. In den Folgejahren wurde die gesamte Anlage instandgesetzt und sehr behutsam zu einem Verwaltungs- und Fortbildungszentrum entwickelt. Den Park sanierte Walter Bauer, offensichtlich ohne Bestandsdokumentation. Die Parkanlage erscheint heute zu überschaubar, so dass sie fast auf einen Blick zu erfassen ist. Es ist anzunehmen, dass die Gartenräume ursprünglich bei weitem nicht so freigestellt waren wie heute. Ohne Überraschungseffekte büßt dieser „romantische Park“ jedoch einen Teil seiner Wirkung ein. Abgesehen davon ist das gartenkünstlerische Programm der vielen Landschaftswechsel gut nachzuvollziehen. Zahlreiche Informationstafeln erläutern die Geschichte des Parks und seiner Ausstattung.
(Matthias Koch)
GIMO
Das um 50% reines Eisen enthaltende Erz von Dannemora konnte gewissermaßen im Tagebau gewonnen werden. Es gehörte zu den besten Vorkommen der Welt, eignete sich zur Herstellung vorzüglichen Stahls und begründete den Reichtum des Holländers Louis de Geer. Er betrieb die seit dem 15. Jahrhundert dort heimische Eisengewinnung und -verarbeitung industriell. Wegen des großen Bedarfs an Wasserenergie erfolgte die Verarbeitung dezentral. Es entstanden Fabrikanlagen, zu denen in der Regel ein Herrenhof, Schmiedehäuser, Werkstätten und Arbeiterwohnhäuser gehörten.
Der Herrenhof Gimo war von 1643 bis 1756 Besitz des Louis de Geer und seiner Nachkommen. Welche Wohlhabenheit mit den Fabrikanlagen von Gimo zu erreichen war, demonstriert die raumgreifende Anlage des Schlosses mit seinem eingeschossig umbauten Ehrenhof. Durch ein Gitter abgeschlossen, befindet sich ihm gegenüber ein weiter halbrund bebauter Platz.
Das schmale langgestreckte Parterre auf der Gartenseite nimmt nur die Breite des zweigeschossigen Hauptgebäudes des Schlosses ein, das sich zu beiden Seiten in eingeschossigen Anbauten fortsetzt. Am halbrunden Abschluss des Parterres stehen zwei Orangeriebauten im stumpfen Winkel zur Hauptallee, die zwischen den Bauten in die Landschaft führt.
Für diese Anlage hatte der Architekt Jean Eric Rehns nach 1760 einen Generalplan entworfen, von dem nur der Schlossbereich, nicht aber die beiden Kleinsiedlungen für die Arbeiter ausgeführt wurden. Bauherren war inzwischen nach den Finley’s Jean Henri Ferbure und Familie. Das Schloss wurde auch im Inneren nach Entwürfen von Rehns dekorativ aufgestattet (Ausführung C.G. Eckstein, Lorenz Sundström). Stuckaturen und Malereien sind erhalten.
Orangeriebauten
Die beiden Gebäude am Rande des Schlossparterres sind architektonisch gleich gestaltet, erfüllten aber unterschiedliche Funktionen.
Das östliche war Orangerie. Dem Eingang in der Stirnseite folgt ein einfenstriger Raum mit Windfangfunktion. Dahinter liegt der kleine Orangerieraum mit seinen 6 Fensterachsen. Der Rauchkanal ist deutlich im Ziegelfußboden erkennbar. Er verläuft an den beiden Längsseiten gerade und an der Stirnseite im Bogen.
Das westliche Gebäude besitzt nur Blindfenster auf der Südseite und diente offenbar als kaltes Treibhaus. Die große Fensterpartie im Westgiebel deutet darauf hin. Der Fußboden besteht aus anstehendem Erdreich. Heute sind der Traktor und Gartengeräte dort untergebracht.
Östlich des Schlossbezirks befand sich ein großer Nutzgarten (3,5 ha) mit Orangerie, Treibhaus und Gärtnerhaus, so der Stand von 1875.Wie in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts üblich, hatte die Orangerie einen hohen Mittelteil mit Tempelgiebel. Sie existierte bis etwa 1953. Die Gärtnerei ab 1930 von einem Pächter betrieben. In drei Gewächshäusern ist unter Anderem eine große Melonenernte gelungen.
Unweit des Schlosses befinden sich noch Reste der alten Industrieanlagen, die in der Art eines kleinen Freilichtmuseums zugänglich sind.
(Adelheid Schendel)
DROTTNINGHOLM
Am sechsten Tag der Schwedenexkursion reisten wir zum Schloss Drottningholm westlich von Stockholm. Wir besichtigten den zentral gelegenen barocken Garten mit seiner aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts stammenden Grundstruktur aus Parterre (Broderie- und Wasserparterre), Boskett (vier Hecken- und ein großes Sternboskett) und umlaufender vierreihiger Lindenallee, sowie das China-Schlösschen. Letzteres liegt südlich des Barockgartens umgeben von Alleen und Bosketts im Stil des Rokoko.
Die beiden Gartenteile finden wir heute als Rekonstruktionen aus den 50er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts vor, die vor allem nach alten Plänen und nicht nach den Befunden stattfanden. Für die große nördlich gelegene landschaftliche Partie und die ehemalige Orangerie von Drottningholm blieb leider keine Zeit zur Besichtigung.
Entwicklung der königlichen Gärten
Das alte Krongut Torvesund von Gustav I. Vasa (1496-1560) diente als Bauplatz für das erste Schloss, erbaut ab 1579 nach Plänen des Architekten Willem Boy. Da es für die Königin Katarina Jagellonica (1526-1583) entstand, erhielt der Ort bald den Namen Drottningholm . 1661 kaufte Königin Hedvig Eleonora (1636-1715), Witwe Karls X. (1622-1660), das Anwesen, ließ das Schloss neu erbauen und Pläne für einen französischen Garten anfertigen. Von dem Generalplan des Gartenkünstlers Nicodemus Tessin d. J. (1654-1728) aus dem Jahr 1681 realisierten man von 1682 bis 1700 nur den lang gestreckten symmetrischen Prachtgarten aus Broderie- und Wasserparterre, Heckenbosketts und Doppelallee aus Holländischer Linde, dessen Grundstruktur noch heute vorhanden ist. Tessin, der durch seine Studienreisen nach Europa wohl bewandert war, insbesondere auf dem Gebiet der französischen Gartenkunst, liess sich für seine Gestaltung vor allem von Chantilly, Versailles und Marly inspirieren. Drottningholm ist als französisch beeinflusster Barockgarten einzuordnen, obwohl er eine breit in die Landschaft ausstrahlende Mittelachse vermissen lässt. Zum Schutz der neuen Anlagen und wertvollen Pflanzungen umgab ein hoher Holzzaun den Garten bis zum Ende des 18. Jahrhunderts.
Mitte des 18. Jahrhunderts zum Bau des neuen China-Schlösschens südlich des Barockgartens überplante der Architekt Carl Fredrik Adelcrantz (1716-1796) die hier vorhandene Gartenumgebung. Die neuen Lindenbosketts passten sich den natürlichen Höhenunterschieden des Terrains an. In dem Variationsreichtum, der mit Volieren und unterschiedlichstem Laubwerk nach chinesischer Manier ausgezierten Rokokobosketts, suchte Adelcrantz bewusst den Kontrast zur wilden Nadelholz-Felslandschaft der weiteren Umgebung. Der deutliche Bezug zur natürlichen Landschaft, gekoppelt mit der chinesischen Manier der Staffagen, verweist auf den künstlerischen Einfluss von Sir William Chambers (1726-1796), den dieser auf seinen Zeitgenossen Adelcrantz ausübte.
Unter Gustav III. (1746-1792), der ab 1777 Drottningholm besaß, begannen die Planungen für eine Verlandschaftlichung, besonders aber für eine Erweiterung des Gartens um eine Partie nach englischem Vorbild nördlich des Lustgartens. Der Architekt Frederik Magnus Piper (1746-1824), der 1780 von seiner Studienreise aus England zurückkehrte, konnte für die Planung gewonnen werden. Welche gartenkünstlerischen Ideen Piper für Drottningholm hegte, zeigt sein Generalplan von 1797. Weite Teile davon wurden umgesetzt, eine komplette Überformung des Barockgartens fand jedoch nicht statt.
In der Zeit von 1810 bis 20 berichten die Quellen von Verfall und Vereinfachung Hedvig Eleonoras Lustgartens. Die Kaskaden werden abgerissen und die Strukturen des Broderieparterres beräumt und mit Rasen eingesät. Bereits um 1860 stieg das Interesse an der barocken Gartengeschichte Drottningholms jedoch wieder stark an. Um 1900 nahm der Gartenarchitekt Rudolf Abelin (1864-1961) eine erste rekonstruktive Umgestaltung der Parterres vor. Die Doktorarbeit „Drottningholms lustträdgård och park“ von Nils G. Wollin aus dem Jahr 1927 löst neue Diskussionen über eine Parkrestaurierung aus. In den 1950iger Jahren verwirklicht Walter Bauer nach dem Plan von Tessin 1723 letztlich eine umfassende Rekonstruktion von Broderie- und Wasserparterre, wobei der Ausbau nach Maßen der Plandarstellung erfolgte. Eine Auswertung und Berücksichtigung von Befunden fand nicht statt. In den 1970iger Jahre rekonstruierte Walter Bauer auch die Partie um das China-Schlösschen.
Diskussion vor Ort
Obwohl es in Drottningholm eine lange Tradition der Erneuerung abgängiger Alleebäume gibt und die überwiegende Anzahl der Linden zu der wenigen noch originalen Substanz aus dem 17. Jahrhundert gehörte, beschloss die Staatliche Grundstücksverwaltung, die Seitenalleen aus Holländischer Linde abschnittsweise in fünf Etappen ab Herbst 1997 zu fällen und zu replantieren. Man begann mit den Abschnitten am Sternboskett und wird sich in Richtung des Schlosses vorarbeiten. Die Altbäume am Wasser- und ehemaligem Broderieparterre konnten wir bei unserem Besuch also noch erleben.
Die Fällung erfolgte ohne Dokumentation des Baumbe- und -zustands. Allerdings gibt es sogenannte „Anekdotenbäume“ - Altbäume, die mit gekappter Krone innerhalb der neuen Reihen verbleiben. Das gewonnene Holz verbrannte im Heizwerk Svartsjö.
Die holländischen Alleebäume von Drottningholm dokumentieren in ihrem Habitus u.a. ihren langen Überlebenskampf auf einem kargen felsigen Boden unter den klimatischen Bedingungen Schwedens. So kritisiert Klaus Stritzke den Bodenaustausch mit einem aufwendigen Mischsubstrat aus lehmiger Ackererde, Kies, Sand und Torf sowie den Einbau eines Drainage- und Bewässerungsnetzes nach Rodung der Stubben.
Linden der Sorte Pallida dominierten den Bestand Ende des 20. Jahrhunderts. Für die Etappen I bis III bezog man die notwendige Anzahl bis 7m hoher Jungbäume (Tilia europaea „Pallida“) von einer europäischen Baumschule. 1995/96 schnitten die Gärtner 1700 Stecklinge von den Alleelinden der Etappen IV und V. 360 davon konnten als gut gewachsene Hochstämme in dieser Baumschule aufgeschult werden und sollen zu gegebenem Zeitpunkt die Altbäume in IV und V ersetzen.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts werden die Linden in einem Inventar zu Drottningholm als wohlgeputzt beschrieben. Die spärlichen Informationen zur Schnittform der Linden interpretiert man als Lindenkrone im künstlichen Jugendstadium, d.h. eine längsovale durchaus lindentypische Kronenform, die aber durch Schnitt in ihren Ausmaßen stark reduziert ist. Es ist nachgewiesen, dass die Lindenalleen in Drottningholm durch Schnitt auf gleiche Höhe gebracht wurden. Welche Höhe genau der barocken Proportion von Allee und Schloss entspricht, ist nicht untersucht.
An den vor zwei Jahren gepflanzten neuen Bäumen ist festzustellen, dass der Terminaltrieb gekappt, die Seitenäste aber nicht angeglichen sind. Warum diese Vorgehensweise gewählt wurde, ist nicht bekannt.
Klaus Stritzke führt uns weiter zur Partie um das China-Schlösschen und erklärt u.a., dass die in alle vier Himmelrichtungen vom China-Schlösschen führenden Alleen im Wechsel Kastanie Ahorn bepflanzt waren. Der Befund fand keine Berücksichtigung bei der Rekonstruktion der Partie von Walter Bauer. Heute weisen die Alleen nur noch Kastanie auf.
In den historischen Gärten Schwedens findet auffällig oft die Linden als Hecke Verwendung.
In Drottningholm sind die Hecken des Theaters beispielsweise auch aus Linde. Klaus Stritzke erklärte, dass in Schweden die Hainbuche als Heckenpflanze nicht so bekannt war und deshalb in den Gärten eher Lindenhecken anzutreffen sind.
Die Orangerie in Drottningholm wurde nicht besichtigt. Es gibt aber einige Informationen dazu, die hier Erwähnung finden sollten.
Eine erste Orangerie ist für das 17. Jahrhundert als Überwinterungshaus neben einem weiteren Treibhaus nachweisbar. 1792 wurde sie abgebrochen. In den 1790iger Jahren erbaute man in Drottningholm nördlich des englischen Gartens eine neue Orangerie. In ihr überwinterten Feigen-, Pomeranzen- und andere wertvolle Gartengewächse. 1809, 1914 und 1944 fanden Umbaumaßnahmen statt. Beim letzten Umbau verschwand die Glasfassade und aus dem Orangerieraum entstanden zwei Etagen. So existiert sie stark verändert noch heute.
(Henrike Schwarz)
Literatur:
Anderson, 2001.
Drottningholms Schlossverwaltung, 1997.
Olausson, 1997.
Stritzke, 1992.
Stritzke, 1994.
Nolin, 1997.
Nolin, 2000.
DAS TESSINSKA - PALAIS
In unmittelbarer Nähe des königlichen Schlosses in Stockholm befindet sich der Palast , den Tessin d. J. (geb. 23.5. 1654 in Nyköpping, gest.10.4.1728 in Stockholm ) von 1696 bis 1700 für sich erbaute.
Den Grundriss des dreigeschossigen Baukörpers bilden zwei nahezu regelmäßige Trapeze, von denen die Schmalseite des ersteren die Länge der Straßenfassade vorgibt. Das untere Geschoss der siebenachsigen Fassade wird durch eine Rustizierung hervorgehoben. Die beiden Hermen, welche die mittlere der drei Eingangsportale flankieren, tragen ein Gebälk mit Kartusche. Diese ist von zwei Genien umgeben.
Von dieser Fassade entwickelt sich die Anlage in drei Segmenten in die Tiefe des umbauten Raumes. Der Grundriss des ersten Segmentes ist durch relativ ausgewogene Grundrissproportionen eines kompakten Baukörpers bestimmt. In diesem Bereich soll sich die Orangerie befunden haben. Die beiden folgenden Segmente stellen zwei Atrien mit trapezförmigen Grundrissen dar, welche durch Architektur im repräsentativen Dekorationsstil gefasst werden. Die beiden Atrien werden durch zwei symmetrisch schief angeordnete Mauern, welche je eine Nische mit je zwei Säulen und einer krönenden Balustrade aufnehmen, von einander getrennt.
Das erste Atrium nimmt ein ebenfalls trapezförmiges Broderieparterre auf, dessen Grundriss sich aus der einfassenden Architektur ableitet. Bereichert wird es durch ein Wasserbecken mit Springstrahl, welcher eine Achse bildet, die durch die beiden schief angeordneten Mauern in das zweite Atrium zur dort dominierenden scheinperspektivischen Loggia führt. Die architektonische Fassung des ersten Atriums geschieht durch rustizierende Wandfassungen um arkadenartige Fenster mit Halbsäulen sowie angedeutete Säulengänge und Pilaster im Untergeschoss. Teile der Gebäude werden durch vasentragende Balustraden gekrönt.
Das dahinter liegende zweite Atrium wird durch eine dominierende, die andere Architektur überragende perspektivische Scheinloggia im dritten Geschoß beherrscht.
Als Vorbild diente Palazzo Spada. Das Portal der Scheinloggia und die beiden rechts und links flankierenden kleineren Loggien werden durch Säulenpaare mit Kompositkapitellen und angefügten Pilastern getrennt. Das Scheingewölbe der Perspektivloggia wird durch die gleichen Säulen getragen. An die drei Loggien schließen sich zu beiden Seiten Nischen mit Büsten auf trapezförmigen Postamenten an.
Die drei Achsen des darunterliegenden Geschosses werden durch einfache rechteckige Fenster und ionische Säulenpaare mit gleichen angefügten Pilastern gebildet.
Literatur:
Haslingen
Thieme/Becker
Statens Fastighetsverk, 2002
(Ralph Wels)
HAGA
Geschichte der Anlage:
Für die Gestaltung von Haga in den letzten beiden Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts waren drei Persönlichkeiten ausschlaggebend: Als Auftraggeber Gustav III. (*1746), seit 1771 bis zu seiner Ermordung 1792 schwedischer König, sowie als entwerfende und ausführende Künstler der schwedische Gärtner und Architekt Fredrik Magnus Piper (1746-1824) und der französische Architekt, Bühnenbildner und Maler Louis Jean Desprez (1743-1804).
1771 erwarb Gustav - noch als Kronprinz - den südlichen Teil des Geländes am See Brunnsviken nahe Stockholm. 1772 legte er selbst einen Entwurf für eine neue Gartengestaltung in Veränderung der bestehenden älteren Strukturen vor, der v.a. großzügige Promenaden am Wasser vorsah. In den kommenden zwei Jahrzehnten sollten Gustavs Gestaltungsvorstellungen bezüglich des außerhalb und dennoch nahe Stockholms gelegenen Haga ständig oszillieren zwischen dem Ideal einer zurückgezogenen Sommerresidenz oder villa suburbana und dem einer monumentalen königlichen Residenz.
1780 wurde Piper mit der Leitung der Arbeiten beauftragt. Piper hatte sich 1772 auf eine Studienreise begeben, die ihn zunächst nach England, von 1774 bis 1778 nach Frankreich und Italien (Rom) führen sollte und anschließend zurück nach England, wo er vor allem von William Chambers gefördert wurde. Der Direktor der Stockholmer Kunstakademie, der Architekt Carl Fredrik Adelcrantz, verhalf ihm zu einem Stipendium. Piper lernte also nicht nur den aktuellen englischen Landschaftsgarten kennen, sondern schulte sich ebenso an den antiken und neuzeitlichen Anlagen der römischen Villeggiatura. Direkt nach seiner Rückkehr nach Schweden ernannte ihn Gustav zum Leiter der Arbeiten in Haga, die er 1781 aufnahm. Sein Generalplan mit Entwürfen der geplanten Anlagen und Gartengebäude (Abb. 1) entstand in den folgenden Jahren. Charakteristisch sind die deutlichen Höhenunterschiede und das zerklüftete Terrain, das viele Möglichkeiten für abwechslungsreiche Gartengestaltung boten, sowie die Lage am Wasser mit einer ausgefransten Uferlinie und kleinen Inseln. Dieser Landschaftscharakter wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jhs. verändert, als der Wasserspiegel des Sees um 1,25 m gesenkt wurde. Die Inseln wurden damit Teil des Festlandes. Dem Verlauf der alten Straße nach Stockholm folgt seit 1960 die Autobahn (Abb. 2). Die meisten der von Piper geplanten Blickverbindungen wurden möglicherweise gar nicht erst realisiert und sind heute nicht mehr nachzuvollziehen. Der größte Teil des ehemals gestalteten Terrains ist heute zugewachsen. Nur im nördlichen Bereich ist die Raumgestaltung des Parks noch zu erahnen, beispielsweise auf dem zu einer Bucht hinabführenden weiten Wiesenhang, der Pelouse (Abb. 3). Piper hatte zahlreiche Fabriques in der im frühen Landschaftsgarten üblichen Stilvielfalt entworfen: Die Eremitage, die auf der äußersten Insel entstehen sollte, folgt einem Vorbild in Stourhead; weitere, neogotische und antikisierende Bauten gehen ebenfalls auf englische Vorbilder zurück; die Gondelgrotte mit dem Tempel des Neptun (Abb. 4) verrät die Schulung an akademischen Projekten. Nach Pipers Entwurf (Abb. 5), wenn auch verändert, wurde nur der türkische Pavillon realisiert.
Der König hatte 1783-84 incognito, unter dem Namen eines Grafen von Haga, eine Italienreise unternommen, von der er mit neuen künstlerischen Vorstellungen zurückkehrte. Von nun an favorisierte er klassizistische Architekturentwürfe. 1785 kaufte er, Hagas bestehendes Gelände (Gamla Haga=Alt-Haga) verdoppelnd, angrenzende Grundstücke hinzu (Nya Haga=Neu-Haga), um in größerem Maßstab zu planen. Hierzu gehörten Planungen für einen königlichen Palast.
Pipers Vorschläge für ein königliches Schloß sowie einen kleineren Bau, ein Casino, verwarf der König und beauftragte mit dem Entwurf des Palastes inkl. Museum stattdessen den frz. Architekten Léon Dufourny. Dieser lieferte erst Jahre später ein Projekt ab, das deutlich in der frz. Akademietradition verankert ist und zeigt, welch hohen, auf die römische Antike gerichteten Idealen der schwedische König nachstrebte. Dieser beabsichtigte seit der Rückkehr aus Italien, die gesamte Seenlandschaft am Brunnsviken zu einer weiträumigen Gartenlandschaft umzugestalten.
Hierauf bezieht sich Hirschfeld, der im letzten Band seiner "Theorie der Gartenkunst" schreibt:
"Schweden hat nicht allein das Erhabene der Meerprospecte, sondern auch das Romantische der Felsen, der Berge, der Wasserfälle und Ströme, die Gegenden von der stärksten Überraschung bilden. Der aufgeklärte Schwede ist voll Empfindlichkeit gegen die Schönheiten der Natur; er erweitert gerne seinen Geist durch neue Wissenschaft, und nährt seinen Geschmack durch Reisen. (...)
Gustav III. veredelt den Glanz seines Throns durch die Liebe der schönen Künste, die Er alle kennt, die Er alle schützt. Sein Haga, das er jetzt schafft, soll ein Denkmal Seines feinen Gartengeschmacks werden, das erste Muster der neuen Kunst in dem Schooß der Nation. (...)"
(Hirschfeld, Theorie der Gartenkunst, Bd. 5, Leipzig 1785, S. 283)
1783 hatte Gustav in Italien Desprez kennengelernt und ihm sofort eine vorteilhafte Position angeboten, so dass dieser 1784, zunächst nur als Bühnenbildner, nach Stockholm kam, dort aber 1786 zum Ersten Hofarchitekten aufstieg. 1787 beauftragte ihn Gustav mit architektonischen Planungen für Haga. Desprez - als einem herausragenden "Illusionskünstler" - scheint es gelungen zu sein, die hochfliegenden Pläne des Königs für Haga in Projekte umzusetzen, von denen freilich nicht alle realisiert wurden: Dazu gehörten nicht nur der Palast, sondern auch verschiedene Tempel und Pavillons, ein Pantheon, Denkmäler und Brunnen (Abb. 6). In Haga wurden nach Entwurf von Desprez mehrere Fabriques gebaut: die drei Kupferzelte, in denen die königliche Garde untergebracht war (Abb. 7); der chinesische Pavillon sowie der Amortempel. Der wegen akustischer Effekte als Echotempel bezeichnete Treillagepavillon (Abb. 8) wurde später ebenfalls nach Desprez' Entwurf errichtet, während der Königliche Pavillon nach Entwurf von Olof Tempelmann entstand.
Der berühmte Sänger und Lieddichter Carl Bellman hielt sich als Gast Gustavs III. öfters in Haga auf, das er in einem Lied besang. Heutzutage gibt es in Schweden viele Fanclubs, die sich der Pflege von Bellmans Musik widmen und sich hierzu in historischen Kostümen zusammenfinden - was jedem Leser schwedischer Krimis aus Henning Mankells Roman "Mittsommermord" bekannt sein dürfte. Wir hatten das Vergnügen, den Echopavillon im selben Moment anzusteuern wie eine solche Bellman-Gruppe, die Bellmans Musik lauschte und Sekt trank (Abb. 9 und 10).
Nach der Ermordung Gustavs III. 1792 wurde die Anlage unter Gustav IV. Adolf vervollständigt.
Orangerie und Gewächshäuser:
Es ist nicht bekannt, daß Piper oder Desprez Orangerien oder Gewächshäuser entworfen hätten. Allerdings bestand schon zu Gustavs III. Zeiten der Küchengarten nördlich der Kupferzelte. Möglicherweise stammen schon aus dieser Zeit Zeichnungen, die ein Weintreibhaus zeigen (von dem Tischler C. Wallentin) und ein Pfirsichhaus (von H. Edberg); letzteres sollte gegen die Mauer des Küchengartens gebaut werden. 1813 entwarf Petter Dimberg ein Pfirsichhaus für denselben Standort. Zwischen 1849 und 1853 wurden die großen Gewächshäuser für Wein, Erdbeeren, Ananas und anderes Obst sowie Blumen ("Acaciae, Ericae, Azaleae, Camellier, Pelargonia, Fuchsiae, Calceolariae, Rosae och Rododendra") errichtet. Sie erstreckten sich über eine Länge von knapp 300 m und hatten seinerzeit in Schweden nicht ihresgleichen. Die heutigen modernen Gewächshäuser werden als Schmetterlingshäuser genutzt
Nach Entwurf von Desprez wurde 1788-1789 ein Gasthaus gebaut, das von 1797 an, unter Gustav IV. Adolf, als Orangerie genutzt wurde. Man verbrachte Orangenbäume aus der Orangerie in Ulriksdal hierher. Der Zugang erfolgt über große Tore in der Achse des erhöhten Mittelpavillons. Seit der Mitte des 19. Jhs. bis in die 1950er Jahre bestanden zusätzliche Gewächshäuser direkt vor der Orangerie. Heute wird das Gebäude für Ateliers genutzt.
Literatur:
Ericsson, 1854.
Wollin, 1939.
Fredrik Magnus Piper, Ausstellungskatalog, 1981.
Louis Jean Desprez, Ausstellungskatalog, 1992.
Olausson, 1993.
Catherine the Great & Gustav III, Ausstellungskatalog 1998-1999.
Abbildungen:
Abb. 1: General-Plan des alten und neuen Lustparks Haga, Fredrik Magnus Piper ab 1781 (Norden ist rechts) (Piper 2)
Abb. 2: Haga Luftaufnahme (Piper 1)
(Norden ist oben)
Abb. 3: Die Pelouse, Juni 2003 (Dia Nr. 2)
Abb. 4: Entwurf für Neptuntempel und Gondelgrotte, Fredrik Magnus Piper, 1791 (Piper 3)
Abb. 5: Entwurf Fredrik Magnus Piper für einen türkischen Pavillon in Haga 1785 (Piper4)
Abb. 6: Louis Jean Desprez, Blick auf Haga mit projektierten und realisierten Bauten, ca. 1790 (Scan xxx)
Abb. 7: Das mittlere Kupferzelt, Juni 2003 (Dia Nr. 1)
Abb. 8: Echotempel, Juni 2003 (Dia Nr. 5)
Abb. 9: Bellman-Fanclub, Juni 2003 (Dia Nr. 8)
Abb. 10: "Bellman" trägt Lieder vor, Juni 2003 (Dia Nr. 9)
(Iris Lauterbach)
ROSENDAL
Aus dem Scherengarten kommend, in dem sich erste gefährliche Ansätze typischer Urlaubsstimmung in uns breit machen wollte, begaben wir uns umgehend in den einstigen Königlichen Tiergarten Rosendal (Tiergarten seit etwa 1570, 1657 erster Entwurf von Jean De la Valle_ für Rosendal, ab 1672 Jagdgebiet). Ein Zeichen dafür, dass die Jagd wieder begonnen hatte.
Obwohl seit 1997 eine Examenarbeit zu Rosendal am Institut für Grünplanung und Gartenarchitektur der Universität Hannover vorliegt, waren nicht alle ausreichend auf diesen Besuch vorbereitet, eine entsprechende Literaturangabe zu den Exkursionsunterlagen wäre hilfreich gewesen.
So waren wir hin- und hergerissen zwischen dem unter Karl XIV Johann um 1820 erbauten Schloss mit umgebendem Landschaftspark und dem 1848 unter Oscar I. erbauten Wintergarten (auch „Alte Orangerie“ genannt).
Die durchaus gut erhaltenen bzw. wiederhergerichteten Reste des einstigen halbrunden Wintergartens (von Georg T. Chiewitz), konnten nur aus gebührendem Abstand betrachtet werden, weil das Gebäude umgebaut worden ist und inzwischen für Wohnzwecke genutzt wird. Die um die zentrale Rotunde halbzirkelförmig angeordnete Glaskonstruktion ist nicht mehr vorhanden. Auch die einstige lichtdurchflutete Laterne der Rotunde hat eine der derzeitigen Nutzung entsprechende Fenstergliederung erhalten.
1850 beherbergte das Objekt eine Sammlung von über 5.000 verschiedener Gewächse, vor allem aus Südeuropa.
Sowohl die Konstruktion und Technologie, als auch die einstigen Pflanzenbestände scheinen näheren Betrachtungen wert zu sein. Ein diesbezüglicher Vergleich mit dem 1849 bis 1851 erbauten Palmenhaus in Pillnitz wäre beispielsweise denkbar. Die später erweiterte Gewächshausanlage wurde 1861 für 50 Jahre vom Schwedischen Gartenbauverein gemietet. Dem Wintergarten waren 1843 bis 1844 ein Pfirsich- und Aprikosenhaus vorausgegangen, 1855 wurde ein Viktoria-Regia-Haus errichtet (wichtiger Einfluss von Vogt/Flottbeck).
Auf dem Gelände und in den Gewächshäusern wird derzeit vor allem Obst und Gemüse in biologisch-dynamischer Wirtschaftsweise nach Rudolph Steiner kultiviert.
An den gärtnerisches Interesse erregenden Pflanzenbeständen und Verkaufseinrichtungen vorbei gelangten wir schnellen Schrittes zur eigentlichen Schlossanlage.
Das Anwesen, welches von 1791 bis 1816 mehrmals die Besitzer wechselte, gelangte 1817 wieder in die Obhut des schwedischen Prinzen Karl Johann, des späteren Königs Karl XIV Johann. Dieser ließ von 1820 an durch den Architekten Federik Blom in mehreren Etappen ein kleines, für Repräsentationszwecke gedachtes Lustschloss erbauen. Das Bauwerk ist im sogenannten Karl Johann-Stil ausgeführt, der spezifisch schwedischen Lesart des Empire. Leider blieb nur wenig Zeit für die nähere Betrachtung des Gesamtensembles mit den umgebenden Bauten und Anlagen. So konnte lediglich die große 1825 aufgestellte Porphyr-Schale näher betrachtet werden. Die von F. Westin nach einer antiken Marmorvase im Herculaneum entworfene Schale ist 2,67 m hoch und hat einen Durchmesser von 3,59 m. Der dafür verwendete Garbergs-Porphyr stammt aus den Porphyrbrüchen in Älvdalen.
(Roland Puppe)
TULGARN
Nach dem durchaus angenehmen „Freilauf“ in Stockholm, den jeder nach individuellen Gusto nutzte, war ein gemeinsamer Aufgalopp in Tulgarn angesagt, dem Objekt durchaus angemessen.
Wie die Stallanlagen und die dem Schloss wasserseitig vorgelagerte Reitertreppe vermuten lassen, waren Pferde für Tulgarn einst sehr bedeutungsvoll. Derzeit befindet sich das Anwesen wohl aber eher im Dornröschenschlaf, zumindest machte es bei unserem Besuch den Eindruck.
Das einst der Familie Oxenstierna gehörende Anwesen erhielt unter Julius de la Gardier ein neues Schloss, Architekt des 1727 fertiggestellten Hauptgebäudes war Gabriel Destain.
Der Park wurde von Carl Härlemann nach seiner Rückkehr aus Paris 1728 umgestaltet und erweitert.
In einem Garteninventar von 1701 wird bereits eine alte Orangerie genannt. In einem Plan von 1757 ist eine Orangerie verzeichnet.
Die später in königlichen Besitz übergegangene Anlage wurde mehrmals erweitert und umgestaltet.
(Roland Puppe)
LANSJÖ - ORANGERIE DES GÄRTNERS
In Lansjö, zwischen Norr- und Linköping, findet sich eine sehr kleine Orangerie unbekannten Erbauungsdatums. Sie verdient vor allem deshalb Interesse, weil hier ein Überwinterungsraum an ein Wohnhaus angeschlossen ist und nicht, wie sonst bekannt, Wohnräume an eine Orangerie gekoppelt sind. Diese bescheidene und funktional wirkende Orangerie besteht aus Holz, ebenso wie das Gärtnerhaus, dessen Teil es ist (Abb. 1). Heute sind die Fenster z.T. verändert und der Raum, der früher Pomeranzen und ähnliches barg, wird als Wohnzimmer genutzt. Mitten im Zimmer steht der originale Kachelofen. Ebenfalls noch vorhanden ist ein Weingewächshaus von 1913 (Abb. 2).
Abb.1 (links): Orangerie. Die Front großer Fenster umfasste einst die gesamte Fassade.
Abb.2 (oben): Das Weinhaus. (Eig. Fotos)
ÅDELSNÄS, DER STAMMSITZ DER BARONIE ADELSWÄRD
Der Landsitz befindet sich - wie so oft in Schweden - auf einer Halbinsel. Die Zufahrt ist beidseitig von je einer Baumreihe mit Linden-, Ahorn- und Ulmenbäumen begleitet. Sie führt zu zwei gleichen Torhäusern, die einen Eisenzaun mit einem großen Tor einfassen. (Abb 1: Bild M-1)
Die Führung durch einen Teil des Parks zur heutigen Orangerie übernahm der Hausherr Baron Gösta Adelswärd. Er begrüßte uns im Eingangsbereich der Parkanlage und erläuterte zunächst, daß die Parkgestaltung die wir heute vorfinden, erst weniger als 100 Jahre alt ist.
Die Fläche hinter dem Tor war früher der Vorhof für ein Corps de Logis-Gebäude mit zwei Flügelbauten, die im Verband mit zwei weiteren Bauten standen. Letztere dienten als Küche bzw. als Gästehaus. Das Hauptgebäude wurde um 1900 an eine andere Stelle im Park umgesetzt und wurde seither als Schulgebäude für eine Gärtnerausbildung genutzt.
Von 1916 - 1920 wurde das jetzige Herrenhaus etwas tiefer im Park nach Plänen des Architekten und Hochschulprofessors Isak Gustaf Clasen (1856 - 1930) erbaut. Das Gebäude wurde auf einer Felskuppe (Abb 2: Bild M-2) errichtet, die vorher als Standort für eine Orangerie gedient hatte . Gleichzeitig übernahm der Landschaftsarchitekt und Gärtner Rudolf Abelin, der auch Lehrer an der Gärtnerschule war, die Umgestaltung des bis dahin mit überwiegend geraden Wegen und rechteckigen Partien ausgestatteten Parks.
Es gab in der Zeit zwischen 1800 und 1900 auf der Halbinsel mehrere Gewächshäuser und zumindest eine Orangerie und ein Rebenhaus. Eines der Gewächshäuser wurde ab 1916 von I.G. Clasen zu einem Orangerie-Gebäude umgebaut.
Der Baron führte uns vom Eingangsbereich sogleich zur Orangerie (Abb. 3: Bild Binner 0062/373). Auf dem Weg dorthin fiel mir auf, dass an den 'Exoten' unter den Parkbäumen Namensschilder hingen - sicher eine Reminiszenz an die Gärtnerausbildung.
Im Mittelbau der Orangerie (Abb 4: Bild Binner 0065/375) setzte der Baron seinen Vortrag fort, wobei er uns etwas über die Wirtschaftsgeschichte der Baronie (der einzigen in Schweden) berichtete.
Die ab 1760 erworbenen Ländereien der Baronie dienten zunächst vor allem der Kupferverhüttung und der Kupferproduktion. Der regional anstehende Schiefer enthielt offensichtlich auch Kupferschiefer, also einen mit dünnen Schichten sulfitischer Kupfererze durchsetzten schiefrigen Mergel. Dieser wurde abgebaut und in den Hütten von Atvidaberg verarbeitet. Dazu wurde auch das Holz der Wälder verwandt.
Seit 1830 steht für den Transport der Erze von der Mine in Bersbro zu den Hütten in Åtvidaberg die erste schwedische Eisenbahn zur Verfügung
Die Kupfergewinnung wurde von 1754 bis 1911 ununterbrochen betrieben.
Seit 1900 stellt die Land- und Forstbewirtschaftung die vorrangige Einkommensquelle der Baronie dar. Auf 4 Höfen mit rd. 2500 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche wird mit 200 Kühen Milchwirtschaft betrieben, inzwischen aber mit abnehmender Wirtschaftlichkeit.
Um eine weitere Verwertung des Holzreichtums zu ermöglichen wurde eine Fabrik zur Büro-Möbelherstellung eingerichtet.
Für die Kupfergewinnung waren inzwischen Verfahren entwickelt worden, für die Elektrizität benötigt wurde. So wurde ein Elektrizitätswerk gegründet, daß noch heute auch die Häuser der Baronie mit Strom versorgt.
Des weiteren stellt die Vermietung der in der Baronie vorhandenen Gebäude ein zusätzliches Einkommen dar.
Zwischen 1920 und 1980 änderte sich erneut die Wirtschaftsstruktur der Baronie. Die Pflege und Nutzung der überwiegend aus Kiefern und Fichten bestehenden Wälder gewann größere Bedeutung. Die Mechanisierung verhalf zu größerer Effektivität. Für die Verarbeitung des Holzes wurde in Viresjö ein Sägewerk errichtet, das heute zu 25% Hölzer aus eigener Gewinnung verarbeitet und zu 75% Hölzer aus fremden beständen. Insgesamt werden jährlich etwa 80 000 cbm Holz verarbeitet, das in Europa, Japan, China und in den arabischen Ländern seine Abnehmer hat.
In dieser Zeit (1900 bis 1950) hatte auch die im ehemaligen Herrenhaus eingerichtete Gärtnerschule ihre große Bedeutung. Sie war wohl die erste Ausbildungsstätte für Gärtner und Gartenberater in Schweden. In einem zweijährigen Kurs, der im ersten Jahr Unterricht in der Praxis zum Inhalt hatte, im zweiten Jahr den theoretischen Unterbau zur Gärtnerei vermittelte, wurden die 'Schüler' ausgebildet. Diese Ausbildung ist inzwischen an andere Einrichtungen verlagert worden
Im Immobilienbereich machte sich die Veränderung in Hinblick auf die Nutzung von Flächen für Freizeit und Erholung bemerkbar. Es wurde ein Golfplatz angelegt und Ferienhäuser errichtet.
So ist die Baronie heute wirtschaftlich breit gelagert. Dass dieses Konzept nicht uneffektiv ist, zeigt sich auch am Pflegezustand des Parks und seiner Bauten. Obwohl der Baron nahezu ohne staatliche Beihilfen auskommen muß, weist der Park einen akzeptablen Pflegestandard auf..
Im Mittelbau der Orangerie waren zwei Gemälde aufgestellt (Abb 5 und 6: Bild Karten 1+2), auf denen die Gestaltung der Halbinsel im 19. und im 20. Jahrhundert dargestellt ist. Zudem lag ein Flyer bereit, dem die folgenden Informationen zur Orangerie entnommen sind.
Die erste Orangerie (Abb 7: Bild Fl-02-ver) auf diesem Standort wurde 1860 errichtet. Der in der Mitte mit einer Rotunde aus Stahl und Glas errichtete Bau gilt als einer der frühesten Orangeriebauten in Schweden. Als besondere Qualität wurde vermerkt, daß alle Fenster zu öffnen gewesen seien.
1916 - 1926 erneuerte I.G. Clasen, der großen Einfluß auf die schwedische Baukunst hatte, das Orangeriegebäude (Abb 8: Bild Fl-03-ver). Der Mittelbau mit der Kuppel blieb erhalten; er erhielt die Funktion eines Wintergartens mit ständiger Vegetationsausstattung. Die Seitenflügel wurden durch Neubauten ersetzt. Sie dienten als Winterquartier für die Kübelpflanzen, zu denen neben Orangenbäumen und Agapanthus -Gewächsen - schon um 1890 Lorbeerbäume, Feigen, Maulbeerbäume und Rhododendronbüsche gehörten. Wohl auf Wunsch des Bauherren diente dem Architekten Clasen ein Kupferstich als Bauvorlage, der einem in der Bibliothek des Bauherren befindlichen Buch entnommen war (Abb. 9: Bild Fl-01-ver). Verfasser des Buches war des Botanikprofessors Richard Bradley, der auch als Sachverständiger für Gewächshauskonstruktionen galt. Bradley hatte eine Orangerie wiedergegeben, die zwischen 1714 und 1719 in England von dem in Florenz geborenen Architekten Alessandro Galilei errichtet wurde. Das Gebäude erhielt eine Gesamtlänge von 75 m, der Kuppelbau ist 9 m hoch. Bis zu den sehr kalten Wintern in den Jahren nach 1940 wurde die Orangerie als Pflanzenhaus genutzt. Danach gab man die Nutzung auf.
1993 - 1994 wurde das Gebäude noch einmal instand gesetzt. Auch dabei blieb der Mittelbau, die Rotunde, erhalten. Die Seitenflügel wurden verkürzt ausgeführt und mit feststehenden Fenstern versehen. Seitlich aufgepflanzte Hecken (Abb 10: Bild M-3) markieren noch heute die ursprüngliche Länge des Hauses. Das Gebäude wird heute als Ausstellungs- und Festraum genutzt.
Auf Clasen geht auch der vor dem Orangeriegebäude liegende Senkgarten (Abb 11: Bild M-4) zurück, der zuvor noch ein wenig anders ausgesehen haben muss. 1890 wird eine Granit-Mauer vor dem Gebäude beschrieben, die mit Urnen und Vasen bestückt war.
Der heute vorhandene Senkgarten besteht aus einem um etwa 1m vertieft gelegenen rechteckigen Wasserbecken, das von zwei gleich breiten Terrassenstufen umgeben ist. Die Mauern des Senkgartens sind - ebenso wie die Stützmauern am Herrenhaus (Abb 12: Bild M-5) - aus dem örtlich anstehenden Schiefer gebaut. Weil dieser sehr hart und entsprechend schwer zu bearbeiten ist, haben die Mauern ein eher rustikales Aussehen. Die handwerklich hervorragend gearbeiteten Mauern fanden sicher auch die Anerkennung des Architekten, der großen Wert auf die materialgerechte Verarbeitung ortstypischer Baustoffe legte. Eine der Abbildungen im Flyer zeigt, daß der Senkgarten normalerweise im Sommer mit bunten Staudenrabatten und vielen Kübelpflanzen geschmückt ist. Bei unserem Besuch war er infolge der Sanierungsarbeiten am Gebäude sehr kahl. Die Orangerie liegt an der südlichen Längsseite des Senkgartens; die nördliche Grenze des Gartenbereiches wird durch eine schon auf dem Plan von 1890 vorhandenen breiten, geraden Weg begrenzt, der in einer Rundbank mit Löwen/Greifen-Wangen (Abb. 13: Bild M-6) mündet.
Unser Weg zurück zum Bus führte vorbei an dem ebenfalls von Clasen entworfenen jetzigen Herrenhaus. Dabei konnten wir eine Reihe von schönen Parkbildern wahrnehmen wie sie zu einem Landschaftsgarten gehören: Blicke auf und über den See, auf einen Monopteros (Abb 14: Bild M-7) und auf andere Bauten, die neugierig machten auf das Gesamtkonzept des Parks.
In den schwedischen Texten, die uns für diesen Bericht zur Verfügung gestellt wurden, fand sich die (kurze) Beschreibung eines im Jahre 1782 von Peter Maximilian Adlerfeld gezeichneten Planes, der zwar nie so ausgeführt wurde, aber dennoch viele Jahre lang Anregungen für die Parkausstattung gegeben hat. Dieser Plan hatte die Umgestaltung des vom französischen Stil beeinflussten Gartens in einen Landschaftspark im anglo-chinoisen Stil zum Ziel. Er sah u.a. vor, den Park mit mehreren unterschiedlichen Lusthäusern, einer Voliere, antiken und chinesischen Tempeln, einer türkischen Moschee und einer ägyptischen Pyramide auszustatten, ganz wie es der in Göteborg geborene, englische Hofarchitekt William Chambers in seinem auf dem Kontinent sehr geschätzten Buch 'Dissertation on Oriental Gardening' (1772) dargestellt hat.
Es gibt aus dem Jahre 1852 eine Beschreibung des Parks, in der von einem Labyrinth aus Weissdornhecken gesprochen wird, das so gestaltet ist, daß man drei Stunden benötigt um wieder heraus zu kommen. Ein Lusthaus war vorhanden und ein chinesischer Tempel, ein aus Aristolochia-Pflanzen gebildetes Champagner-Glas, eine Eremitage, ein Kastell (1820 gebaut) und diverse Fontainen mit Skulpturen. Ein weiteres wichtiges Ausstattungselement war der Linné-Tempel, der aus einer Lindenlaube kombiniert mit Lonicera-bewachsenen Holzgittern bestand. In der Mitte dieser Laube war, umgeben von Linnea-Pflanzen, eine Büste von Carl von Linné aufgestellt.
Bedauerlicherweise hatten wir keine Zeit, uns auf die Spuren dieser Gestaltung zu begeben.
Der von uns erspähte Rundtempel auf dem anderen Seeufer ist 1809 durch den Architekten Caspar Seurling errichtet. Der Tempel wurde vom Maler Pehr Hörberg mit Gemälden ausgestattet, die den Hausherrn als Jupiter darstellten, umgeben von allegorischen Anspielungen auf den Bergbau.
Am Standort des Kastells ist heute noch ein 1850 erbauter Kanonenturm(Abb. 15: Binner Bild 0075) erhalten Der Turmes besitzt eine 'Sonnenkanone', also einer Kanone, die mit Hilfe eines Brennglases gezündet wird.(Abb 16: Binner Bild 0068)Das Brennglas war so ausgerichtet, dass die Kanone zur Mittagszeit (höchster Sonnenstand) gezündet wurde. Damit übernahm sie die Funktion einer Uhr.
Das Vorbild für diese Kanone, die heute einzigartig ist, entdeckte der damalige junge Baron Seth Adelswärd 1820 in Paris. Der aus Halle/Saale stammende Wissenschaftler Christian Eduard Littmann, Mitglied der königlichen Wissenschafts-Akademie, berechnete und konstruierte 1853 für den Baron diese Kanone. Das Gehäuse wurde in Finspang angefertigt. Heute sind von der mehrfach restaurierten Kanone nur noch das Brennglas und die Kanone selbst Originalteile. Noch vorhandene Originalrechnungen (Abb. 17: Bild rechung) haben die Wiederherstellung der Abfeuerungseinrichtung ermöglicht. Dies und noch mehr Details erfuhren wir im Rahmen einer Turmbesichtigung, die sich an den Orangerie-Besuch anschloss.
Üblicherweise wird die Kanone, für deren Wartung jetzt ein privater Verein zuständig ist, um 12 Uhr abgefeuert. Uns zuliebe wurde sie bereits früher mit den erforderlichen 70 g Schwarzpulver mit Hilfe eines Ladestockes (Abb. 18: Bild Binner 0071) gefüttert und über eine Zündschnur gezündet (Abb. 19: Bild Binner 0073). Bei diesem Akt durfte ehrenvollerweise Friedel Binner assistieren, was er auch mit der notwendigen Sorgfalt und angemessener Ausstattung (sein Hut paßte perfekt) ausführte. So erhielt er zu recht ein Kanoniers-Diplom (Abb. 20: Bild Binner 0074).
(Maren Brechmacher-Ihnen)
Literatur
Andersson, 2001.
Parker och trädsgarder i Sverige, Lund, 1997.
Adelswärd,Gösta: Kring elt orangeri , Flyer
Baroniet Adelswert AB , Prospekt
STUREFORS
Sturefors in Östergötland, eine der best erhaltensten Parkanlagen des späten 18. Jhs. in Schweden, ist öffentlich zugänglich, das Schloss privater Wohnsitz der Grafen Bielke. Der Besitz wurde erstmals 1333 unter dem Namen Forsa erwähnt. Ein Vorgängerbau wurde vermutlich Ende des 16. Jhs. unter Ture Nilsson Bielke errichtet und Tureforsa benannt. Anfang 17. Jh. änderte sich die Benennung in Sturefors.
Graf Carl Piper erwarb Sturefors 1699. Er ließ von Nicodemus Tessin d. J. ein neues Schloss entwerfen, wobei der Vorgängerbau bis auf einen Teil des Nordflügels abgerissen wurde. Graf Piper zog unter Karl XII. von Schweden 1700 in den Krieg, die Verwaltung von Sturefors übernahm Pipers Frau Christina geb. Törnflycht. Er begleitete die Bauarbeiten aber per Korrespondenz bis zur Fertigstellung im Jahr 1705. Graf Piper geriet 1709 in der Schlacht bei Poltawa in russische Gefangenschaft und starb 1716, ohne Sturefors wieder gesehen zu haben.
Die barocke Gartenanlagen wurden ebenfalls nach Plänen von Tessin d. J. ausgeführt. Schon 1708 berichtet Josua Adelcrantz, dass der Garten recht gut aussieht und rühmt den Fleiß und Verstand des Gärtners. Auffallend sind die im Vergleich zum Parterre ungewöhnlich kurzen Boskettflächen, die im angrenzenden Hang begründet sind. Als nördlicher Abschluss der Querachse des Parterres wurde die Orangerie eingeordnet, die ebenfalls Tessin d. J. zugeschrieben wird. Sie ist auf einem Plan von 1700 mit einem Walmdach und niedrigeren Seitenflügeln an den beiden Giebeln dargestellt.
Aus dem Jahr 1766 stammt ein Planung für eine Umgestaltung der barocken Gartenanlage, die jedoch die wesentlichen Grundgliederungen beibehielt und nur die Parterres schlichter vorsah. Nördlich der Orangerie war die Schaffung eines sechseckigen, von Baulichkeiten gerahmten Raumes mit einem mittigen Brunnen vorgesehen, was in dieser Form offensichtlich nicht ausgeführt oder später wieder verändert wurde. Heute befindet sich nördlich der Orangerie das Gärtnerwohnhaus mit seitlich in der Flucht anschließenden Gewächshäusern, d. h. ohne die sechseckige Grundform, aber der mittige Brunnen ist vorhanden. Die Seitenflügel der Orangerie sind im Plan von 1766 noch mit Walmdächern dargestellt, wohl im 19. Jh. erfolgte ein Umbau in die heutige Form mit Pultdächern.
In den 1770er Jahren wurde unter Nils Adam Bielke der barocke Garten erweitert und dabei das große Wasserbeckens in der Hauptachse und ein Heckenlabyrinth angelegt sowie der Rundtempel zu Ehren von Christina Piper erbaut (1775, Architekt Carl Johann Cronstedt). An den alten barocken Garten angrenzend wurde eine landschaftliche Parkanlage mit geschwungenen Wegen, Teichen und chinesischem Pavillon neu geschaffen.
Die Orangerie wurde bis 1750 als solche benutzt. Weil der Unterhalt der Orangerie zu teuer wurde, schenkte die Gräfin Piper in diesem Jahr den Pflanzenbestand der neuen Orangerie im botanischen Garten zu Lund. Dies führte zu Problemen mit dem Zoll, da die exotischen Gewächse in der Zollverordnung nicht aufgeführt waren. Erst nach einer Woche konnte der Weitertransport zollfrei erfolgen, nachdem man erklärt hatte, dass die Pflanzen für den öffentlich zugänglichen botanischen Garten bestimmt seien. Im 19. Jh. wurde der Bau wieder als Orangerie genutzt, im Zusammenhang damit erfolgte wohl auch der Umbau der seitlichen Treibhäuser mit Stellagen und der Einbau einer Kanalheizung. Um 1850 beschrieb ein Besucher die Orangerie als ein Treibhaus, vor dem im Sommer alles, womit Italien seine Erde schmücken kann, aufgestellt ist: Orangen, Feigen, Maulbeeren, Lorbeer und Myrten (Pontin, 1855). 1930 waren noch alte Orangen, Feigen, Maulbeeren und Justicia adhatoda vorhanden und noch um 1960 gab es fruchtende Orangen.
Die Orangerie, ein Putzbau, ist eine der ältesten erhaltenen in Schweden und besteht aus einem Mitteltrakt von 21,0 x 6,1 Metern mit niedrigeren Seitenflügeln an beiden Giebeln von 7,1 x 4,8 Metern. Die Heizung erfolgte ehemals mit zwei Kachelöfen, die Wandnischen für dieselben sind noch vorhanden. Sicher im 19. Jh. wurde die Kanalheizung eingebaut, deren Einstiegsöffnung ist im Fußboden vor dem rückseitigen Eingang noch erkennbar, die Heizkanäle verlaufen unter den Fensterbänken. Der Fußboden ist mit Backsteinen ausgelegt und in der Decke befinden sich quadratische Lüftungsöffnungen. Interessant sind die außen am Sockel sichtbaren Klappen für die in Schweden übliche Fundamentbelüftung. 1992 wurden die Fassaden mit staatlichen Mitteln restauriert. Heute befindet sich vor Orangerie ein Swimmingpool, im östlichen Seitenflügel ist die Technik dafür untergebracht, im westlichen ein Umkleideraum. Als Relikt alter Gartenausstattung haben sich farbig gefaßte Nachbildungen von Agaven aus Metall erhalten, die für pfeilerbekrönende Vasen verwendet wurden. Im Bereich zwischen Orangerie und Gärtnerwohnhaus ist die ehemalige Gliederung mit dem mittigen runden Brunnen und mit vertieften Parterreflächen an Hand der Bodenmodellierung noch ablesbar.
(Alexander Niemann)
Literatur:
Bauer, Walter: Parker, Trädgårdar, Landskap. Förnya och bevara. Pontin, 1855
Kjellberg, 1971.
Andersson, 2001.
DIE ORANGERIE VON LÖBERÖD
Löberöd liegt im Süden Schwedens, ca. 25 km nordöstlich von Lund. Die weitgehend ebene, stark landwirtschaftlich geprägte Umgebung präsentiert sich als ländliche Idylle und erinnert so an Constables Landschaftsbilder.
Die Orangerie ist Teil einer großen Guts-/Schlossanlage, die in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts erstmals genannt wird. Das einstige Wasserschloss, das seine heutige Gestalt weitgehend dem 18. Jahrhundert. verdankt, ist von Gartenanlagen umgeben, die heute teilweise landwirtschaftlich genutzt, teilweise verfallen sind. Das Anwesen ist im Privatbesitz der Familie Ramel. Die derzeit nicht genutzte Orangerie wurde vor kurzem außen in Stand gesetzt.
Lage
Die Orangerie bildet den nördlichen Abschluss der Gesamtanlage. Sie steht - ohne festen Bezug zum in Ost-West-Richtung orientierten Schloss und von diesem durch einen langgestreckten See getrennt - in einem separaten Gartenteil, unmittelbar an einer aus Feldsteinen aufgesetzten Umfassungsmauer, in die ihre Rückfront integriert ist. Sowohl außerhalb wie innerhalb dieser Mauer war der Orangerie ein orthogonaler Garten mit Mittelachse und Umgang zugeordnet. Der nördliche Garten wird wohl der Deputatsgarten des Gärtners gewesen sein.
Der eigentliche Lustgarten erstreckte sich auf der Westseite des Schlosses zwischen Zufahrtsstraße und See und war im 19. Jahrhundert als Landschaftsgarten angelegt. Die Wirtschaftsgebäude und Ställe liegen diametral dem Orangeriebereich gegen-über östlich und südlich des Schlosses. Weiter im Süden schließt sich das Dorf mit weiteren Gutshöfen an.
Die Orangerie
Der 22 m lange und 10 m breite Bau ist mittig in Längsrichtung funktionell wie substantiell geteilt. An die nach Süden ausgerichteten Pflanzenräume ist auf deren Nordseite die Gärtnerwohnung angebaut. Die eigentliche Orangerie besteht aus verputztem Ziegelmauerwerk; der rückwärtige Teil ist aus Feldsteinen aufgemauert mit Wandstärken bis annähernd einem Meter. Das Gebäude wird von einem asym-metri-schen, um ca. 30° geneigten Satteldach in Biberschwanz-Einfachdeckung ge-schlossen, dessen First mittig über dem Orangerieteil verläuft.
Südfassade
Die Südfassade besteht aus neun gleich breiten Fensterachsen auf niedrigem Sockel, die durch einen Kämpfer im Verhältnis 5:4 geteilt sind. Die Mittelachse ist als zweiflügelige Tür ausgebildet. Zwei Stufen führen auf das Gartenniveau herunter. pilasterartige Wandvorlagen teilen die Fensterachsen, deren kapitellartiger die Höhe des Architravs aufnimmt. Die äußeren Wandvorlagen sind etwas breiter ausgeführt und werden um die Ecke herum verkröpft. Ungewöhnlich - und vermutlich auch nicht ganz historisch - ist die Ausbildung der kapitellartigen Abschlüsse, deren Deckplatte eine starke Neigung aufweist. Ein schmal durchlaufender, hell-ockerfarbener Putzstreifen ist über dem Architrav eingeschnitten und belebt die sonst weiße Fassade durch Farbe und Plastizität. Ein niedriges profiliertes Kranzgesims leitet zu dem hellroten Ziegeldach über.
Seitenfassaden
Die beiden Schmalseiten sind konsequent analog der Südfassade gestaltet. Die Gliederungselemente sind farblich und plastisch hervorgehoben. Zwischen zwei hellen pilasterartigen Wandvorlagen liegt ein eingetieftes Putzfeld. Der Architrav über der südlichen Fensterfront ist hier jedoch nur noch als schmaler Vorsprung sichtbar, da er hier keine Funktion hat. Das Kranzgesims ist um die Ecke geführt und bildet so mit der ebenfalls verkröpften Giebelkante ein Dreieck, in dessen gelblicher Putzfläche ein kleines Stichbogenfenster eingelassen ist, das wohl zur Querlüftung des Dachraumes diente.
An diesen vornehm-klassizistischen Baukörper schließt sich - bündig mit den Putzflächen - die Gärtnerwohnung an. Obwohl die Sparren durchlaufen, so dass sich die Dachfläche völlig einheitlich präsentiert, wird die innere Teilung auch außen klar sichtbar. Die Traufschalung ist in diesem Bereich nicht mehr profiliert und mit Ochsenblutfarbe dunkel gestrichen. In halbrund ausgemauerter Ziegelrahmung - ungefähr auf Höhe des Architravs - sitzt je ein kleines weißes Stichbogenfenster, das den Dachboden der Gärtnerwohnung belichtet, im Erdgeschoss darunter je ein Rechteckfenster.
Rückseite
Das Dach der Orangerie ist an der Nordseite so weit nach unten gezogen, dass die Eingangsfront der Wohnung nur ca. halb so hoch ist wie die Südseite. Die Fassade ist streng symmetrisch geteilt. In der Mittelachse befindet sich die Tür, darüber ein hölzernes Zwerchhaus mit großem gesprosstem Fenster. Eine in Stein gehauene Inschrift über dem Türsturz nennt die Namen der Erbauer und das Datum: „IACOB DELA GARDIE / CHRISTINA SPARRE / 1811“. Vier große Spros-senfenster - je zwei links und rechts der Tür - belichten die vier ungefähr gleich großen Räume der Wohnung, die sich rechts und links an die kleine Eingangsdiele anschließen.
Auf 2/3 der Dachhöhe - ungefähr da, wo der First des Zwerchhauses das Dach durchstößt - ragt auf beiden Seiten je ein Kamin auf. Die Schlote bleiben jedoch in ihrer Höhe unter der Firstkante, so dass sie zur Hauptfront hin nicht in Erscheinung treten.
Innenraum
Der Innenraum des Orangerieteils bestand bis 1882 aus einem großen Saal, wurde dann aber dreigeteilt, was eine Anpassung der Temperaturen an die unterschiedlichen Pflanzenbedürfnisse möglich machte. Die Räume sind untereinander axial durch je eine zweiflügelige Tür verbunden. Die beiden äußeren Achsen bilden jeweils einen eigenen, annähernd quadratischen Raum. Die Wände sind hell verputzt, ebenso die schmucklose, flache Decke. Die nach außen gerade geschlossenen Fenster zeigen nach innen Stichbogenwölbungen. Der Boden besteht aus in Längsrichtung verlegten Ziegelsteinen, deren Verbund ein ebenfalls mit Ziegeln abgedeckter Heizkanal durchschneidet. In der Nordwestecke des Mittelsaals hat sich ein offener Klinkerkamin mit verputzter Haube erhalten, der jedoch wohl nicht zur originalen Ausstattung gehört.
Im westlichen Raum besteht heute ein Durchgang zum Wohntrakt.
Der Orangeriegarten
Vom fünf Achsen umfassenden Mittelsaal führt eine Tür in den Garten, der derzeit als Pferdekoppel genutzt wird. Eine Pforte östlich der Orangerie erlaubt einen direk-ten Zugang vom Weg. Vom den alten Orangeriegarten und seinen Strukturen ist nichts mehr sichtbar. Im Vorbereich vor der Orangerie scheinen sich ursprünglich die Frühbeetkästen befunden zu haben.
Der Garten hinter der Orangerie - ca. 115 m breit und 77 m tief - scheint von einem Zaun und einer Baumreihe eingefasst gewesen zu sein. Die Gliederung bestand - wie auch bei dem davor liegenden Garten - aus einem Achsenkreuz mit einem Umgangsweg.
Pflanzenbestand
In den Gärten wurde vor allem eine große Zahl unterschiedlicher Obstbäume kultiviert. Ein Inventar aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts nennt neben wenigen Citrus, Maulbeer-, Mandel- und Walnussbäumen, 4 Aprikosenarten, 4 Pfirsicharten, 8 verschiedene Weinsorten, 44 Apfelsorten, 24 verschiedene Päonien, 8 Pflaumenarten etc..
Die Erbauer der Orangerie, Jacob De la Gardie und Christina Sparre hatten von Reisen Pflanzen mitgebracht und so einen Bestand von über 100 verschiedenen Arten zusammengetragen, darunter die traditionellen Orangeriepflanzen wie verschiedene Citrus, Feige, Lorbeer, Granatapfel, Yucca und Agaven.
Bewertung
Die Orangerie folgt der Idee der „ornamental farm“, wie sie Joseph Addison Anfang des 18. Jahrhunderts propagiert hatte, angeregt durch die Horaz’sche Beschreibung seines Landgutes und die das Ziel der „ästhetische(n) Nobiltiierung der Ökonomie“ verfolgte.
Die Orangerie bot vom Schloss her einen point de vue. Die ihr zugeordneten Gärten waren ökonomische Nutzflächen, die sich jedoch in die parkartige Gesamtgestaltung integrierten. Schönheit und Nützlichkeit waren eng verwandt. So kann vermutet werden, dass die Mauer als Wärmespeicher für die Reben diente, die im Inventar genannt sind.
Der eigentliche Orangeriesaal konnte im Sommer auch für Festlichkeiten genutzt werden. Im Garten davor standen sicher auch ein Teil der repräsentativen Orangeriepflanzen. Von hier bot sich dann das Schloss als point de vue an.
Abbildungen:
1. Grundriss, um 1850
2. Orangerie von Süden
3. Orangerie von Nordosten
4. Innenraum mit Heizkanal
5. Lithografie von F. Richhardt, um 1850
(Rosemarie Münzenmayer)
KVISTRUM (SMALAND)
Nach einer kleinen Irrfahrt kamen wir in Kvistrum an. Einer kurzen freundlichen Begrüßung folgte ein kräftiger Regenguss, der uns auf dem Weg zur Orangerie begleitete.
Kvistrum ist im Besitz der Familie Adelswärd in 10./11. Generation (Sohn) und Teil von Adelsnäs.
Die Orangerie wurde 1842 für Seth Adelswärth nach Plänen von Jonas Jonsson im regionalen sogenannten Tjust-Empire-Stil gebaut. Sie steht einzeln, etwas abseits von den übrigen Gutsgebäuden inmitten einer lückigen Obstwiese und wurde als eine der am besten erhaltenen Orangerien in Schweden beschrieben. Daher war das Interesse groß, was denn noch alles zu sehen ist, zumal die Orangerie seit 1930 nicht mehr als Orangerie benutzt wird.
(Abb. 1: FassadeSüd6)
Äußeres Erscheinungsbild:
1990 wurde die putzsichtige Fassade des Gebäudes mit einer Beihilfe vom Staat instandgesetzt. Das Gebäude macht von außen einen guten Eindruck. Ein hart eingedecktes Satteldach mit etwa nur 20 % Dachneigung erinnert an den Giebelseiten an einen kleinen klassizistischen Tempelbau.
Die Südseite hat nur noch drei offene Fensterachsen. Nach dem Gesims zu urteilen waren es früher 7 Achsen. Heute ist der Anteil an geschlossener Wandfläche auf der Südseite höher als der Anteil Fensterfläche, so dass das Gebäude auf den ersten Blick von Außen nicht als Orangerie erkannt wird. Das Gebäude hat 2 Schornsteine.
Der Eingang in die Orangerie befindet sich in der Mitte des Ostgiebels. Links und rechts daneben befinden sich zwei große Blindfenster.
Der Westgiebel weist heute keinerlei Öffnungen auf. Er ist außen durch drei Blindfenster gegliedert. Möglicherweise waren auch hier früher 3 Fensterachsen.
Die Nordfassade ist in 5 Achsen gegliedert und erinnert an eine Wohnfassade. In der Mitte befindet sich der Eingang zu der bis etwa 1960 genutzten Die Nordseite ist in zwei Geschosse aufgeteilt, jeweils mit zwei Fenstern im Erdgeschoss und im ersten Stock in jeder Achse, außer in der Mitte, wo statt des unteren Fensters eine Tür nach außen führt.
(Abb. 2,3,4: Südfassade2, FassadeWest1, FassadeNord1)
Innenräume:
Vorraum
Die Orangerie betritt man über einen Vorraum im Ostgiebel. Er nimmt die ganze Gebäudetiefe mit zwei Fensterbreiten nach Süden (davon eins offen und ein Blindfenster) ein. Vermutlich wurde die Zwischenwand erst später eingebaut.
In dem Vorraum befinden sich zwei aus Backsteinen gemauerte Feuerkuhlen für eine Kanalheizung. Die Kuhlen sind mit Holzluken abgedeckt, die zur Seite geklappt werden können. Ein kleine gemauerte Treppe führt zu den alten Feuerstellen, die bemerkenswert gut erhalten sind. Von hier verlaufen die Heizkanälen teils oberirdisch aus Mauerziegeln verputzt, teils unterirdisch unter dem Ziegelplattenfußboden. Außerdem steht ein zusätzlicher Kachelofen direkt an der Mittelwand. Der Raum wird zur Zeit nicht genutzt.
Hauptraum
Der Hauptraum der Orangerie erstreckt sich über die restliche Länge des Gebäudes bis zum Westgiebel. Der Raum wird durch zwei schöne große, mit Sprossen gegliederte Fenster belichtet. Früher waren es 5 Fenster. Die fehlenden 3 Fenster sind blind, außen verputzt und gestrichen. Innen sind die Blindfenster mit Brettern zugeschlagen.
Die Decke ist aus Holz, der Fußboden aus schönen Klinkerplatten. An der Nordwand des Hauptraumes befindet sich ein hohes Holz“regal“, eine Stellage für Blumentöpfe und kleinere Kübel. Die Stellage hat 3 Etagen mit 4 Holzsäulen und reicht bis zur Decke. Die Etagen können über eine defekte Treppe begangen werden. Sie scheinen eine spätere Zutat vom Ende des 19. Jh. zu sein.
Der Raum weist an der Decke und an der Stellage Brandschäden auf. Er dient heute als Partyraum. Eine alte Parkbank, ein Topfregal und einige Tonblumentöpfe erinnern noch an die gärtnerische Nutzung.
(Abb. 5,6,7: InnenSüd3, InnenSüd2, InnenSüd11)
(Abb. 8,9,10: InnenSüd13, InnenSüd1, InnenSüd15)
Gärtnerwohnung
Die kühle Nordseite ist hier, nicht wie bei den anderen besichtigten ländlichen schwedischen Orangerien die Außenmauer, sondern befinden sich hier über 2 Etagen einzelne kleine Räume. Unten war dies die ehemalige Gärtnerwohnung, die einen eigenem Ausgang in den Garten hatte. Die ehemalige Küche mit altem Herd und großer offener Esse ist noch erhalten.
Zusammenfassung
Die Orangerie ist als Baudenkmal in gutem Zustand. Es ist schön zu sehen, dass alte ungenutzte Gebäude im ländlichen Schweden nicht abgerissen, sondern stehen gelassen werden. Sie überdauern Generationen und sind wichtige Zeugnisse der Kultur.
(Stefan Pulkenat)
ÖVEDS KLOSTER
Öveds Kloster war der südlichste Anlaufpunkt auf der Exkursion. Es empfing uns Hans Ramel, dessen Familie das Gut seit dem 18. Jahrhundert besitzt. Zu Schloss und Garten gehören noch heute 1700 ha Grundbesitz, den die Familie heute mit Rinderzucht, Forstwirtschaft und Holzhandel bewirtschaftet.
Schloss und Park Öveds Kloster
Wie im Namen enthalten, geht der Ort auf eine Klostergründung zurück. Seit dem 12. Jahrhundert befand sich hier ein Kloster, das im Zuge der Säkularisierung im 16. Jahrhundert aufgelöst wurde. Nach einigen Eigentümerwechseln gelangte das Anwesen in den Besitz der Familien RAMEL.
Der Entwurf für die mächtige barocke Schloss- und Gartenanlage stammt von Carl HÅRLEMANN, die Ausführung begann allerdings erst nach seinem Tode (1753). Man geht davon aus, dass HÅRLEMANN nicht nur das Schloss und die den Ehrenhof flankierenden Pavillons entwarf, sondern auch den Garten, sowie das mächtige Alleensystem. Angeblich wurden die vorher am Ort befindlichen Klosteranlagen vollständig vernichtet, doch lassen Beobachtungen über Irregularitäten in der orthogonalen Grundstruktur, über die im Zusammenhang mit der Disposition der Orangerie noch zu reden sein wird, vermuten, dass mindestens im Bereich der Wirtschaftsgebäude auf Vorhandenes zurückgegriffen wurde.
Es existiert ein Idealentwurf des barocken Gartens (Abb. 1: BARNEKOW 1768, aus: Ramel 1927, S. 11), der eine monumentale Anlage mit einer zentralen, auf Schloss und Ehrenhof zulaufende Achse zeigt. Hinter dem Schloss mündet die Achse in ein Parterre und einen Halbkreis, von dem aus ein Dreistrahl in die Landschaft greift. Der Entwurf ist Vorstellung geblieben, lässt aber die Ambitionen des einflussreichen Bauherrn ahnen.
Der tatsächlichen Ausführung recht nahe kommt hingegen wohl die Darstellung um 1790 (Abb.2: Öveds Kloster 1790 aus: Kjellberg 1971, S. 387 ), die eine wesentlich bescheidenere Anlage mit regelmäßigen, aber in sich geschlossenen Gartenteilen zeigt. An das Schloss schließt ein längsrechteckiges Parterre mit glatter Rasenfläche an, von Berceaus oder Alleen räumlich begrenzt. Der Ausblick in die angrenzende reizvolle Landschaft ist nicht durch Alleen gefasst und inszeniert, wird aber durch die Öffnung der Parkstruktur ermöglicht.
Östlich schloss sich ein regelmäßig unterteilter und durch Allee und Wassergraben räumlich begrenzter Lustgartenteil an. Der dritte Bereich, der Küchengarten, lag westlich des Parterres und ist als großer Raum mit regelmäßiger Baumsignatur dargestellt.
Besonders imposant sind auch heute noch die mächtigen Alleen, insbesondere die auf das Schloss und den Ehrenhof zuführenden (Abb.3: Allee außen, Abb. 4: Allee). In einem dendrologischen Fachbeitrag von 1926 ist vermerkt, dass es ein 9 km umspannendes Alleensystem gab und die Alleen aus Linden, Ulmen, Mehlbeeren und Kiefern bestanden (Ramel 1927, S. 14). Die Alleen sind teilweise durch mächtige Dämme aufgehöht, um die Unebenheiten des umgebenden Terrains auszugleichen. Die Dämme wurden, so berichtet der Beitrag, mit Steinmauern befestigt, in denen in regelmäßigen Abständen große "brunnenartige Pflanztröge" für die Alleebäume eingearbeitet waren. Die Mächtigkeit der Dämme wurde auch den Exkursionsteilnehmern deutlich, als der Reisebus wieder auf die Landstrasse bog und sich im Rückblick die Zufahrtsallee hoch über die Felder erhob.
Der Garten erfuhr ab 1870 eine landschaftliche Überformung unter dem Gartenmeister EKMANN. Unter Respektierung der vorhandenen regelmäßigen Grundstruktur und der barocken Alleen wurde ein Teil des Küchengartens in eine Anlage im englischen Stil umgestaltet mit geschwungenen Wegen und freistehenden, seltenen Bäumen auf der Wiesenfläche. Der dendrologische Beitrag von 1926 berichtet, dass hier das größte Exemplar eines Liriodendron in Schweden steht, bei unserem Besuch fast 80 Jahre später waren u.a. Castanea sativa und Pierocarya fraxinifolia in gleichmäßig-lockerer Anordnung auf der Wiesenfläche zu bewundern.
Das Parterre erhielt Ende des 19. Jahrhunderts die heute noch vorhandene Pflanzstruktur mit halbrunden Ausbuchtungen. (Abb. 5 Gartenparterre)
Neben EKMANN gehen die Umgestaltungen dieser Zeit auch auf den Gärtner ISBERG zurück, der das besondere Interesse der Exkursionsteilnehmer erregte, da er einen Teil seiner Lehrzeit in Potsdam verbracht hat. Später wurde er Stadtgärtner in Malmö .
Von ISBERG stammt auch die westlich des Schlosses in den Garten herabführende Treppenanlage, die zusammen mit der mit Nischen und Pilastern gestalteten Stützmauer ab 1890 einen neobarocken Akzent in Öveds Kloster setzen.
So wird die Gartenanlage seit 250 Jahren im Besitz der Familie Ramel gepflegt, war immer wieder Veränderungen bzw. Modernisierungen unterworfen, ist aber in wichtigen Grundstrukturen erhalten geblieben.
Die Orangerie
Die Orangerie befindet sich westlich des Schlosses und ist damit dem ursprünglich als Nutzgarten definierten Bereich zugeordnet. Die Südfront des Gebäudes ist merkwürdigerweise nicht in die rechtwinklige Grundstruktur der Gesamtanlage eingeordnet, sondern steht leicht versetzt. Damit liegt die Vermutung nahe, dass für den Bau der Orangerie vorhandene Mauern verwendet wurden, möglicherweise noch aus der Klosternutzung. Dies ist umso wahrscheinlicher, da die Nordwand im Gegensatz zu den übrigen Ziegelmauern aus Feldsteinmauerwerk besteht. Die Ostwand der Orangerie fügt sich in das rechtwinklige System der Gesamtanlage ein, wodurch das Orangeriegebäude eine spitzwinklige Form erhält. (Abb 6: Orangerie)
Es ist zu vermuten, dass die Orangerie Teil der HÅRLEMANNschen Gesamtkonzeption ist, die Erbauungszeit also um 1753 liegt.
Fassade
Die Orangerie besitzt eine rote Klinkerfassade mit 10 großen Südfenstern mit flachen Rundbögen und einer zentral angeordneten Tür. Die Fassade ist nur durch die großen Fenster und oberhalb angeordneten Rundfenster gegliedert, letztere belichten wohl einen Trockenboden. So ist die Orangerie relativ hoch und weist oberhalb der vielen Fenster große Wandflächen auf. Diese werden heute durch ein Weinspalier genutzt. In dem Aufsatz von 1926 wird bereits die Nutzung dieser Wand und die der angrenzenden Ökonomiegebäude als Obstspalier für Pflaumen, Pfirsiche, Aprikosen und Birnen erwähnt.
Der Zugang zum Innenraum erfolgt durch eine Tür an der Westseite.
Innenraum
Von Westen betritt man zunächst eine Art Vorraum, der mit einer halben Wand von dem durchgehenden großen Innenraum abgetrennt ist..
Die Orangerie besitzt eine Kanalheizung, die von einem vertieft gelegenen Feuerplatz aus beheizt wurde. Der Kanal geht an der Nordwand in aufgeständerte Schleifen über, bevor er in den Kamin führt. (Abb.7: Heizung) Dieser Bereich der Heizung war im Westteil des Raumes erhalten, während das Pendant im Südteil, sowie die Kanäle im Boden nicht erhalten waren, der Besitzer konnte aber die Auffindung der Kanäle während der Sanierungsarbeiten vor einigen Jahren bezeugen.
Die Belüftung der Orangerie erfolgte durch die Oberlichter an einigen Fenstern, zusätzlich existierten an den Fensterbänken hölzerne verschließbare Lüftungsöffnungen, von denen nur eine erhalten ist. An der Holzdecke des Raumes gab es keine Lüftungsöffnungen.
Einige der Fenster sind herausnehmbar, so dass vermutlich ein Teil des Pflanzenbestandes auch im Sommer innerhalb des Gebäudes verblieb und damit geschützt, aber doch „sommerlich“ mit geöffneter Vorderfront präsentiert werden konnte.
Auffallend und Anlass zu Spekulationen waren drei runde Vertiefungen im Fußboden des Innenraumes mit einem Durchmesser von ca. 150 cm und einer Tiefe von 90 cm. (Abb. 8: Fußbodenvertiefung) Es ist anzunehmen, dass hier besonders große Kübelpflanzen hineingestellt wurden. Einige Exkursionsteilnehmer konnten sich mit dieser Erklärung nicht anfreunden, weil sie fanden, dass der Herausnehmen der großen Pflanzen aus den Vertiefungen unverhältnismäßig aufwändig gewesen wäre. Dem ist entgegenzuhalten, dass die Pflanzen ja wahrscheinlich auch im Sommer im Gebäude blieben, worauf, wie oben erläutert, die herausnehmbaren Fenster verweisen.
Eine schwedische Besonderheit, die uns auch in anderen Orangerien begegnete, ist die doppelte Nord- und Ostwand des Orangeriegebäudes. In 90 cm Abstand von der nördlichen Außenmauer aus Feldsteinen ist zusätzlich eine innere Ziegelmauer aufgeführt. Der Raum dazwischen bleibt ungenutzt und wäre auch als Wirtschaftsraum zu schmal. (Abb. 9: Gang) Es handelt sich also tatsächlich um einen Hohlraum und damit um einen Klimapuffer, der die empfindlichen Pflanzen vor den kalten Winden schützt.
Über den historischen Pflanzenbestand der Orangerie war nichts in Erfahrung zu bringen.
Das Gebäude wurde vor einigen Jahren mit staatlicher Unterstützung restauriert und ist derzeit ungenutzt.
Literatur
Ramel, 1927, S. 11-18.
Kjellberg, 1971.
Abbildungen:
Abb. 1: BARNEKOW 1768, aus: Ramel 1927, S. 11
Abb.2: Öveds Kloster 1790 aus: Kjellberg 1971, S. 387
Abb.3: Allee außen
Abb. 4: Allee
Abb. 5 Gartenparterre
Abb. 6: Orangerie
Abb.7: Heizung
Abb. 8: Fußbodenvertiefung
Abb. 9: Gang
GARTENBÜCHER IN STOCKHOLM
In der Kungliga biblioteket, Sveriges nationalbibliotek (Königliche Bibliothek Nationalbibliothek Schwedens, http://www.kb.se ), - sie steht, gründerzeitlich behäbig, im Humlegården, einem Park im Zentrum von Stockholm -, versuchte Iris Lauterbach, das berühmte Buch Lustgarten von André Mollet (1652) einzusehen - leider vergeblich. Ihre Bestellung verschwand, ebenso die nächste und auch die übernächste. Niemand wußte von etwas. Auffindbar war Le Rouges Jardin Anglo-Chinois mit Anmerkungen König Gustavs III., die sich jedoch als ganz wenige und unbedeutende entpuppten. Auf weitere Versuche mußte aus Zeitgründen verzichtet werden, was sehr bedauerlich ist, hat doch die Königliche Bibliothek die ältesten und kostbarsten Gartenbücher Europas. Die Erfahrung aus Deutschland, daß eine Bibliothek, je größer sie ist, desto schwerfälliger arbeitet und desto weniger benutzbar ist, bestätigte sich leider dieses Mal auch in der Königlichen Bibliothek zu Stockholm.
Um so mehr Glück hatten Anusch Cutujian und C.A.Wimmer, die von Sylvia Borgmann in die Kungl. Skogs- och Lantbruksakademien (Königliche Forst- und Landwirtschaftsakademie, http://www.kslab.ksla.se ) geführt wurden, weil diese 1994 die Bibliothek besucht und in bester Erinnerung bewahrt hatte. Die Akademie befindet sich in einem denkmalgeschützten, neoklassizistischen kleinen Palais von 1867 in der Universitätsgegend am nördlichen Ende der Drottninggata. Gegründet wurde die Akademie bereits 1813 von Kronprinz Carl XIV. Johann, jenem von den Schweden zum König erkorenen französischen General, der ursprünglich Jean Baptiste Bernadotte hieß und auf den das noch heute regierende Königshaus zurückgeht. Die Bibliothek steht in der gleichen Tradition wie unsere Bibliothek und ist mithin als eine etwas ältere Schwester zu bezeichnen. Sie beeindruckt durch ihre lückenlose Unversehrtheit, hat sie keine Kriege erleben müssen und die Zeiten bei bester Pflege und Obhut überdauert.
Die ersten Mitglieder der Akademie ernannte der König persönlich, darunter den Botaniker Carl Peter Thunberg. Die Jahresversammlung findet wie beim Verein zur Beförderung des Gartenbaues in den königlich preußischen Staaten immer am Gründungstag statt, und der jeweilige König ist Schirmherr. Die Zeitschrift der Akademie erscheint seit Anbeginn. Die Mitteilungen des Berliner Vereins sind selbstverständlich komplett vorhanden, ebenso wie die Mitteilungen der Schleswig-holsteinischen landwirtschaftlichen Vereinigung.
Ein gedruckter Katalog enthält die Standardwerke der europäischen Gartenliteratur seit dem 17. Jahrhundert und z.B. unter Nr.6 Gartenschriften aus aller Welt. Seit 1832 erschien außerdem die erste schwedische Gartenzeitung, Svenska träd-gårds-föreningens Berättelse. Wir bemerken Le Jardinier françois (Amsterdam 1654), Jan van der Groens Holländischen Gärtner (Amsterdam 1669), Paul Crottendorfs Unterricht von Obst-Gärten (Leipzig 1700), ein Schreiben den chinesisch-englischen Garten zu Marienwerder ohnweit Hannover betreffend (Han-nover 1777), eine Übersetzung von Burgsdorfs Anleitung ins Dänische (1799), Estienne Calvels Buch über Obstpyramiden (Paris 1802), H. Storchs Brie-fe über den Garten Pawlowsk (St. Petersburg 1804), Die Kultur des Aka-zien-baums von Johann Christian Gotthard (Altona 1796), Bernhard Laubenders Neueste Beiträge zur Beförderung des Gartenbaues auf den Dörfern (Leipzig 1800), Thomas Andrew Knight über Ananaszucht (Ilmenau 1825), Ludwig Schochs Umrisse für Freunde der Gartenkunst (Dessau 1828), eine Übersetzung von Hermann Jägers Zimmergärtner ins Schwedische (Vinterflora, Gefle 1870).
Bibliothekar Joachim Siöcrona empfing die Angemeldeten persönlich und mit größter Freundlichkeit. Die Freude des Wiedersehens paarte sich mit der Anerkennung der zwischenzeitlichen Veröffentlichungen, die selbstverständlich in der Bibliothek ihren Platz gefunden hatten. Die zur Einsicht erbetenen, auch kostbarsten alten Werke wurden sogleich herausgesucht und vorgelegt. Obwohl Garten-bau nicht im Mittelpunkt der Erwerbungen steht, da Aufgabe der Akademie Fragen der aktuellen Land- und Forstwirtschaft sind, findet man neben der alten Literatur einen bedeutenden Bestand an neuzeitlichen Gartenbüchern, darunter so entlegenes Schrifttum wie C. A. Wimmers Bäume und Sträucher (2001), das sonst keine schwedische Bibliothek besitzt.
Ein Großteil des Bestandes der Bibliothek ist freihändig zugänglich. Gartenkunst und Gartengeschichte stehen jedoch in einem Magazin im Hause, ebenso die Rarabestände.
Zahlreich sind die schwedischen Werke über Gartenbau und Gartenkunst, von denen Besucher aus Deutschland normalerweise keine auch nur annähernde Vorstellung haben, da lediglich das oben erwähnte Buch von Mollet auch auf Deutsch erschien. Am Anfang steht Arwid Månsons Een mykit nyttig Örta Book (1628) und dessen Een Nyy Träägårdz-Book (Stockholm 1654), gefolgt von Johannes Palmbergs Swenske Örtekrantz (1684), Johann Ahlichs Swenska Lust- Örte- och Trädgård (1722) und G. T. Dahlmanns Den färdige Trägårdsmästa-ren (Stockholm 1728). Sehenswert möchten auch Anders Lissanders Anmärkningar vid Svenska Trägårdsskötseln (Stockholm 1768) und Anders Lundströms Handbok i Trägårdsskötseln (Stockholm 1830) sein, ganz zu schweigen von den Büchern des Jugendstil-Gartenkünstlers Rudolf Abelin wie dessen Hergårds-trädgården (Stockholm 1915).
Aus Zeitnot beschränkte sich C.A.Wimmer darauf, unter den schwedischen Werken nur Peter Lundbergs Then rätta Swenska Trägårds-Praxis (Westeräg 1754) einzusehen. Die Originalausgabe enthält Tafeln. Sie zeigen Gartengeräte, Obstspaliere, Gewächshäuser und Mistbeete sowie Entwürfe für einen Obstgarten, einen Hopfengarten und einen Lustgarten. Der Text behandelt in 6 Büchern 1. Gemüsebau, 2. Obst- und Weinbau, 3. Fruchtkonservierung, 4. Lustgärtenentwurf, Blumenbau mit Sortenlisten, 5. Orangeriekultur und Orangerie-pflanzen, 6. Hopfenbau. Ein Anhang enthält einen Arbeitskalender für Küchen-, Baum- und Lustgarten.
Im Buchhandel war auch eine Neuausgabe von Lundbergs Buch zu entdecken. Sie erschien irreführenderweise unter dem Namen des Herausgebers: Hans Mårtensson: Trädgårdspraxis år 1754. Kalmar 2002. - 144 S. : Ill. (ISBN 91-973529-7-7), die allerdings wissenschaftliche Ansprüchen nicht genügt.
An guten Neuerscheinungen der aufblühenden schwedischen Gartengeschichte seien empfohlen:
- Nolin, Catharina: Till sadbornas nytta och förlustande: Den offentliga par-ken i Sverige under 1800-tallet, Stockholm 1999. - 393 S. : Ill.
- Nolin, Catharina: Drottningholms slottspark: Historik och vägledning, Stock-holm 2000. - 72 S. : Ill.
- Olausson, Magnus: Den Engelska parken i Sverige under gustaviansk tid. 2. Aufl. Stockholm 2001. - 592 S. : Ill.
- Martinsson, Karin: Pelargoner: Kulturarv i kruka. Stockholm 2000. - 256 S. : Ill. (Kulturgeschichte der Pelargonien)
Ein umfangreiches Sortiment des schwedischen und englischen Buchhandels findet man im Akademibokhandeln ( http://www..akademiebokhandeln.se ) in der Regeringsgatan Ecke Mäster Samuelsgatan. Gegenüber in der Regeringsgatan 56 befindet sich ein modernes Antiquariat. Die Preise auch moderner Bücher schwanken in Schweden von Geschäft zu Geschäft.
Das schwedische Forum för trädgårdshistorisk forskning gibt ein Bulletin heraus, die vor allem über Neuerscheinungen und Tagungen auf dem Gebiet der Gartengeschichte berichtet (E-Mail: asa.ahrland@raa.se ).
(Clemens Alexander Wimmer)
LITERATUR:
ADELSWÄRD, GÖSTA: Kring ett orangerie, 1994.
ANDERSSON, INGELA: Om orangerier och drivhus i Sverige, med föslag till rekonstruktion av drivhusen vid Gunnebo slott, 1996.
ANDERSSON, INGELA: Inventeringsrapporter från Södermanlands, Stockholms, Uppsalas, Västmanlands och Östergötlands län, Göteborg, 2001.
BAUER, WALTER: Parker, Trädgårdar, Landskap. Förnya och bevara.
BÄCKSTRÖM, A. G.: Strömsholm förr och nu, Stockholm, 1924.
BUTTLAR, ADRIAN VON: Der Landschaftsgarten, München, 1980,
Catherine the Great & Gustav III, Ausstellungskatalog Stockholm, 1998-1999.
Drottningholms Schlossverwaltung: Schloß Drottningholm, Garten und Park, 1997.
ERICSSON, N.J.: De kungliga trädgardarne i Stockholms närhet, Svenska trädgardsföreningens arsskrift, Stockholm, 1854.
Fredrik Magnus Piper, Ausstellungskatalog Stockholm, 1981.
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MELANDER, TORD UND KULTUR- OCH FRITIDSFÖRVALTINGEN DER KOMMUNE MÖLNDAL (Hg): Gunnebo Slott & Trädgardar. Hrsg. von der. Palmeblads Try, 2000.
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TRÄDGÅRDSFÖRENINGEN GÖTEBORG: Göteborgs botaniska trädgård, u.D.
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ULRIKSDALS SLOTTSFÖRVALTNING I SAMARBETE MED STATENS KONSTMUSEER: Orangerimuseet på Ulriksdal, 1997.
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UPPSALA BOTANISKA TRÄDGÅRD ET AL.: Med ansvar för framtiden, Sveriges botaniska trädgårdar, 2000.
WOLLIN, NILS G.,: Desprez en Suède, Stockholm 1939.