Margita M. Meyer

Die Orangeriekultur - eine interdisziplinäre Forschungsaufgabe

Noch immer gleicht unser Wissen über die historische Entwicklung der Orangeriebauten in Deutschland, unsere botanischen Kenntnisse über die in den Orangerien gehaltenen Kübelpflanzen und die gärtnerischen Arbeitstechniken und Traditionen im Umgang mit den oft pflegeintensiven Pflanzen einem Mosaikbild, dessen viele Hundert Steinchen noch nicht zusammengesetzt sind.

Expositio
Abb.: Ferrari 1646
Foto © C.A.Wimmer, Potsdam 2003

Eingebettet in die großen Entwicklungsstränge der europäischen Gartenkunstgeschichte, die zumindest in ihren Hauptentwicklungslinien in den letzten hundert Jahren - ausgehend von Marie-Luise Gotheins Jahrhundertwerk "Geschichte der Gartenkunst" (2 Bde. Jena 1926) - geschrieben wurde, harren noch viele querschnittsorientierte Fragestellungen der Gartengeschichte ihrer weitergehenden Erforschung. Was fehlt sind interdisziplinär angelegte Forschungsprojekte, wie es sie für andere Denkmalgruppen gibt, die sich epocheübergreifend bestimmter Fragestellungen zuwenden, wie sie für eine qualitätvolle Praxis der Gartendenkmalpflege notwendig wären. So z.B. Fragen nach der historischen Pflanzenverwendung, den historischen Baumaterialien in der Gartenkunst und den überlieferten historischen Gartenbautechniken, die meist nur noch in den alten Gartenbautraktaten zu finden sind.

Auch die Orangeriekultur stellt ein solches Querschnittsgebiet dar, das nur in Zusammenarbeit mehrerer Disziplinen - Kunsthistoriker, Architekten, Gärtner, Botaniker, Historiker – vertieft erforscht werden kann. Dabei gilt zu bedenken, dass schon der Begriff der Orangerie im Laufe der Zeit unterschiedliche Bedeutungen hatte und selbst der Objektbereich keineswegs eindeutig ist, wenn in den historischen Plänen und Quellen von "Orangerien" die Rede ist.

Die Geschichte der Entwicklung der Orangeriebauten in Deutschland wurde erstmals in der 1939 veröffentlichten Dissertation von Arnold Tschira (TH Fridericiana zu Karlsruhe 1937) ausgebreitet. Seitdem gab es keinen weiteren Versuch, dieses Thema systematisch neu zu schreiben, - obwohl es mittlerweile eine Fülle von Einzeluntersuchungen und wissenschaftlichen Abhandlungen gibt, die neue Erkenntnisse und Befunde zu Tage gefördert haben.

Es ist das Verdienst des Arbeitskreises Orangerien in Deutschland e.V., die bisher noch nicht veröffentlichten theoretischen Befunde von Orangerieforschern im weitesten Sinne und die Erfahrungen der praktischen Gärtner in den historischen Anlagen im Umgang mit den Bauten und den Pflanzen nun in seiner Schriftenreihe zusammenzutragen.